Pinneberg  Polizei sicher: Leiche in abgebranntem Haus in Pinneberg ist vermisste Neunjährige

Grischa Beißner, Caroline Warmuth, Florian Sprenger
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Von Grischa Beißner, Caroline Warmuth, Florian Sprenger
| 23.09.2025 10:21 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Auch am Morgen nach dem Feuer geht die Suche weiter. Foto: Florian Sprenger
Auch am Morgen nach dem Feuer geht die Suche weiter. Foto: Florian Sprenger
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Nach einem Brand in einem Mehrfamilienhaus in Pinneberg in Schleswig-Holstein kann sich eine Familie schwer verletzt ins Freie retten. Doch ein neunjähriges Mädchen wird weiter vermisst.

Nach dem Großfeuer an der Elmshorner Straße in Pinneberg in der Nacht zu Dienstag, 23. September, haben Einsatzkräfte einen Leichnam in der Brandruine entdeckt. Das teilte Polizeisprecher Christian Hesse am Dienstagmittag mit.

Das Feuer war am späten Montagabend in einem Mehrfamilienhaus ausgebrochen. Drei Menschen sind dabei zum Teil schwer verletzt worden. Seit dem Brand galt ein neunjähriges Mädchen zunächst als vermisst. Ob es sich bei dem gefundenen Leichnam um das Kind handelt, ist zwar aktuell noch nicht offiziell bestätigt. „Bei lebensnaher Betrachtung ist mit hoher Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass es sich um das vermisste Mädchen handelt“, so die Polizei auf Nachfrage unserer Redaktion.

Mehrere Personen, darunter eine Familie mit einem 14-jährigen Sohn sowie deren Nachbarin, konnten sich mit teils schweren Rauchgasvergiftungen aus den Flammen retten. Der Vater erlitt schwere Verletzungen, Mutter und Sohn leichte.

Die Einsatzkräfte trafen wenige Minuten nach dem Alarm um 22.57 Uhr an der Einsatzstelle ein. Einsatzleiter Florian Judzinsky erhöhte die Alarmstufe auf FEU 2, Feuer 2 Löschzüge, und ließ zusätzliche Kräfte aus Waldenau mit Atemschutz ausrüsten, mit dem Ziel, schnell die Menschenrettung und Brandbekämpfung vornehmen zu können.

In dem Haus schlugen bereits offene Flammen aus den Fenstern des Obergeschosses sowie aus dem Dachbereich. Ein Innenangriff unter schwerem Atemschutz im Wohnbereich der Familie musste aufgrund der massiven Brandausbreitung bereits zu Beginn abgebrochen werden, so Feuerwehrsprecher Sebastian Kimstädt. Auch die Suche nach dem vermissten Mädchen musste in der Nacht abgebrochen werden.

Das Mädchen lebte zusammen mit seinen Eltern und dem Bruder in einer Wohnung im ersten Obergeschoss und dem Dachgeschoss des Zweifamilienhauses. „Während sich ihr Vater (42), ihre Mutter (40) und ihr Bruder (14) auch dank der Hilfe von Nachbarn noch vor dem Eintreffen der Feuerwehr in Sicherheit bringen konnten, muss aktuell davon ausgegangen werden, dass sich das Kind noch in der Brandruine befindet“, sagte Kimstädt in der Nacht.

Die Eltern und der Bruder der Vermissten wurden mit ihren teils schweren Verletzungen in umliegende Krankenhäuser eingeliefert. Eine 76 Jahre alte Bewohnerin einer Wohnung im Erdgeschoss konnte sich unverletzt ins Freie retten.

Ein Großaufgebot von Rettungsdienst und DRK war vor Ort. In der Spitze waren mehr als 120 Helfer von Feuerwehr, Rettungsdienst, DRK, THW, Polizei und die Besatzung des Rettungshubschraubers im Einsatz. Auch ein Rettungshubschrauber aus Rendsburg landete am Westring. Über mehrere handgeführte Strahlrohre sowie über die Drehleitern aus Pinneberg und Elmshorn wurden die Flammen von außen bekämpft.

Auch die Drehleiterbesatzung aus Elmshorn war direkt aus Uetersen nach Pinneberg geeilt, nachdem sie in Uetersen bereits bei der Bekämpfung eines Dachstuhlbrandes geholfen hatte.

Im Inneren des Hauses griffen die Flammen rasch auf die hölzernen Decken und Wände über und fanden dort reichlich Nahrung. Die Einsatzkräfte der Feuerwehren konnten ein vollständiges Ausbrennen des Dachstuhls nicht verhindern.

Aufgrund der belastenden Einsatzsituation sind zudem Notfallseelsorger zur Betreuung der Angehörigen und der Einsatzkräfte alarmiert worden. Darüber hinaus war Kreiswehrführer Stefan Mohr an die Einsatzstelle gekommen. Auch Bürgermeister Thomas Voerste eilte an die Einsatzstelle, um sich ein Bild von der Lage zu machen und um die Unterbringung der Geschädigten zu unterstützen.

Am Dienstagmorgen war die Feuerwehr mit Nachlöscharbeiten noch beschäftigt. Das Gebäude ist schwer beschädigt und nicht begehbar. Die Polizei hat die Brandstelle beschlagnahmt, das Landeskriminalamt hat die Ermittlungen aufgenommen.

Die Nachlöscharbeiten dauerten bis in die frühen Morgenstunden. Auch am Dienstagmorgen war immer wieder Rauch über der Ruine zu sehen, weshalb die Freiwillige Feuerwehr Kummerfeld zusammen mit der Pinneberger Wehr eine Brandsicherheitswache stellte.

Die Elmshorner Straße war für die Maßnahmen für längere Zeit gesperrt. Die Brandursache ist laut Polizeisprecher Hesse weiterhin unklar. Ersten Schätzungen zufolge beläuft sich der Sachschaden auf mindestens 500.000 Euro.

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