Flensburg  Flensburger Sängerin Alli Neumann kommen im Norden die besten Ideen

Antje Walther
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Von Antje Walther
| 28.09.2025 15:46 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Ihre Tour vor zwei Jahren begann Alli Neumann im Flensburger Kühlhaus – die nördlichste Stadt der bevorstehenden Tour ist dieses Mal Hamburg. Foto: Marcus Dewanger
Ihre Tour vor zwei Jahren begann Alli Neumann im Flensburger Kühlhaus – die nördlichste Stadt der bevorstehenden Tour ist dieses Mal Hamburg. Foto: Marcus Dewanger
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Die Sängerin mit polnischen Wurzeln hat gerade ihr drittes Studioalbum veröffentlicht. Sie tingelt durch Talkshows wie Inas Nacht, demnächst beginnt die Tour. Uns hat sie erzählt, weshalb sie lieber auf dem Lande verrückt spielt als in Berlin.

Morgenmagazin, Inas Nacht, NDR-Talkshow, Experte für alles: Alli Neumann tourt gerade fleißig durchs Fernsehen. Anlass ist das dritte Studioalbum der Sängerin, die in Polen und Nordfriesland aufwuchs, in Berlin wohnt und bei Flensburg zu Hause ist. Ein „bisschen müde“ darf man sich da getrost fühlen. Erst recht, wenn man unterwegs zwischen den Metropolen „im Auto schläft“, wie die Musikerin verrät. „Nach müde kommt dumm“, sagt sie und lacht.

Ihrer Fröhlichkeit und Energie können die vollen Tage offenkundig nichts anhaben. Vielleicht auch, weil sie sich dem Norden nähert. Hier kann sie Kraft tanken für ihre neun-Konzerte-an-elf Tagen-Tour ab Ende November. „Ich freue mich auf die Tour“, sagt Alli Neumann. Sie wünsche sich „nichts mehr als mit den Leuten zu sprechen – das gibt mir alles“. Schließlich „mache ich die Musik ja nicht nur für mich“, erklärt sie.

„Roquestar“ heißt ihr neues Album. Die Schreibweise soll an die Zeit des Barock erinnern und dem harten Klang nach „Rockstar“ etwas Feinfühliges beimischen. Unter anderem gehe es um Imperfektion und den Wunsch, geliebt zu werden – Themen gleich im ersten Song „Ich kann gar nichts“.

Außerdem kommen barocke Instrumente zum Einsatz. Alli Neumann nennt das Fagott und das Cembalo, die man eher mit Kammermusik in Verbindung bringe, denen sie jedoch einen Platz im Heute sichern möchte. Sie selbst spielt unter anderem Fagott, wollte ursprünglich gar nicht Sängerin werden, bekennt sie.

Auf ihrem Album übernehmen die alten Instrumente Aufgaben des Basses und der Gitarre. Genau hinzuhören, lohnt sich. Die Arrangements und Sounds versuchten, „einen neuen Twist reinzubringen“. Bevor sie voriges Jahr beim Reeperbahn-Festival in der Elbphilharmonie spielen sollte, übte sie „nach zehn Jahren Pause“ wieder über Monate „jeden Tag“ Fagott, erinnert sie sich.

In der Elbphilharmonie habe Sängerin Soffie, die mit dem Protestlied „Für immer Frühling“ bekannt wurde, das Lied „Seltsame Welt“ von Alli Neumann gehört. Diesen Protestsong textete Neumann zuerst auf Polnisch. Geschrieben hat sie ihn für den Film „Dreieinhalb Stunden“, in dem sie die Sängerin einer systemkritischen DDR-Band spielt. „Der Song hat ein Eigenleben entwickelt und kam über verschiedene Wege immer zu mir“, resümiert Neumann. Er sei „größer geworden als jemals geplant“ – mit Soffie singt sie „Seltsame Welt“ auf dem neuen Album.

Große Bühnen sind ihr nicht fremd, aber Alli Neumann bleibt geerdet. Höchstens metaphorisch hebt sie ab. Hinter ihrem Album „Roquestar“ steckt die Erzählung „vom gefallenen Stern, der aus der Umlaufbahn fällt und in Berlin landet, auf hartem Stein, und sich alienated fühlt und um die Liebe der Gesellschaft buhlt“.

Über David Bowie habe sie dabei zunächst nicht nachgedacht, die Assoziation gefiel ihr aber. Bei genauerem Hinsehen erinnert ihre Erzählung des „Roquestars“ nämlich an Bowies fiktive Figur des „Ziggy Stardust“. Alli Neumann bezeichnet Bowie als „Vorbild, wenn es darum geht, einen Spagat zu machen zwischen unzugänglicher Kunst und Mainstream“.

Berlin ist ein spezielles Pflaster, wo das Nordlicht gelandet ist. In Flensburg sei sie ein „100 Prozent Norderstraßen-Girl“ und ist in Richtung Glücksburg unterwegs, wenn sie Ruhe sucht. „Früher habe ich mich als Alien auf dem Land gefühlt“, erinnert sich Neumann. In Berlin fühle sie sich jetzt „normal“ und sei diejenige, die nicht jeden Tag Party mache. „Dann doch lieber die Verrückte auf dem Lande“, folgert sie lachend und bekennt sich als „Lokalpatriotin: Ich komme nirgendwo anders klar als an der dänischen Grenze“.

In Nordfriesland fühle sie sich „sicher und unbeobachtet, weil da Ruhe ist“. Da fühle es sich sicher an, um kreativ zu sein, beschreibt die Hundenärrin. „Mich selber orten und Ideen haben, kann ich nur auf dem Land.“

Ihre Tour führt sie ab 26. November vor allem in große Städte – aber nicht nach Flensburg. „Ich muss auf jeden Fall in Flensburg spielen“, verspricht Alli Neumann, lässt aber noch offen, wann und wo das nächste Mal sein wird. Nach der Tour wolle sie erstmal durchatmen.

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