Parkplatz ohne Schranke Ist das Parken am Otto-Turm betrugssicher?
Am Otto-Turm in Pilsum läuft das Parken seit dem Sommer ohne Schranke und Parkschein. Doch wie sicher ist das System und was gilt für Behindertenparkplätze? Wir klären auf.
Pilsum - Parken ohne Schranke – das gibt es seit dem vergangenen Sommer am Otto-Turm in Pilsum. Parkscheinautomaten und Bargeld sind damit passé. Stattdessen wird das Kennzeichen des Fahrzeugs mittels Kamera beim Ein- und Ausfahren gescannt und die Parkdauer digital erfasst. Aber wie betrugssicher ist dieses System? Wir haben nachgefragt.
Der neue schrankenlose Parkplatz unterhalb des Pilsumer Leuchtturms wird von dem Unternehmen Mobility Hub Parkservice GmbH betrieben, befindet sich aber weiterhin im Eigentum der Gemeinde Krummhörn. Die neue Betreiberfirma war es auch, die die Kosten für die Umstellung auf das neue System getragen hat. Außerdem zahlt die Firma Umsatzsteuer an die Gemeinde. Im Gegenzug wird sie an den Einnahmen des Parkplatzes beteiligt. Die Parkgebühren wurden entsprechend erhöht, um die Einnahmen weitgehend gleich zu halten.
Parkplatz voll und teuer – Also einfach an der Straße parken?
Das Parken am Otto-Turm kostet seit dem Sommer also etwas mehr. Für jede Stunde Parkzeit zahlt man nun etwa 50 Cent mehr, als es noch auf dem beschrankten Parkplatz der Fall war. Grund genug, den Parkplatz zu umgehen?
Einige Besucher des Wahrzeichens konnten im Sommer beobachten, dass einige Fahrzeuge auch außerhalb des gekennzeichneten Parkplatzes abgestellt wurden – um Kosten zu sparen oder weil der Parkplatz schon voll war. Der Weg zum Leuchtturm ist dadurch zwar länger, aber man hat etwas Geld gespart – oder doch nicht?
„Rund um das Gelände gilt ein absolutes Halteverbot, das durch das Verkehrszeichen 283 ausgewiesen ist“, so Oliver Janssen, Allgemeiner Vertreter der Bürgermeisterin, auf Nachfrage dieser Redaktion. „Unsere Außendienstkräfte sind regelmäßig vor Ort, kontrollieren die Einhaltung der Regelungen und sprechen bei Verstößen sowohl mündliche als auch schriftliche Verwarnungen aus.“ Wird man dabei erwischt, im absoluten Halteverbot zu parken, kann ein Bußgeld in Höhe von 50 Euro fällig werden. Muss dann noch ein Abschleppdienst tätig werden, wird es schnell noch teurer.
Und wie ist das mit den Behindertenparkplätzen?
Aber könnten Nutzer des Parkplatzes nicht sogar selbst zum Opfer von Betrug werden? Die Frage stellt sich vor allem bei Nutzern des sogenannten blauen Parkausweises. Das ist ein besonderer EU-Parkausweis, der Menschen ab einem bestimmten Grad der Behinderung gewisse Parkerleichterungen ermöglicht – und das EU-weit. Inhaber eines solchen blauen Parkausweises können beispielsweise bei Parkscheinautomaten ohne Gebühr und ohne zeitliche Begrenzung parken. Auch auf dem Parkplatz am Pilsumer Leuchtturm gibt es Behindertenparkplätze, die von Menschen mit einem blauen Parkausweis eigentlich kostenfrei genutzt werden könnten. „Auf der ausgewiesenen Parkfläche stehen zwei speziell gekennzeichnete Stellplätze für Menschen mit Behinderung zur Verfügung“, so Janssen.
Aber wie funktioniert das, wenn die Kamera beim Erfassen der Kennzeichen gar nicht wissen kann, ob Fahrzeugführer oder Fahrzeugführerin einen blauen EU-Parkausweis besitzen? Dafür gebe es durchaus eine Lösung, sagt Janssen. Gebührenfreies Parken für Menschen mit dem blauen Parkausweis sei trotz Kennzeichensystem möglich. „Über die angebrachten QR-Codes kann der Nachweis beim Parkvorgang hinterlegt werden, da die automatische Kennzeichenerfassung diese Berechtigung nicht erkennen kann.“ Heißt also, die entsprechenden Schilder über den beiden Behindertenparkplätzen müssen mit dem Smartphone erfasst werden, damit das System beim Verlassen des Parkplatzes weiß, dass in diesem Fall keine Parkgebühr entrichtet werden muss.
Soll der Parkplatz erweitert werden?
Einen Anlass, den Parkplatz am Pilsumer Leuchtturm zu erweitern, sieht die Gemeinde Krummhörn aktuell indes nicht. „Bezüglich einer möglichen Erweiterung der Parkplatzflächen gibt es derzeit keine konkreten Planungen“, so Janssen.
Ganz neu ist das System mit der automatischen Kennzeichenerfassung in Ostfriesland und umzu übrigens nicht. So wird auch auf Parkplätzen an anderen beliebten Ausflugszielen, darunter Bensersiel und Neuharlingersiel, sowie am Emder Parkhaus am Wasserturm und am Borkumkai mit dem System gearbeitet. Für die Krummhörn bilden die Parkgebühren eine wichtige Einnahmequelle.
So wurden im Jahr 2022 knapp 770.000 Euro erwirtschaftet, im Jahr darauf waren es 750.000 Euro. Im vergangenen Jahr nahm die Gemeinde sogar fast 820.000 Euro mit den Parkgebühren ein. Und weil durch die automatische Kennzeichenerfassung am Otto-Turm niemand mehr kontrollieren muss, ob Parktickets gezogen wurden, und nun durchweg erfasst wird, wer wie lange auf dem Parkplatz steht, rechnet die Gemeinde Krummhörn insgesamt mit einer Steigerung der Einnahmen.