Plötzlich mehrere Bewerber  Wer bekommt den Nordertorkiosk in Emden?

Stephanie Schuurman
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Von Stephanie Schuurman
| 24.09.2025 17:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Historisches Gebäude an prägnanter Stelle: der Nordertorkiosk. Fotos: Stephanie Schuurman
Historisches Gebäude an prägnanter Stelle: der Nordertorkiosk. Fotos: Stephanie Schuurman
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Erst will ihn keiner haben, jetzt gibt es mehrere Bewerber für den historischen Kiosk am Emder Wall. Das macht die Sanierung und Nutzung nicht leichter.

Emden - Jahrelang stand er leer. Um den historischen Nordertorkiosk hat sich offensichtlich niemand mehr groß gekümmert. Ein paar Sicherungsmaßnahmen zwischendurch, damit das aus der Zeit des Backstein-Impressionismus stammende Häuschen unter dem vielen Efeu nicht zusammenbricht, das war‘s auch schon. Interessenten? Fehlanzeige. Und dann kommt plötzlich alles ganz anders.

Etwas in Schieflage gekommen: der Nordertorkiosk.
Etwas in Schieflage gekommen: der Nordertorkiosk.

Erst gibt es endlich einen ernsthaften Interessenten für das denkmalgeschützte Objekt. Von einem Eisverkäufer ist die Rede. Die Stadt plant schon die passgenaue Sanierung des Kiosks und setzt den Punkt auf die Tagesordnung des Gebäudeausschusses. Weil die Politik noch einen Ortstermin wünscht – und vielleicht vor der öffentlichen Debatte wissen möchte, warum die Sanierung von gut zehn Quadratmetern mehrere 100.000 Euro kosten soll – wird der Punkt nochmals von der Tagesordnung genommen. Und just zu diesem Zeitpunkt kommt der nächste Bewerber ins Spiel.

Die neue Idee

Ein Borssumer Jung-Unternehmer hat die Idee, in dem Gebäude einen Automaten-Kiosk einzurichten. Ein entsprechendes Konzept hat Christian Freundorfer der Stadt Emden inzwischen vorgelegt, wie Stadtsprecher Eduard Dinkela bestätigt. Die Abstimmung mit dem Rat, wie eine denkmalgerechte Sanierung des Kiosks erfolgen kann, dürfte sich damit nochmals erweitern. Der Knackpunkt jetzt: Wegen der weiteren Bewerbung müssen mehrere Varianten (und Kostenaufstellungen) berücksichtigt werden. Und: Sobald die Abstimmung mit dem Rat erfolgt sei, „werden wir das Mietobjekt öffentlich anbieten, sodass sich alle Bewerber darauf melden können“, so Dinkela.

Wenig einladend: Der Leerstand des Kiosks macht sich auch an den Kritzeleien bemerkbar.
Wenig einladend: Der Leerstand des Kiosks macht sich auch an den Kritzeleien bemerkbar.

Gibt es jetzt vielleicht sogar noch mehr Bewerber? Zwischenzeitlich gab es schließlich sogar einmal die Idee, aus dem Kiosk eine Döner-Bude zu machen. Dinkela bestätigt aktuell die beiden erwähnten Bewerbungen, neben der des Borssumers mit seiner Automaten-Idee eine weitere Anfrage für ein „personalbedientes Konzept“. Weitere Anfragen würden jedenfalls bis zur Klärung mit der Politik „zunächst abschlägig beschieden“. Wie lange Klärung und Sanierungsplanung dauern werden, ist offen. „Zum konkreten Zeitplan können wir aktuell noch keine Angaben machen“, sagt Dinkela. Mit der öffentlichen Ausschreibung wird es aber sicher nicht zügiger gehen.

Das Automaten-Konzept

Aber was bietet der Automatenbetreiber eigentlich? In einer Online-Petition (unter www.change.org/kioskamwall) appelliert der Unternehmer an alle Emder und Emderinnen: „Retten wir gemeinsam den alten Kiosk am Wall und machen ihn fit für die Zukunft!“ Seine Idee trage dazu bei, den Kiosk nicht nur zu erhalten, „sondern zu einem modernen, rund um die Uhr geöffneten Treffpunkt für alle zu machen – ohne seinen historischen Charme zu opfern“.

