Wochenglosse  Rolle rückwärts in die 80er

Karin Lüppen
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Eine Kolumne von Karin Lüppen
| 20.09.2025 09:32 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
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Das Ozonloch über der Antarktis wird kleiner, weil FCKW in den 80ern verboten würde. Ein Glück – heute zerbräche die Gesellschaft daran. Eine Glosse.

Eine gute Nachricht: Das Ozonloch über der Antarktis schließt sich langsam wieder. Vor knapp 40 Jahren wurde ein radikaler Schnitt gemacht und Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) verboten. Die hatten den Schwund des Schutzmantels für den Globus hauptsächlich verursacht und steckten in Spraydosen und Kühlschränken. Gut, dass das damals passiert ist. Stellen wir uns vor, das Phänomen würde jetzt entdeckt werden.

Es würde Hamsterkäufe für Sprays jeder Art geben, die Keller der Leute wären bis an die Decke voll mit Imprägnierspray, Raumspray, Autolack, Deo und Druckluft. Markus Söder würde vor dem „FCKW-Hammer“ warnen und in einem Video demonstrativ üppig Sprühsahne auf seinem Burger verteilen. Kanzler Merz zöge die Mundwinkel auf halb Sieben und versicherte, dass Pumpsprüher noch keine Serienreife hätten. Die Sozis würden verlangen, dass wenigstens die Oma mit der kleinen Rente noch ihre geliebte Kühltruhe behalten darf. Bei Markus Lanz würde Alice Weidel das Recht auf Sonnenbrand dritten Grades einfordern, während Sahra Wagenknecht den Ozonschutzschild zur Erfindung westlicher Propaganda erklärte. Die Industrie würde behaupten, dass Kühlschränke ohne FCKW nicht kalt genug werden und ein Verbot frühestens 2078 umsetzbar wäre. Aus den USA purzelten Ratschläge in die sozialen Netzwerke, FCKW direkt zu inhalieren, weil es potenzsteigernd und gegen Alzheimer wirkt, während Apple veganen Joghurt an Fans verteilt, die sich beim Warten vorm Laden auf das neueste Gadget einen Sonnenstich holen.

Die Autorin erreichen Sie unter k.lueppen@zgo.de

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