Totes Rind  Der Norderneyer Wolf ist wieder da

Imke Oltmanns
|
Von Imke Oltmanns
| 07.10.2025 15:11 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Dieses Bild ist von einer Wildtierkamera auf Norderney aufgenommen worden. Foto: Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer
Dieses Bild ist von einer Wildtierkamera auf Norderney aufgenommen worden. Foto: Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer
Artikel teilen:

Im Sommer 2024 sorgte ein Wolf auf Norderney vorübergehend für Aufsehen. Doch offenbar hat er die Insel wieder verlassen. Wohin, blieb zunächst unklar. Nun ist das Rätsel gelöst.

Friedeburg - Der Norderneyer Wolf ist wieder an der Küste aufgetaucht. Genauer gesagt: Seine DNA wurde an mehreren im August und September 2025 gerissenen Rindern und Schafen im Umfeld des Friedeburger Rudels gefunden. Damit scheint klar zu sein, dass der Rüde nach seinem Aufenthalt auf der Insel Norderney im Sommer 2024 nicht weit gekommen ist.

Dabei gibt es zwei Szenarien: Entweder zieht er wieder als Einzeltier durch diese Region. Oder er ist tatsächlich hier sesshaft geworden und gehört jetzt zum neu wieder angewachsenen Friedeburger Rudel. Für diese zweite Variante gibt es bisher in den öffentlich einsehbaren Daten keinen Beweis; ganz unwahrscheinlich ist das aber auch nicht.

Der Nachweis

Auf der öffentlich einsehbaren Umweltkarte Niedersachsen vermerkt das niedersächsische Umweltministerium die gemeldeten Nutztierrisse mit Datum, Ort, Anzahl getöteter oder verletzter Tiere und – wenn möglich – dem Verursacher. Der wird in der Regel durch DNA-Proben aus den Bissstellen an den Nutztieren ermittelt. Zwischen dem Eintrag eines Nutztierrisses und dem Identifizieren per DNA-Probe können mehrere Wochen vergehen.

Laut Umweltkarte wurde nun der Verursacher mehrerer Angriffe auf Rinder und Schafe in der Gemeinde Friedeburg und in einem Wittmunder Ortsteil per DNA-Probe identifiziert: Es ist ein Wolf mit der Kennung GW3824m. Auch bekannt als „Norderneyer Wolf“. Konkret hinterließ er seine Spuren beim Angriff auf Schafe am 1. August 2025 in der Gemeinde Friedeburg sowie am 19. August (Friedeburg) und 27. August 2025 (Wittmund) beim Angriff auf Rinder. Auch der Angriff auf Rinder am 6. September 2025 (Friedeburg) konnte ihm nachgewiesen werden.

Die Spurensuche

Der Wolfsrüde GW3824m stammt ursprünglich aus Belgien, konkret aus einem Wurf des Hechtel-Eksel-Rudels 2023. Sein Weg an die niedersächsische Nordseeküste ist anhand seiner Kennung ganz gut nachzuvollziehen, denn auf dem Weg hat er seine DNA immer wieder an gerissenen Nutztieren hinterlassen. Zwischen den beiden niederländischen Provinzen Gelderland und Nordbrabant etwa oder später auch in der Provinz Groningen.

Laut niedersächsischer Nationalparkverwaltung lief der junge Wolfsrüde das erste Mal am 6. Juni 2024 in eine Fotofalle auf der Insel Norderney. Am 20. Juni entstand dort das nächste Foto. Da muss das Tier etwas über ein Jahr alt gewesen sein. Der junge Rüde überquerte das Watt im vergangenen Sommer offenbar mehrfach, denn zwischen den beiden Norderneyer Fotofallen-Aufnahmen hatte er eine Schafherde am gegenüberliegenden Festland in Hilgenriedersiel angegriffen. Und etwas später, am 22. Juli 2024, hinterließ er seine DNA wieder auf dem Festland, genauer: in Friederikensiel im Wangerland, wo er ein Schaf tötete. Ab August 2024 tauchte er – oder vielmehr: seine DNA – dann nirgends mehr auf. Bis jetzt.

Das Rudel

Die Landesjägerschaft Niedersachsen, die offiziell das Wolfsmonitoring betreibt, führt seit 2022 ein Rudel in der Gemeinde Friedeburg – das einzige auf der ostfriesischen Halbinsel. In diesem ersten Jahr gab es demnach zwei Welpen, 2023 waren es schon vier. 2024 gab es offenbar einen Bruch: Es gab keine Welpen. Auch tauchten die beiden ursprünglichen Elterntiere – deren DNA bekannt war – nicht mehr auf.

Dieses Jahr allerdings sind wieder vier Welpen bestätigt. Es muss also neue Elterntiere geben. Identifiziert sind sie im Wolfsmonitoring bisher nicht. GW3824m ist demnach auch kein bekanntes Individuum dieses neuen Rudels. Entweder gehört er also tatsächlich nicht dazu; oder er ist noch nicht als neues Elterntier identifiziert.

Ähnliche Artikel