Osnabrück Ruder-Weltmeisterschaft in Shanghai: Wie Greiten und Amelingmeyer ihre Rolle ausfüllen
Noch zwei Wochen bleiben Friedrich Amelingmeyer und Pia Greiten, danach gehen die zwei Osnabrücker Ruderer bei der Weltmeisterschaft im chinesischen Shanghai für die deutsche Nationalmannschaft an den Start. Wie der WM-Debütant und die Gesamtweltcupsiegerin ihre Medaillen-Chancen und ihre Rolle im Team einschätzen.
Die Vorzeichen könnten für zwei Osnabrücker Ruderer vor der anstehenden Weltmeisterschaft im chinesischen Shanghai (21. bis 28. September) unterschiedlicher nicht sein, obwohl sie in ihren jeweiligen Teams identische Positionen ausfüllen und auf dem Boot den Rhythmus vorgeben werden: Während Friedrich Amelingmeyer als Schlagmann im deutschen Riemenvierer sein WM-Debüt gibt, möchte Pia Greiten als Schlagfrau im deutschen Frauen-Doppelvierer im vierten Versuch Edelmetall in der Hand halten.
Selbstbewusstsein für den größten Wettkampf des Jahres getankt haben beide ORV-Athleten bereits Anfang August bei den Finals in Dresden – Gold und Silber waren die Ergebnisse. Danach ging es für die beiden Osnabrücker drei Wochen ins Trainingslager nach Ratzeburg, wo unter anderem Grundlagen mit langen Einheiten abgespult und laut Greiten sogar Hitzetrainings durchgeführt wurden, um sich auf die veränderten Bedingungen in China einzustellen.
Nachdem sich Amelingmeyer in Dortmund und Greiten in Berlin weiter auf den großen Wettkampf vorbereitet haben, folgte Anfang September nochmal ein neuntägiges Zusammenkommen mit der Ruder-Nationalmannschaft in Ratzeburg. Intensives, schnelles Rudern stand dort auf dem Trainingsplan, bevor am Sonntag die WM-Mission startet und der deutsche Tross nach Shanghai abhebt.
Insbesondere der 22-jährige Amelingmeyer freut sich auf ein „cooles Event“. Erstmals geht er bei der WM im deutschen Riemenvierer an den Start – und dann auch noch als Schlagmann. „Ich muss schauen, dass das Boot gerade fährt und den Takt vorgeben – das kommt aber auch aus der Mannschaft heraus. Druck mache ich mir nicht, das funktioniert im Rudern nicht. Wenn ich mit Gelassenheit hineingehe, kann ich die besten Ergebnisse erzielen“, erklärt der ORV-Athlet.
In der anspruchsvollen Bootklasse, die sehr fehleranfällig ist, hohe Präzision erfordert sowie Komponenten aus dem Achter und Zweier vereint, sei die Weltcupsaison eher holprig verlaufen. Dauerhafte Krankheitsfälle erschwerten die Vorbereitung. Erst nach einem durchwachsenen Weltcup in Varese Mitte Juni, bei dem Amelingmeyer im Bug saß und ein Ersatzmann einspringen musste, änderte sich etwas im Boot und die Formkurve ging beim folgenden Lauf in Luzern nach oben. „Wir haben die Positionen getauscht, das hat bei uns etwas den Knoten gelöst“, sagt er.
Keine Veränderungen gibt es im Frauen-Doppelvierer mit Frauke Hundeling aus Bramsche und der Bissendorferin Greiten, die die Position als Schlagfrau seit Mitte der letzten Saison innehat und in Luzern den Gesamtweltcup gewinnen konnte. „Zu wissen, dass ich auf der Position bei Olympia eine Medaille geholt habe, könnte nicht mehr Selbstvertrauen geben“, betont die 28-Jährige, die auch im Mixed-Doppelzweier vorne mitfahren möchte.
Dass Greiten erstmals einen Wettkampf außerhalb von Europa bestreitet, bringt sie nicht vom Ziel ab, nach Olympia-Bronze in Paris nun die erste WM-Medaille zu holen – auch wenn Großbritannien der Favorit ist. „Wenn wir ganz vorne landen möchten, müssen wir sie schlagen“, sagt sie entschlossen. Auch im hochkarätigen und großen Teilnehmerfeld im Riemenvierer der Männer sieht Amelingmeyer in Rumänien, Australien oder Kroatien eher andere Nationen als Titelanwärter.
Durch den Modus ohne Hoffnungsläufe habe es eine gewisse Fallhöhe, wenn man ein schlechtes Rennen fährt. Für Amelingmeyer besteht jedoch kein Grund zur Sorge: „Wir haben jetzt einen guten Speed gefunden und würden gerne ins A-Finale fahren oder eine gute B-Finalplatzierung erreichen.“ Sowohl Greiten als auch Amelingmeyer wissen in ihren Rollen, was sie zu tun haben – so viel ist klar. Offen ist, mit welchem WM-Gefühl beide aus China wiederkommen.