Urgesteine des Auricher Einzelhandels  C. Maaß – 170 Jahre Familiengeschichte in einem Laden

Eva van Loh
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Von Eva van Loh
| 03.10.2025 18:06 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Almuth Maaß hat den traditionsreichen Laden ihrer Eltern übernommen. Foto: Eva van Loh
Almuth Maaß hat den traditionsreichen Laden ihrer Eltern übernommen. Foto: Eva van Loh
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Almuth Maaß führt in vierter Generation den Drogeriemarkt „C. Maaß“ in der Auricher Fußgängerzone. Was den Laden ausmacht und wieso er so viele Kunden schon beim ersten Betreten fasziniert.

Aurich - „Ach wie schön, so kenne ich die Läden noch aus meiner Kindheit“, sagt ein Mann, als er hereinkommt. Er ist schon der dritte Kunde innerhalb weniger Minuten, der das sagt. Solche Sätze bekommt Almuth Maaß in ihrem Berufsalltag häufig zu hören, denn ihr gehört einer der ältesten Läden in Aurich: Die Drogerie C. Maaß in der Osterstraße.

Seit 170 Jahren gibt es den Laden schon. Gegründet wurde er von Maaß’ Urgroßeltern im April 1855. Die rustikale Atmosphäre lässt so manchen Besucher glauben, dass es sich um ein Museum handelt. Wie auf den Hinweisschildern im Laden zu lesen ist, ist die Drogerie Maaß aber wirklich nur ein Laden mit besonders viel Tradition. Diese Verwechslungen nimmt Inhaberin Almuth Maaß mit Humor. „Mittlerweile könnte ich wirklich Eintritt kassieren, so viele Menschen denken, dass das hier ein Museum ist“, sagt sie. Doch wie schon in den vergangenen 170 Jahren gilt bei Maaß bis heute: Gucken kostet nichts.

Die Schaufenster des Ladens. Foto: Eva van Loh
Die Schaufenster des Ladens. Foto: Eva van Loh

Von Kolonialwaren zu Drogeriewaren

Obwohl sich im Laufe der langen Geschichte des Ladens viel verändert hat, erinnern die Räume der Drogerie an alte Zeiten. Alte Regale aus Holz, Werbeschilder aus vergangenen Jahrzehnten und viele nostalgische Produkte füllen das Ladenlokal in der Auricher Fußgängerzone. „Das sieht hier ja total altertümlich aus“, bemerkt eine andere Kundin, als sie den Laden betritt. „Gerade die Einheimischen kennen den Laden noch von früher“, so Maaß. Doch auch wenn einige Produkte in ihrem Sortiment mittlerweile nur noch selten in Läden auftauchen, legt Maaß viel Wert darauf, dass es in ihrem Laden nur Neuwaren zu kaufen gibt.

Ein gut gefülltes Regal bei der Drogerie Maaß. Foto: Eva van Loh
Ein gut gefülltes Regal bei der Drogerie Maaß. Foto: Eva van Loh

Ursprünglich war der Laden ein Geschäft für Kolonialwaren. Wie der Name schon sagt, bedeutet das, dass hier Waren aus Kolonien verkauft wurden. Dazu zählten unter anderem Kaffee und Tee. Doch im Laufe seiner langen Geschichte ist aus dem Laden der Familie Maaß ein Drogeriemarkt geworden, der nicht nur Wert auf rustikale Atmosphäre legt, sondern auch so manches Produkt im Sortiment hat, das man sonst nirgendwo bekommt. Wer zum Beispiel Equipment braucht, um in den eigenen vier Wänden Wein herzustellen, der ist hier genau richtig.

Von Familiengeschichte zu Stadtgeschichte

Nach dem Tod ihres Vaters half Almuth Maaß zunächst ihrer Mutter dabei, den Laden zu leiten. Nachdem auch ihre Mutter gestorben war, versuchte sie zunächst, die Position als Ladeninhaberin und ihren Job unter einen Hut zu bekommen. „Ich habe in Jever gearbeitet und parallel in Aurich den Laden geleitet. Das wurde einfach irgendwann zu schwierig. Im Endeffekt habe ich mich für den Laden entschieden“, erinnert sie sich. „Auch wenn es nicht immer einfach ist, bereue ich diesen Schritt auf keinen Fall.“

In der oberen Ebene des Ladens gibt es unter anderem Prozellanwaren zu kaufen. Foto: Eva van Loh
In der oberen Ebene des Ladens gibt es unter anderem Prozellanwaren zu kaufen. Foto: Eva van Loh

„Das Besondere an diesem Job ist natürlich der Umgang mit den Kunden, der mir viel Spaß macht. Aber es ist natürlich auch der Erhalt der Familientradition, was mir wichtig ist“, so Maaß. Ihr Laden lebe von der Vielfalt des Sortiments. Von Porzellan über Haushalts- und Spielwaren bis zu Geschenkartikeln gibt es alles bei Maaß zu kaufen.

Trotz der Freude, die ihr der Beruf bringt, blickt Almuth Maaß mit Sorge auf die Zukunft. „Das Internet ist natürlich eine große Konkurrenz für einen kleinen Laden wie meinen“, sagt sie. „Manchmal lassen sich Kunden von mir beraten und kaufen dann im Internet. Das frustriert natürlich.“ Doch die positiven Erfahrungen überwiegen. Trotz der Leerstände in der Innenstadt und der Konkurrenz mit dem Internet besteht die Drogerie Maaß weiter. Mittlerweile ist der Laden nicht mehr nur ein Stück Familiengeschichte, sondern auch ein Stück Auricher Geschichte.

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