Osnabrück  Erst Trauer, dann Schock – neuer Frankfurt-„Tatort“ überzeugt auf Anhieb

Frank Jürgens
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Von Frank Jürgens
| 04.10.2025 08:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Maryam Azadi (Melika Foroutan r.) und Hamza Kulina (Edin Hasanovic) sind das neue Team im rundum erneuerten Frankfurter „Tatort“. Die erste Episode „Dunkelheit“ läuft Sonntag, 5. September, um 20.15 Uhr im Ersten und in der ARD Mediathek. Foto: © HR/Degeto/Sommerhaus/Daniel Dornhöfer
Maryam Azadi (Melika Foroutan r.) und Hamza Kulina (Edin Hasanovic) sind das neue Team im rundum erneuerten Frankfurter „Tatort“. Die erste Episode „Dunkelheit“ läuft Sonntag, 5. September, um 20.15 Uhr im Ersten und in der ARD Mediathek. Foto: © HR/Degeto/Sommerhaus/Daniel Dornhöfer
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Im neuen Frankfurt-„Tatort“ dreht sich alles um Cold Cases. Zum Auftakt geht es für Melika Foroutan und Edin Hasanović in die „Dunkelheit“. Dahinter steckt ein realer Fall.

Ein unbewohntes Haus, im Keller steht noch die alte Modelleisenbahn, und die Garage erstickt in Gerümpel. Nach dem Tod ihres Vaters wühlt Michaela Zeller (Anna Drexler) im Nachlass des Verstorbenen. Längst vergessene Dinge wie ein altes Stofftier rufen vergessen geglaubte Erinnerungen der Trauernden wach.

Aber es dauert nicht lange, und auf die Trauer folgt der Schock. Als sie den Deckel einer verschlossenen alten Plastiktonne öffnet, bietet sich ihr ein grauenvoller Anblick. Menschliche Leichenteile – offenbar hatte ihr Vater ein monströses Doppelleben geführt.

Ein eindeutiger Fall für Maryam Azadi (Melika Foroutan), Leiterin der „Abteilung für Altfälle“, und ihren neuen Kollegen Hamza Kulina (Edin Hasanović). Der hatte sich eigentlich auf eine „ruhige, ehrliche Arbeit“ im Keller des Frankfurter Polizeipräsidiums gefreut. Im Archiv stöbern, alte Akten studieren, solche Dinge halt. Aber obwohl – oder gerade weil – für die unangenehme Chefin Sandra Schatz (Judith Engel) der alte Fall schnell gelöst zu sein scheint, bricht bei Azadi und Kulina schlaflose Hektik aus.

Azadi ist sich sicher, dass es noch mehr Opfer des Täters geben muss. Und alleine schon aus Rücksicht auf die Angehörigen hat sie es sich in den Kopf gesetzt, sämtliche Opfer zu ermitteln und deren Angehörige noch vor der hastig angesetzten Pressekonferenz am Montag zu benachrichtigen.

Tatsächlich werden Azadi und Kulina schnell fündig. Offenbar handelt es sich bei dem Täter um den berüchtigten „Main Ripper“. Gelingt es den Ermittlern, alle weiteren Opfer zu identifizieren? Ein Spiel gegen die Zeit beginnt. Und dann drängt sich auch noch der Verdacht auf, der Serienmörder könne einen Mittäter gehabt haben, der noch unter den Lebenden weilt.

Nach dem Ende des Ermittlerteams Janneke und Brix mit Margarita Broich und Wolfram Koch beschreitet der Frankfurter „Tatort“ nun völlig neue Wege in der 55-jährigen Geschichte der Fernsehreihe. Erstmals geht es bei dem Ermittlerteam Azadi und Kulina ausschließlich um Cold Cases. Damit wird nicht nur ein beliebtes Krimi-Subgenre bedient.

Dieser erste neue Frankfurter „Tatort: Dunkelheit“ orientiert sich auch an einem als „Hessen-Ripper“ bekannt gewordenen realen Fall. Von 1971 bis 2004 hat ein Massenmörder in Hessen sein Unwesen getrieben. Enttarnt wurde er erst, als seine Tochter nach dessen Tod Leichenteile in seiner Garage gefunden hat.

Regisseur Stefan Schaller, der gemeinsam mit Senad Halilbašić und Erol Yesilkaya auch das Drehbuch geschrieben hat, gelingt ein äußerst starker Einstieg in den rundum erneuerten Frankfurter „Tatort“. Dabei legt er erkennbar großen Wert auf die Figurenzeichnungen.

Nur auf den ersten Blick erscheinen Azadi und Kulina wie ein typisch gegensätzliches Ermittlerpaar. Sie ist stets elegant gekleidet. Er bevorzugt Hoodie und Jeans. Aber die beiden verstehen sich auf Anhieb prächtig – wie im richtigen Leben der Darsteller Foroutan und Hasanović. Die haben sich vor rund 20 Jahren bei Dreharbeiten zur ZDF-Serie „KDD – Kriminaldauerdienst“ kennen und schätzen gelernt, als Hasanović gerade mal zwölf Jahre alt war.

Für den Frankfurter „Tatort“ durften sie ihre Rollen mitentwickeln, was der Charakterzeichnung spürbar gut tut. Beide Figuren haben wie im wirklichen Leben der Schauspieler einen Migrationshintergrund. Aber während man über Kommissar Kulinas traumatische Vergangenheit in der ersten Episode „Dunkelheit“ sehr viel erfährt, erfährt man von seiner neuen Kollegin Azadi kaum etwas.

Beide, soviel wird schnell klar, umweht ein Geheimnis. Vielleicht bringt ja die nächste Episode mehr Licht ins Dunkel. „Licht“. So lautet auch das letzte Wort in „Dunkelheit“ sowie der Titel der nächsten Episode. Interessant.

„Tatort: Dunkelheit“. Das Erste, Sonntag, 5. Oktober, 20.15 Uhr, und in der ARD Mediathek.

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