Osnabrück  Großer Andrang bei Osnabrücker TwinWin-Aktion: Über 200 Tattoos für Stammzellspenden

Leandra Finke
|
Von Leandra Finke
| 28.09.2025 06:29 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Artikel teilen:

Bei der „TwinWin“-Gratis-Tattoo-Aktion in Osnabrück wurden am 20. September über 200 Tattoos gestochen, um auf potenziell lebensrettende Stammzellspenden aufmerksam zu machen. Tätowierer Jimmy-Dean Laubinger gibt Einblicke in den Tag.

Eine lange Schlange an Wartenden bildete sich am Samstag, 20. September, vor dem Tattoo-Studio von Jimmy-Dean „Jers“ Laubinger. Knapp 300 Menschen warteten – teils mehrere Stunden – bei sommerlichen Temperaturen auf ein ganz besonderes Tattoo.

Tätowierer haben bundesweit am 20. September mit der Gratis-Tattoo-Aktion „TwinWin“ ein Zeichen für Stammzellspenden gesetzt. Initiiert hat die Aktion Tätowierer Jimmy-Dean Laubinger mit seinem Verein Stammzell Helden. „Das war ein voller Erfolg und lief einfach perfekt“, erzählt Laubinger einige Tage nach der Aktion im Gespräch mit der Redaktion.

Zunächst sei er noch nervös gewesen, ob die Aktion unter den Osnabrückern Anklang findet. Am Samstagvormittag waren dann alle Sorgen und Bedenken wie weggeblasen: Um 11 Uhr öffnete das Team um Jers die Türen zum Studio und die ersten 30 Menschen wurden eingelassen.

13 Tattoo-Artists gaben über zehn Stunden in dem Studio an der Bohmter Straße alles: 244 Mal wurde das von Laubinger entworfene Zeichen, bestehend aus einer Sanduhr und einem DNA-Strang, unter die Haut gebracht. Auch er selbst griff kurzerhand zur Tattoo-Maschine und stach rund 20 Mal das Motiv – und ließ sich selbst tätowieren. Laubinger trägt das „TwinWin“-Symbol gut sichtbar auf dem Handrücken.

Viele der Kunden hätten sich explizit für den Ober- oder Unterarm entschieden. „Das Tattoo ist so gut sichtbar auf der Haut und Menschen kommen darüber über Stammzellspenden ins Gespräch“, erklärt Laubinger. Der letzte Kunde verließ gegen 21.30 Uhr das Studio. Nicht alle Interessenten konnten am Samstag mit einem frischen Tattoo das Studio verlassen – um die 45 Gutscheine hat das Team für das Motiv ebenfalls ausgestellt.

Wenn Laubinger von der Aktion spricht, glänzen seine Augen – bundesweit sei das Motiv schätzungsweise über 9000 Mal gestochen worden. Das große Interesse mache ihn sehr stolz. Außerdem haben sich durch eine Registrierungs-Aktion der DKMS, die parallel am Studio stattfand, 59 Menschen in Osnabrück als potenzielle Stammzellspender gemeldet. Bundesweit gab es knapp 3000 Typisierungen durch „TwinWin“, so Laubinger.

Zwei weitere Nebeneffekte sind aus der Aktion entstanden: Auch zu emotionalen Momenten ist es am Samstag gekommen – viele Besucher seien selbst betroffen und haben in ihrer Familie oder im Bekanntenkreis Menschen, die bereits auf eine Stammzellspende angewiesen waren. „Über das ähnliche Schicksal haben sich unglaublich viele Menschen connected und ausgetauscht“, erzählt Jers mit Gänsehaut, dessen Tochter Hailey selbst auf eine solche Spende angewiesen war.

Außerdem sei auch die Tattoo-Community bundesweit enger zusammengerückt: Statt Konkurrenten seien die Artists am Samstag zu Verbündeten geworden. In einer Whatsapp-Gruppe halten die Tätowierer seitdem Kontakt untereinander.

Bei der Aktion sind allein in Osnabrück 5841 Euro an Spendengeldern in bar zusammengekommen – über den Spendenlink wurden bisher über 120.000 Euro gesammelt (Stand 26. September). Die Gelder begünstigen jeweils zu einem Drittel drei Organisationen: die DKMS, MPS Deutschland und Stammzell Helden.

Bei Jers Tattoo in Osnabrück wird das „TwinWin“-Motiv weiterhin angeboten – auch das Organspende-Tattoo können sich Interessierte stechen lassen, versichert Laubinger. Weitere Studios wollen es ihm gleichtun.

Ähnliche Artikel