Osnabrück VfL-Trainer Schultz: Kein Hurra-Fußball, kein Fallrückzieher – aber das, was wir können
Mit einem intensiven und schnörkellosen Spiel hat der VfL Osnabrück den SSV Jahn Regensburg am neunten Spieltag der 3. Fußball-Liga mit 2:0 (1:0) geschlagen. Genau so, wie sich Trainer Schultz das vorstellt? Die Stimmen zum Spiel.
Fridolin Wagner, Torschütze des VfL Osnabrück zum 1:0: Manchmal erarbeitet man sich das Glück eben so, wie ich bei meinem Tor. Die Idee war zuerst, den Ball wieder scharfzumachen, weil ich eigentlich dachte, dass ich zu weit weg vom Tor stehe. Dass ich drankommen kann mit einem kleinen Stoß, war mir aber bewusst, weil die Regensburger natürlich auf den Ball schauen mussten. Dass er dann hinten so reinfällt, ist dann schon auch ein wenig Glücksache - geschnallt habe ich das selbst erst in dem Moment, als er gerade die Linie überschritten hat. Und weil ich jetzt vielleicht nicht der bin, der wöchentlich trifft, war ich zuerst ein wenig überfordert, was jetzt los ist - aber die Fans und Mitspieler haben mich dann ja an die Hand genommen beim Jubeln. Im Spiel generell war gut Feuer. Regensburg hat das von Anfang an direkt sehr gut gemacht, aber wir haben immer alles weggearbeitet in einer Art Abnutzungskampf in den ersten 20 bis 25 Minuten. Mit der ersten Torchance waren wir dann voll im Spiel, hatten dann in jeder Halbzeit drei bis vier klare Einschusschancen. Wir haben immer über 90 Minuten lang ein gewisses Niveau auf dem Platz, haben uns als Team schnell gefunden und natürlich wird die Brust mit jedem Erfolg breiter. Aber wir haben erst 16 Punkte und die anderen schlafen nicht - wir müssen schon genauso hart wie bisher weiterarbeiten.
Patrick Kammerbauer, Torschütze des VfL Osnabrück zum 2:0: Ich mache den Laufweg hinter die Kette gerne. Schon am Sonntag in Köln hat das gut geklappt nach der Flanke von Jacobsen, diesmal habe ich nach dem überragenden Ball von Lars Kehl selbst abgeschlossen und mich gefreut, dass er reingegangen ist. Am Anfang mussten wir uns diesmal ein bisschen reinarbeiten. In dieser Liga kann man eben wirklich keinen Gegner einfach so herspielen. Dann ab Mitte der ersten Halbzeit haben wir aber super Powerfußball gespielt und viele Chancen gehabt. Ankreiden müssen wir uns nur, dass wir mehr Tore machen müssen. Aber ich bin mir sicher, dass wir uns in diesem Punkt auch noch verbessern können. Es ist schön, wenn man auch von außen merkt, dass bei uns was wächst – Ich kann für mich sagen, dass mir das tägliche Arbeiten sehr viel Spaß macht und ich jeden Tag mit viel Freude zum Training komme. So darf es gerne weitergehen.
Michael Wimmer, Trainer des SSV Jahn Regensburg: Glückwunsch an den VfL. Wir sind ordentlich ins Spiel gekommen, so wie wir es wollten, mit der Chance zum 1:0 (14. Minute, d. Red.). Dann kriegen wir durch einen Standard über den zweiten Ball das 0:1 gegen uns, das so nicht fallen darf. Die erste Halbzeit war danach ausgeglichen, wobei Osnabrück die zwei besseren Chancen hatte. Nach der Pause wussten wir, dass es schwer wird. Osnabrück hat zu Hause erst ein Tor bekommen. Wir hatten viel Ballbesitz, aber keine richtige Torchance, waren nicht zielstrebig. In der 46. hatte Osnabrück schon eine Riesenchance zum 2:0. Wir sind angerannt, haben es probiert, aber uns hat die Power gefehlt. Ein absolut verdienter Heimsieg für Osnabrück.
Timo Schultz, Trainer des VfL Osnabrück: Wir mussten die Anfangsphase mit der ersten Regensburger Chance überstehen. Da können wir uns bei Jonny (Lukas Jonsson, d. Red.) bedanken. So ist das in der 3. Liga: Wenn das Tor fällt, läuft das Spiel anders. Regensburg hat mutig gespielt, sich immer wieder aus unserem Druck befreien können. Unsere letzte Linie ist sehr stabil, da können wir uns drauf verlassen. Trotzdem hätte ich mir in der Anfangsphase mehr Ballgewinne gewünscht. Zweite Halbzeit: Wir sind stark im tiefen Verteidigen, können uns aus Balleroberungen Chancen kreieren, haben sie aber leider nicht so finalisiert, wie ich mir das wünsche. Neulich hat mal jemand gesagt: ‚eine biedere Braut‘, das trifft es vielleicht auch. Ich weiß, das ist kein Hurra-Fußball, kein Fallrückzieher und kein doppelter Doppelpass – aber es ist das, was wir können. Alles in allem bin ich zufrieden: Wieder drei Punkte, wieder zu null. Das ist wieder eine Ansage von uns und wir wollen auch in Mannheim etwas holen.