Hamburg Mehr tödliche Radunfälle: ADFC fordert Tempolimit auf Landstraßen
Jedes sechste Todesopfer im Straßenverkehr war 2024 mit dem Rad unterwegs. Besonders gefährlich sind Landstraßen: hohe Geschwindigkeiten, fehlende Radwege, kaum Querungshilfen, kritisiert der ADFC. Der Club fordert deshalb ein Tempolimit.
Nach Zahlen des Statistischen Bundesamts starben 441 Radfahrer bei Unfällen – fast die Hälfte von ihnen auf Landstraßen außerhalb geschlossener Ortschaften. Angesichts dieser Entwicklung kritisiert der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC), dass Landstraßen häufig nur für den Autoverkehr ausgelegt seien.
Doch auch Rad- und Pedelecfahrer wollen die Strecken nutzen. Hohe Geschwindigkeiten, fehlende Radwege und mangelnde Querungshilfen machen sie aber besonders gefährlich für Radfahrer, sagte der ADFC-Bundesvorsitzende Frank Masurat unserer Redaktion. Der Club fordert deshalb den zügigen Ausbau von Radwegen in ländlichen Regionen, sichere Querungsmöglichkeiten wie Mittelinseln – und ein generelles Tempolimit von 70 km/h auf Landstraßen ohne Radweg.
Auffällig ist vor allem der Anstieg bei Unfällen mit Pedelecs. Von den 441 getöteten Radfahrenden fuhren 192 ein motorunterstütztes Rad. Das ist fast fünfmal mehr als noch vor zehn Jahren. „Der Anstieg der Unfallzahlen liegt an der steigenden Zahl an Pedelecs, die gekauft und gefahren werden – und an der höheren Reichweite, die die Nutzer mit Pedelecs erreichen“, sagte Masurat. Teilweise habe sich das Unfallgeschehen vom Fahrrad auf das Pedelec verlagert.
Besonders ältere Menschen sind betroffen: Knapp zwei Drittel (63,5 Prozent) der tödlich verunglückten Radfahrer waren 65 Jahre oder älter. Während bei klassischen Fahrrädern 59,4 Prozent der Getöteten Senioren waren, lag der Anteil bei Pedelecs mit 68,8 Prozent noch höher. Zwar verunglückten Senioren insgesamt seltener als Jüngere, doch die Folgen seien im höheren Alter schwerer, erklärte Masurat. Dadurch tauchten Senioren häufiger in der Unfallstatistik auf.
Eine Helmpflicht lehnt der ADFC trotz der steigenden Zahlen ab und setzt auf Freiwilligkeit. „Zur Vermeidung von Unfällen muss die teils sehr schlechte Radinfrastruktur in den Städten und auf dem Land zügig ausgebaut werden. Denn nur auf sicheren Radwegen ist sicherer Radverkehr möglich“, erklärte der Verband.