Krimiszene  Leeraner Krimi-Urgestein zu Hause besucht

Vera Vogt
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Von Vera Vogt
| 28.09.2025 09:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Peter Gerdes hat jahrelang ein eigenes Festival geleitet und Branchentreffen geplant. Foto: Klaus Ortgies
Peter Gerdes hat jahrelang ein eigenes Festival geleitet und Branchentreffen geplant. Foto: Klaus Ortgies
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Peter Gerdes ist so etwas wie einer der Gründerväter des Krimis aus Ostfriesland. Wir haben ihn zu Hause besucht. Eine der Fragen: Wie schreibt man ein Buch?

Leer - Eine Bücherwand ist hinter Peter Gerdes zu sehen, wenn er in seinem Esszimmer Platz nimmt. Aber eigentlich ist fast egal, wohin man sich dreht: Bücher umgeben ihn und jeden, der ihn besucht. Das ist kein Zufall, Angeberei oder nur Deko. Das Schreiben zieht sich durch das Leben von Peter Gerdes. Von 1999 bis 2024 leitete er das Festival „Ostfriesische Krimitage“.

Für den Autorenverein Syndikat organisierte er von 2018 bis 2023 das jährliche Krimifest „Criminale“. Er leitete mit seiner Frau Heike ab 2011 jahrelang die Krimibuchhandlung Tatort Taraxacum in Leer, Heike gründete im Jahr 2000 den Leda-Verlag. Und allem voran ist Peter Gerdes selbst Schriftsteller. Seit 1995 schreibt er Krimis – schon lange vor dem Hype. Man könnte sagen, dass er so etwas wie einer der Gründerväter des Krimis in Ostfriesland ist. Heute eines der erfolgreichsten Genres der Regionalromane. Die Region hat ein eigenes Krimimuseum in Norden, das sich Krimiautoren wie Klaus-Peter Wolf, Hans-Jörg Martin und Theodor J. Reisdorf widmet. „Die Ferienregion Ostfriesland hat sich in den vergangenen Jahren zu einem wichtigen Schauplatz für Krimis entwickelt“, schreibt die Deutsche Presseagentur zur Eröffnung des Museums. Ausgestellt werden übrigens viele Dinge aus dem Taraxacum wie Polizeiuniformen. Wir haben Autor und Herausgeber Gerdes kurz nach seinem 70. Geburtstag getroffen und blicken mit ihm zurück. Er verrät auch einige Schriftsteller-Kniffe.

Peter Gerdes gibt Einblicke in die Krimiszene. Foto: Klaus Ortgies
Peter Gerdes gibt Einblicke in die Krimiszene. Foto: Klaus Ortgies

Wie kam der Schriftsteller zum Roman? „Jetzt oder nie“

„Meine Familie stammt aus Norden“, sagt der Leeraner. Nach der Marine studierte er, arbeitete als Journalist und Lehrer. „Als ich anfing, zu schreiben in den 70ern war es eher Kleinzeug. Gedichte, Kurzprosa“, so Gerdes. Das habe daran gelegen, dass er in der Studienzeit viel mit Musikern zu tun hatte. „Ich hatte lange Angst vor der großen Form, dem Roman. Aber kurz vor meinem 40. Geburtstag sagte ich mir: Jetzt oder nie, du probierst es einfach“, erinnert er sich.

Wenn einem nichts einfalle, spiele der Roman im Arbeitsumfeld und wenn es sonst keinen trifft, dann sterbe der Chef, scherzt er. So spielte sein erster Roman in der Zeitungswelt und erschien in einem Kleinstverlag. „Was mir viel bedeutete, war, dass ich von anderen Verlagen sehr qualifizierte Absagen bekommen habe.“ Er habe feilen können, an dem, was kritisiert wurde. Es sei ein steiniger Weg über mehrere Verlage gewesen, aber er brachte weitere Bücher heraus. Es spielen übrigens auch welche im Oldenburger Land. Viele von Gerdes‘ Büchern sind Krimis. Dieses Jahr brachte er aber auch einen Fantasy-Roman heraus.

Wie kam der Krimi aufs Land?

Nach seinem ersten Krimi trat Gerdes 1997 ins Syndikat ein und ging zu seiner ersten „Criminale“ – nach eigenen Angaben der größte Krimi-Branchentreff Europas. Einige Jahre später gab es dann eine Auflage in der Eifel. „Sie war gerade dabei, die führende Krimiregion zu werden. Das Festival war auf mehrere Dörfer verteilt. Es waren nicht nur Lesungen bei Kerzenschein. Es waren Vorträge dabei, Essen. Ich kam beseelt zurück und dachte, das muss es hier auch geben.“ So hob er die „Ostfriesischen Krimitage“ aus der Taufe. Hochkaräter der Krimilandschaft wie Simon Beckett, Sandra Lübkes oder Arno Strobel waren dabei. „Einen Korb gab es eigentlich nie“, sagt Gerdes. Schließlich wurde jemand gesucht, der die Organisation der „Criminale“ in die Hand nehmen würde. Einige Auflagen plante Gerdes. „Es war schon viel Stress. Ich gab also den Staffelstab weiter“, sagt er. 25 Jahre gab es die Krimitage, fünf Jahre widmete er der „Criminale“, nach 20 Jahren verkaufte Frau Heike den Leda-Verlag. Was aber stets weitergeht, ist das Schreiben: „Seit 40 Jahren.“

Wie funktioniert das mit dem Schreiben?

Einige Seiten an jedem Tag – das ist eine der Faustregeln, an die Schriftsteller Gerdes sich hält. Er sei kein manischer Schreiber, wie manche Kollegen. Aber man müsse dran bleiben. Ansonsten halte er es mit einer Mischung zwischen zwei Extremen: „Wenn es darum geht, den Plot zu entwerfen, ist bei mir nicht alles fest durchgeplant, manche tun dies aber“, so Gerdes. „Andere Kollegen sagen, sie kennen ihre Figuren und ‚schreiben ihnen einfach hinterher‘ – ich glaube eher, dass die Wahrheit in der Mitte liegt“, sagt er. Ganz ohne zu wissen, wo man hin wolle, gehe es nicht, so Gerdes. Nach „Criminale“, Krimitagen, Taraxacum und Verlag steht für Schriftsteller Gerdes wohl eines fest: Es geht weiter bis zum nächsten „Jetzt oder nie“-Moment im Plot.

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