Warren „Trump 2028“ – der amerikanische Präsident provoziert mit einer neuen Mütze
Die Verfassung verbietet Donald Trump eine dritte Amtszeit. Doch der Merchandise-Artikel wirkt wie eine Drohung, dass er dennoch erneut antreten könnte.
Das Cap kostet 50 Dollar. Es ist rot, in weißen Großbuchstaben steht „Trump 2028“ darauf. „«Die Zukunft sieht vielversprechend aus“, so wird der Merchandise-Artikel im offiziellen Trump-Online-Shop beworben: „Schreibe die Spielregeln neu.“
Die Regeln, die offensichtlich gemeint sind, stehen im 22. Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten. Dieser trat Anfang der 1950er Jahre in Kraft und beschränkt die Amtszeit des amerikanischen Präsidenten auf maximal zwei Perioden. Nachdem der Demokrat Franklin D. Roosevelt 1944 zum vierten Mal gewählt worden war, regte der republikanisch dominierte Kongress die Gesetzesänderung an.
2028 für eine dritte Amtszeit antreten: Das ist für Donald Trump also ausgeschlossen. Wenn er keinen Staatsstreich durchführt, wird er am 20. Januar 2028 nicht als 48. Präsident der Vereinigten Staaten vereinigt werden. Er kennt die Regeln – mehr oder weniger. Er werde oft gedrängt, noch einmal zu kandidieren, sagte er im Mai gegenüber dem Fernsehsender NBC: „Aber das ist etwas, was man, soviel ich weiß, nicht darf.“ Vermutlich, so fügte er demonstrativ lax hinzu, „aus Verfassungsgründen oder wegen sonst etwas“. Dann sage er noch: „Aber es gibt Methoden.“
Konkret erwog Trump in dem Gespräch den Gedanken, seinem Vizepräsidenten J. D. Vance bei den Wahlen zum Sieg zu verhelfen, nur um dann von ihm im Weißen Haus die Amtsgeschäfte zu übernehmen. Eine Art Medwedew-Putin-„Tandemokratie“, also: Putin, dem 2008 eine dritte Präsidentschaft von der Verfassung untersagt war, hatte sich dem neuen Präsidenten Medwedew zumindest auf dem Papier als Ministerpräsident untergeordnet, bevor die beiden ihre Rollen 2012 wieder tauschten.
Dass Donald Trump gewissermaßen einen „Russischen“ zu machen gedenkt, scheint schwer vorstellbar. Aber ausgeschlossen ist es nicht. Zumindest provoziert er seine Gegner gerne mit Anspielungen darauf, erneut anzutreten. Mit dem „Trump 2028“-Hut stößt er sie regelrecht vor den Kopf. Als Chuck Schumer, der demokratische Minderheitsführer im Senat, und sein Kollege aus dem Repräsentantenhaus, Hakeem Jeffries, jüngst im Oval Office waren, um den Shutdown abzuwenden, behelligte sie Trump plötzlich mit seinen Mützen. „Es war total seltsam“, äußerte sich Jeffries später gegenüber CNN: „Mitten im Treffen tauchten sie plötzlich aus dem Nichts auf und lagen auf dem Tisch.“
Im Anschluss an das Treffen stellte Trump kommentarlos Fotos online: Fokus auf die Hüte, am Bildrand die beiden Demokraten. Es war nicht die erste Gelegenheit, bei der Trump den Merchandise-Artikel bewarb. Im August zeigte er ihn dem aserbaidschanischen Autokraten Ilham Alijew. Und als kurz darauf Wolodymyr Selenskyj mit einer Delegation von europäischen Staatschefs im Weißen Haus war, führte Trump den ukrainischen Präsidenten ebenfalls in jenen Raum im West Wing, der zu einer Art Souvenir-Kammer umfunktioniert worden ist. Auf Fotos erkennt man Trump-Manschettenknöpfe, Schals, Thermosflaschen, auch ein Buch namens „From Mar-a-Lago to Mars“ steht in der Auslage.
Sichtlich stolz zeigte Trump Selenskyj seine große Auswahl von Baseballmützen. Neben einem Modell mit der Aufschrift „Trump hatte mit allem recht“ nahm er auch eines aus dem Regal, das mit „4 weitere Jahre“ beschrieben ist. Vermutlich vertreibt der Präsident die Produktlinie nur als Jux, aber das Unbehagen, das bei prodemokratischen Menschen entsteht, ist sicher Absicht. Und ob sie eine Art postfaktisches Souvenir erwerben oder die Realität nicht wahrhaben wollen: Seine Anhänger scheinen sich mit „Trump 2028“-Hüten einzudecken. Wegen erhöhter Nachfrage, so heißt es im Online-Shop, könne der Artikel erst in sieben bis zehn Arbeitstagen verschickt werden.
Dieser Artikel erschien zuerst in der Neuen Zürcher Zeitung.