Wochenglosse Ein Bauhaus für die guten Jahre
Die acht schönsten Häuser Deutschlands bestechen durch ein karges Interieur mit Stilklassikern der Nachkriegszeit. Was Sie tun müssen, um beim nächsten Mal dabei zu sein. Eine Glosse.
Ein Architektur-Magazin hat die acht schönsten Häuser Deutschlands gewählt und mit Bildern vorgestellt. „Warum ist meines nicht dabei“, fragen Sie sich? Wo Sie sich doch gerade erst eine neue Sofalandschaft gegönnt haben, die das Wohnzimmer von einem Ende zum anderen ausfüllt und gerade noch Platz für den Fernseher und die Hausbar lässt. Oder im Schlafzimmer ein Box-Spring-Bett aufgestellt haben, obwohl sie nachts weder springen noch boxen, sondern pennen? Eine Antwort könnten die Bilder aus diesen schönsten Häusern geben.
Die zeigen karg möblierte Räume, in denen Designklassiker stehen, die erkennbar ein paar Jahrzehnte auf dem Buckel haben. Und erst die Muster: „Genau sowas hatten wir in den schlechten Jahren“, würde Tante Dini aus Collrunge dazu sagen. Wollen Sie mit dem Interieur Ihres Heims in den nächsten Jahren in die Liste der acht schönsten Häuser Deutschlands aufrücken, dann sollte als erstes das Badezimmer dran glauben. Ebenerdige Dusche mit Glaskabine ist dann nicht mehr, Sie brauchen mindestens eine rostende Wand, eine Badewanne mit Füßen vom Flohmarkt und ein Waschbecken wie früher in der Jugendherberge. Schränkchen, Ablagen, die elektrische Zahnbürste oder kuschelige Fußmatten müssen Sie verstecken, wenn der Fotograf kommt. Dafür bringt eine Dachterrasse viele Punkte, vor allem, wenn der Blick über Charlottenburg geht. Eine Markise im Bauhausstil wird das Ergebnis retten, wenn stattdessen nur Charlottenpolder zu sehen ist.
Die Auorin erreichen Sie unter k.lueppen@zgo.de