Schulkonflikt Streit über Herrentorschule spitzt sich zu
Die Diskussion über die Herrentorschule in Emden sorgt für wachsende Spannungen zwischen Politik, Eltern und Verwaltung. Nun sprechen die Grünen von „Brüskierung“ und „Missachtung“.
Emden - Der Streit über die Zukunft der Emder Herrentorschule spitzt sich zu. Nachdem sich zuletzt SPD, CDU und FDP für die Einrichtung einer Realschule ausgesprochen haben, melden sich nun die Grünen mit scharfer Kritik zu Wort. Sie werfen den Befürwortern vor, die Ergebnisse des zweijährigen Workshops zur Schulentwicklungsplanung zu missachten. In einer Stellungnahme betont die Partei, dass in diesem Prozess nie eine Realschule Thema gewesen sei. Ziel sei es vielmehr gewesen, den Wunsch der Eltern nach mehr Plätzen an der Integrierten Gesamtschule (IGS) zu berücksichtigen und zugleich den Standort Borssum aufzuwerten.
Die Grünen sprechen deshalb von einer „bisher nicht gekannten Brüskierung und Missachtung“ der intensiven Arbeit von Schulen, Elternvertretungen, Verwaltung und Politik. „Sabine Noetzel (SPD), Wilke Held (CDU) und Friedrich Busch (FDP) haben in einer parteiübergreifenden Stellungnahme diese gemeinsam mit viel Engagement und Zeit erarbeiteten Ergebnisse des Workshops in den Papierkorb geworfen“, heißt es in einer Stellungnahme, die von Janna Voigt und Mauro da Silva Oliveira im Namen des Kreisverbands von Bündnis 90/Die Grünen Emden unterzeichnet ist.
„Bildungspolitischer Rückschritt“
Besonders heftig kritisieren die Grünen die Haltung der Emder SPD. Mit der Forderung nach einer Realschule stelle sie sich gegen die eigene Landespartei. Im rot-grünen Koalitionsvertrag in Hannover sei ausdrücklich festgeschrieben, Oberschulen zu fördern und sie perspektivisch zu Integrierten Gesamtschulen weiterzuentwickeln. „Die Realschule ist ein bildungspolitischer Rückschritt, weil sie die Selektion nach Klasse vier wieder in den Vordergrund stellt“, heißt es in der Erklärung. Eine IGS-Erweiterung eröffne hingegen allen Kindern gleiche Bildungschancen und ermögliche individuelle Förderung.
Hintergrund der Debatte ist der Plan der Stadtverwaltung, die Herrentorschule, eine Oberschule, ab dem Schuljahr 2026/27 als Zweigstelle der IGS zu führen. Damit sollte die Gesamtschule auf acht Züge anwachsen, um die hohe Nachfrage zu decken und zugleich sinkenden Anmeldezahlen an den Oberschulen entgegenzuwirken. Doch die Ratsmehrheit droht zu kippen: SPD-Fraktionschefin Maria Winter hatte bereits angekündigt, die Vorlage der Verwaltung nicht mitzutragen. Gemeinsam mit Vertretern von CDU und FDP – Wilke Held und Friedrich Busch – sprach sie sich stattdessen für eine eigenständige Realschule aus. Zur Begründung heißt es, kleinere, differenzierte Systeme seien besser geeignet, Kindern Orientierung zu geben.
Verhärtete Fronten
Der Widerstand gegen die Pläne der Verwaltung ist damit stark gewachsen. Zugleich formiert sich aber auch Protest gegen die Realschul-Idee. Stadtelternrat und Grüne stellen sich klar hinter die IGS-Erweiterung. Elternvertreter der Herrentorschule wiederum werfen dem Stadtelternrat Befangenheit vor, da dessen Vorsitzende zugleich Elternvertreterin der IGS sei.
Bereits im Juni hatte es eine öffentliche Protestwelle gegeben: Eltern, Lehrkräfte und Schüler forderten im Schulausschuss des Rates den Erhalt der Herrentorschule. Eine Online-Petition hat inzwischen mehr als 1100 Unterstützer. Viele Eltern kritisieren zudem, dass der Entscheidungsprozess aus ihrer Sicht zu hastig verlaufe und zu wenig transparent sei. Sie fürchten, dass mit der Umwandlung ein zentrumsnaher Schulstandort verloren geht und Kinder künftig längere Schulwege in Kauf nehmen müssen.