Sachbeschädigung in Emden  Blau-weiße Bänke sind keine Werbung für Kickers

Stephanie Schuurman
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Von Stephanie Schuurman
| 25.09.2025 10:40 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Frisch gestrichen? Für die Kickers-Bemalung gab es keine Genehmigung von der Stadt. Foto: Klaus Ortgies
Frisch gestrichen? Für die Kickers-Bemalung gab es keine Genehmigung von der Stadt. Foto: Klaus Ortgies
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Erst wurden die Bänke illegal blau-weiß lackiert, jetzt bietet der Fan-Beauftragte von Kickers Emden tatkräftige Hilfe an. Derweil sucht die Polizei noch die Täter.

Emden - Mindestens sieben Sitzbänke auf dem Treidelpadd im Emder Stadtteil Barenburg und einige auf dem Wall: Das Stadtmobiliar ist vor wenigen Wochen von vermeintlichen Fans in Kickers-Farben umlackiert worden. Ähnlich wie bei einigen Stromkästen im Stadtgebiet. Die meisten der Bänke befinden sich noch immer in dem blau-weiß beschmierten Zustand, den die Stadt Emden jetzt nach und nach von den Schmierereien befreien will. Der Fan-Beauftragte des Vereins hilft dabei vielleicht sogar bald mit.

Ein überfüllter, beschmierter Mülleimer und eine der blau-weißen Bänke: So sieht es aktuell auf dem Treidelpadd in Barenburg aus. Foto: Stephanie Schuurman
Ein überfüllter, beschmierter Mülleimer und eine der blau-weißen Bänke: So sieht es aktuell auf dem Treidelpadd in Barenburg aus. Foto: Stephanie Schuurman

Als diese Redaktion vor einem Monat erstmals über die neuen Auswüchse von Vereinsliebe in Emden berichtete, sei das sofort ein Thema in der Kickers-Führung gewesen, sagt Philipp Hardtke, der als offizieller Fan-Beauftragter auch dem Vorstand angehört. „Wir als Verein distanzieren uns ausdrücklich von dem Beschmieren der Bänke“, sagt Hardtke. „Das ist keine gute Werbung für uns. Wir bejubeln das nicht.“

Fan-Beauftragter hat eine Idee

Tatsächlich sieht Hardtke wie die Stadt Emden in dem Bemalen der Bänke eine Sachbeschädigung, die alle treffe, weil in der Regel Steuerzahlende für die Instandsetzung der Sitzbänke aufkommen müssten. Die Stadt Emden schätzt den finanziellen Schaden jetzt zwar als gering ein, da die Reinigung „kostengünstig“ und schrittweise von Mitarbeitenden des Bauhofs erledigt werden soll. Aufwand bedeutet das dennoch. Und das meiste ist noch zu tun. Die Bänke auf dem Treidelpadd sind noch alle im beschmierten Zustand. Hardtkes Idee jetzt, nachdem er davon erfahren hat, dass die Sache noch nicht erledigt ist: „Wir können das auch als Verein mit unseren Mitgliedern in Ordnung bringen. Abschleifen und neu lackieren ist ja kein Hexenwerk. Ich höre mich mal um.“

Kickers, wohin das Auge blickt: Auch Straßenschilder sind entsprechend beklebt. Foto: Stephanie Schuurman
Kickers, wohin das Auge blickt: Auch Straßenschilder sind entsprechend beklebt. Foto: Stephanie Schuurman

Wer aber die vermeintlichen Fans sind, die die Bänke blau-weiß gestrichen haben, weiß er nicht. „Ich habe mir vielleicht einen gewissen Respekt im Verein erworben, einige werden mich vielleicht auch mögen, aber da ist mein Einfluss auch begrenzt“, sagt er. Eine ähnliche Antwort habe er auch schon der Stadt geben müssen, die auf der Suche nach den Tätern bei ihm nachgefragt habe. „Das muss jetzt einfach den rechtlichen Weg gehen“, so Hardtke. „Und ich hoffe, dass bei solchen Taten einmal jemand erwischt wird.“

Noch keine Täter gefasst

Also bitte keine blau-weißen Fan-Bekundungen mehr in Emden? Generell lehnt Hardtke die Liebesbezeugungen für Kickers nicht ab. „Wir sind natürlich stolz, dass wir eine gewisse Fanzone haben.“ Hardtke ist im Übrigen auch verantwortlich für den Aufbau des großen Online-Fanshops, dessen Artikelauswahl über Trikots und Schals im Kickers-Design hinausgeht. Kickers-Fans können somit das blau-weiße Bekenntnis auch anders ausdrücken als über beschmierte Sitzbänke. Auf das Zukleben von Ampel- und Lichtmasten mit Kickers-Stickern, die auch im Shop erhältlich sind, hat er allerdings wenig Einfluss. „Die Aufkleber-Thematik ist ja ein bundesweites Phänomen“, sagt Hardtke. „Anderswo erkennt man nicht einmal mehr den Ampeldrücker.“

Manche mögen es, verboten ist es auf jeden Fall: angemaltes städtisches Mobiliar. Foto: Stephanie Schuurman
Manche mögen es, verboten ist es auf jeden Fall: angemaltes städtisches Mobiliar. Foto: Stephanie Schuurman

Bei den Straßenlaternen ist so gesehen längst ein Gewöhnungseffekt eingetreten. Das sollte bei den beschmierten Sitzmöbeln aus dem Eigentum der Stadt Emden nicht passieren, wie Stadtsprecher Eduard Dinkela vor vier Wochen erklärt hatte. Die Sachbeschädigung sei jedenfalls ordnungsgemäß bei der Polizei angezeigt worden. „Derzeit liegen jedoch keine Erkenntnisse über die Täter oder ein Ermittlungsergebnis vor.“

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