Wochenglosse Wer intelligent ist, heiratet nicht
Die Menschen sind bereit für künstliche Intelligenz. Manche haben sie so ins Herz geschlossen, dass sie ihr Vornamen geben. Wir warten auf die erste KI-Hochzeit. Eine Glosse.
Während man in unserer Regierung noch jedes Mal im Duden nachschaut, wie Digitalisierung geschrieben wird, hat die Bevölkerung das Thema künstliche Intelligenz längst für sich entdeckt. Es macht ja auch Spaß: Man stellt dumme Fragen und bekommt noch dümmere Antworten. Ist man damit nicht zufrieden, verlangt man mehr und bekommt es auch. Soll Vattern die Abseitsregel im Fußball erklären, wird er vor allem oft und laut brummen und einen Vortrag halten, der mehr Fragen aufwirft als er beantwortet. Die KI dagegen malt einem noch eine Skizze dazu, die aussieht wie eine frisch geteerte Kreisstraße mit Radfahrschutzstreifen. Die versteht man überhaupt nicht, aber die KI bleibt bei allem gut gelaunt. Man kann sie sogar ein bisschen verulken, das merkt die gar nicht.
Kein Wunder, dass Nutzer „ihrem“ Chat inzwischen Namen geben. Sie taufen ihn Coach oder Kumpel oder geben ihm nette Namen wie Sam, Jana oder Robin. Sie fragen die KI, ob sie ein Foto von sich schicken kann (natürlich vollständig bekleidet). Bei der nächsten Runde Prosecco mit den Kegelschwestern oder -brüdern wird es herumgezeigt. Wir dürfen gespannt sein, wie es mit unseren Beziehungen zu KI weitergeht. Geht es einem irgendwann auf die Nerven, wenn Sam oder Jana immer nur nett sind? Müssen die Programmierer eine wütende Version entwickeln? Als nächstes kommt die erste Eheschließung mit Chat GPT auf Gemini 4, Trauzeuge ist Coach, der Co-Pilot. Das Paar stößt dann mit Grok auf die Zukunft an.
Die Autorin erreichen Sie unter k.lueppen@zgo.de