Berlin  Nach 35 Jahren noch fremd? Darin sind sich Ost und West einig 

Rena Lehmann
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Von Rena Lehmann
| 02.10.2025 11:30 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Jedes Jahr vor dem Tag der Einheit gibt es die neue Wasserstandsmeldung, wie es um die Einheit bestellt ist. Die Befunde sind oft ernüchternd. Foto: IMAGO/Achille Abboud
Jedes Jahr vor dem Tag der Einheit gibt es die neue Wasserstandsmeldung, wie es um die Einheit bestellt ist. Die Befunde sind oft ernüchternd. Foto: IMAGO/Achille Abboud
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35 Jahre nach der Wiedervereinigung scheinen sich Ost und West wieder zu entfernen. Doch es gibt auch eine überraschende Einigkeit.

Kurz vor dem Tag der Deutschen Einheit vermiesen Umfragen und Studien die Feierlaune. Löhne und Gehälter im Osten sind niedriger, bei der Wirtschaftsleistung hat der Osten nicht aufgeschlossen – und wird es auch so schnell nicht. Besonders deprimierend war der Befund, dass nur 35 Prozent der Deutschen finden, das Land sei inzwischen zusammengewachsen, unter den Ostdeutschen sind es noch deutlich weniger. Das gesamtdeutsche Empfinden war vor einigen Jahren sehr viel besser. 

Das historische Wunder der friedlichen Wiedervereinigung gerät bei all den negativen Wasserstandsmeldungen dieser Tage ins Hintertreffen. Man könnte auch sagen: In ihrer typischen Art, das Glas immer halb leer statt halb voll zu sehen, sind die Ost- und Westdeutschen sich immerhin erstaunlich ähnlich. 

So vieles ist doch gelungen: Es gibt sie, die blühenden Landschaften in Thüringen, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern. Die Wasser- und Luftqualität im Osten ist heute besser als im Westen, die wirtschaftliche Produktivität in den östlichen Bundesländern hat stark zugenommen, auch die Löhne gleichen sich zusehends an. Die meisten ostdeutschen Städte sehen besser aus als Gelsenkirchen oder Duisburg. Das Erbe des starken Vermögensgefälles, dass also den Ostdeutschen weniger Eigentum gehört, sie weniger vererben und erben, ist wiederum ein Erbe aus 40 Jahren Sozialismus, das sich so schnell nicht ändern wird.

Besser wäre es, die vor 35 Jahren geschürten Erwartungen zu korrigieren, alles müsse sich restlos angleichen und die Politik würde dafür schon sorgen. Mit Angleichung war ohnehin immer nur gemeint, der Osten müsse werden wie der Westen. Er wird anders bleiben. 

Überraschend gleich ticken die Menschen in beiden Landeshälften allerdings in ihrer Bereitschaft zu Veränderungen. Offenbar sind die Menschen im Land da schon einiger und weiter als die Politik. Man erwartet Reformen – im Osten wie im Westen. Warum packen wir es nicht einfach zusammen an? 

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