So könnte es am Nordertor aussehen, wenn daraus ein Automatenkiosk wird. Skizze: de gode jung GmbH
So könnte es am Nordertor aussehen, wenn daraus ein Automatenkiosk wird. Skizze: de gode jung GmbH

Sein Plan: „Wir bewahren die historische Fassade und füllen das Gebäude mit neuem Leben – durch schlaue Verkaufsautomaten mit Snacks, Getränken und anderen Kioskprodukten.“ Auf seiner Liste stehen Retro-Automaten wie die für Kaugummi oder Sammel- und Tattoo-Automaten. Dass dazu auch Zigaretten und Vapes gehören könnten, sagt der Betreiber der „de gode Jung GmbH“ auf der Petitionsseite nicht. 89 Unterschriften für sein Konzept hat er aber schon gesammelt.

Oder doch Eisverkauf?

Der andere Bewerber will nicht namentlich genannt werden, wie er auf Nachfrage dieser Redaktion sagt. Auch zu seinem Konzept sagt er am Telefon zunächst nichts. Es bleibt also noch offen, ob er das ganze Jahr über Eis verkaufen würde oder ob auch Heißgetränke denkbar wären wie in einer Art kleiner Milchbar von damals. In jedem Fall aber wäre für dieses Konzept Personal vonnöten. Die Automaten dagegen laufen wie von selbst.

Dringender Sanierungs- und Verschönerungsbedarf: das kleine Gebäude von 1929.
Dringender Sanierungs- und Verschönerungsbedarf: das kleine Gebäude von 1929.

Auf die Sanierung des Kiosks hat das Gewinner-Konzept aber maßgeblichen Einfluss. Stadtsprecher Eduard Dinkela hatte bereits Anfang des Jahres auf Anfrage dieser Redaktion am Beispiel des ehemaligen Kiosks mitgeteilt: „Die Sanierung des Gebäudes ist eng mit der geplanten Folgenutzung verknüpft und wird entsprechend an das Nutzungskonzept angepasst.“ Heißt: Es kann nicht einfach allgemeinverbindlich umgebaut werden. Denn womöglich müssen sanitäre Anlagen in dem ehemaligen Kiosk untergebracht werden – Toiletten könnte man sich vielleicht bei Automatenverkauf sparen. Dennoch: Angesichts der denkmalschutzrelevanten Auflagen zur Sanierung kommen schnell hohe Summen zusammen, die mit einer Verpachtung als Eisbude oder als Automatenkiosk kaum wieder hereinkommen. „Wirtschaftlich werden wir die Gebäude nie betreiben können“, bestätigte seinerzeit der Oberbürgermeister.

Die Politik entscheidet

Fest steht, dass die Stadt gemäß dem niedersächsischen Denkmalschutzgesetz derartige Gebäude wie den Nordertorkiosk oder auch den Chinesentempel erhalten muss, beide aus der Ära des städtischen Architekten Walter Luckau um 1929. Aus beiden Objekten war der Künstler Jörn P. Haut im Jahr 2021 nach Kündigung durch die Stadt ausgezogen. Während für den Chinesentempel an der Kunstmeile noch eine künstlerische Nachnutzung gesucht wird, gibt es jetzt also mehrere Konzepte für den Nordertorkiosk zur Auswahl.

Und wer weiß? Vielleicht wird es tatsächlich wieder ein Kiosk wie zwischen 1979 und 2010, als Bernd Weiser Süßigkeiten und einzelne Zigaretten für wenige Cent in den Schulpausen verkaufte. Letzteres sollte an Automaten inzwischen ausgeschlossen sein. Welcher Bewerber auch immer den Kiosk bekommt: Jede Entwicklung hängt nun wieder von der Zustimmung des Rates ab.

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