Osnabrück  Zu billig? Neue Studie macht den Verzehr von Hühnerfleisch madig

Thomas Ludwig
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Von Thomas Ludwig
| 24.09.2025 11:55 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Masthühner: Ist der Verzehr zu billig? Foto: dpa/Tierärztliche Hochschule Hannover/Sonja von Brethorst
Masthühner: Ist der Verzehr zu billig? Foto: dpa/Tierärztliche Hochschule Hannover/Sonja von Brethorst
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Vermeintlich grün, tatsächlich ein Klimasünder? Auch Hühnchenfleisch verursacht hohe Umweltkosten – und ist damit offenbar nicht automatisch die nachhaltige Alternative, die viele in Deutschland darin sehen.

Ist Hühnerfleisch zu billig? Ja – zu dieser Einschätzung kommt eine Untersuchung von „True Price“. Das niederländische Unternehmen hat es sich zur Aufgabe gemacht, versteckte Kosten in Produkten aufzudecken. Und die Bilanz sieht beim Hühnerfleisch so aus: Hätte man für die 2024 in Deutschland produzierten 1,1 Millionen Tonnen Hühnerfleisch den tatsächlichen Preis veranschlagt, wären 1,63 Milliarden Euro an verdeckten Umweltkosten fällig geworden – genug, um Klima- und Tierschützer in Wallung zu bringen.

„Entgegen der in Deutschland weit verbreiteten Meinung, dass im Gegensatz zu Schweine- oder Rindfleisch Hühnchenfleisch eine umweltfreundliche Alternative sei, zeigen die Untersuchungen, dass auch Geflügelfleisch negative Auswirkungen auf die Umwelt hat – und diese sind bei Hühnchenfleisch um ein Vielfaches höher als bei pflanzlichen Alternativen“, kommentiert Ladina Bissinger von der Tierschutzorganisation „Vier Pfoten” die von der Organisation in Auftrag gegebene Studie. Es werde also „Zeit, hinter das angeblich so umweltfreundliche Hühnchenfleisch ein großes Fragezeichen zu setzen“.  

Tatsächlich ist der Pro-Kopf-Verbrauch von Hühnerfleisch in Deutschland kontinuierlich gestiegen und laut Statistischem Bundesamt heute um rund ein Drittel höher als vor zehn Jahren. 2024 lag der Wert demnach bei rund 15,5 Kilogramm pro Kopf. 

Hühnchenfleisch gilt bei Verbrauchern oft als gesündere und fettärmere Alternative zu Schweine- oder Rindfleisch – und auch als reichhaltige Proteinquelle. Dieses zunehmende Gesundheitsbewusstsein hat mit zur Verschiebung der Nachfrage beigetragen. 

Die True Price-Studie kommt nun zu der Einschätzung, dass sich die verdeckten Umweltkosten, die in der Produktion von Masthähnchenfleisch in Deutschland anfallen, auf 1,48 Euro pro Kilogramm Schlachtkörpergewicht (inklusive Haut und Knochen) belaufen. Bei den 1,1 Millionen Tonnen Hühnchenfleisch, die im vergangenen Jahr in Deutschland produziert wurden, summieren sich die verdeckten Kosten demnach auf 1,63 Milliarden Euro. Laut Studie könnte die tatsächliche Preislücke bei einem durchschnittlichen Hähnchenfilet ohne Haut und Knochen im Supermarkt sogar zwischen 2,40 und 2,50 Euro pro Kilogramm liegen.

Die größten Treiber für die ermittelten verdeckten Umweltkosten bei Hühnchenfleisch seien demnach die Landnutzung, die Erschöpfung fossiler Brennstoffe sowie der Einfluss auf die Klimakrise. Bei letzterem wirken sich die Futtermittelproduktion, Emissionen beim Transport und der Energieverbrauch in den Mast- sowie Schlachtanlagen besonders negativ aus.

Eine um zehn Prozent geringere Hühnerfleischproduktion in Deutschland könnte der Studie den Ausstoß von bis zu 220.000 Tonnen CO2 pro Jahr vermeiden. Dies entspricht laut Report den jährlichen energiebezogenen Emissionen von etwa 45.000 Durchschnittshaushalten.

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