Kriegsverbrecher aus Weener  Die verdrängte Schuld

Marion Luppen
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Ein Kommentar von Marion Luppen
| 04.10.2025 08:09 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Der SS-Mann, der im Begriff ist, einen Juden vor einem Massengrab zu erschießen, konnte jetzt von einem Geschichtswissenschaftler mithilfe von KI identifiziert werden. Der Kriegsverbrecher Jakobus Onnen stammt aus Tichelwarf. Foto: Photo12/Ann Ronan Picture Library
Der SS-Mann, der im Begriff ist, einen Juden vor einem Massengrab zu erschießen, konnte jetzt von einem Geschichtswissenschaftler mithilfe von KI identifiziert werden. Der Kriegsverbrecher Jakobus Onnen stammt aus Tichelwarf. Foto: Photo12/Ann Ronan Picture Library
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Ein Foto einer Massenerschießung in der Ukraine im Jahr 1941 zeigt, wie sich jetzt herausstellt, einen Kriegsverbrecher aus dem Rheiderland. Das Problem liegt viel tiefer. Ein Kommentar.

Dieses Foto verstört Betrachter seit Jahrzehnten: Ein SS-Unterscharführer in Uniform hält einem ausgemergelten Mann, der am Rande eines Massengrabes kniet, eine Pistole an den Hinterkopf. Die Szene ist Teil eines Massakers, das sich 1941 in der Ukraine abspielte. Mobile Tötungskommandos ermordeten dort bis Frühjahr 1942 mehr als 100.000 Zivilisten, überwiegend solche jüdischen Glaubens. Mehr als 80 Jahre später hat ein Historiker nachgewiesen: Der Todesschütze auf dem Foto, das zu einer Bild-Ikone des Holocaust wurde, heißt Jakobus Onnen und stammt aus Tichelwarf im Rheiderland. Der Name des 1943 gefallenen Soldaten steht auf einem Ehrenmal vor dem Heimatmuseum in Weener, das an die Opfer der beiden Weltkriege und der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft erinnert. Dem Bürgermeister von Weener ist das unangenehm. Er will die Sache schnellstens aufarbeiten.

Jakobus Onnen mag ein besonders kaltblütiger Verbrecher gewesen sein, doch er war beileibe kein Einzelfall. Dieser Vorgang weist auf ein tief in der deutschen Gesellschaft verwurzeltes Problem hin: Die meisten Deutschen wollen nicht wahrhaben, dass sie von Nazis abstammen. Wir gedenken der Judenverfolgung, wir verlegen Stolpersteine, doch wir schauen nicht so genau hin, wenn es um unsere eigene Familiengeschichte geht. So feilen wir auch acht Jahrzehnte nach dem Ende der NS-Herrschaft mit an dem Mythos, dass die Deutschen im Grunde Opfer waren. Die Wahrheit ist: Viele unserer Vorfahren haben schwere Schuld auf sich geladen. Das kann kein Ehrenmal verdecken.

Die Autorin erreichen Sie unter m.luppen@zgo.de.

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