Botox und Co. Neurologe aus Hinte nun auch Beauty-Doc
Dr. Arndt Grupe aus Hinte hat als Neurologe eigentlich genug zu tun. Doch er behandelt nicht nur Kopfschmerzen, sondern glättet auch Falten. Wie kam er dazu und was sollten Patienten beachten?
Hinte - Wer die Praxis von Dr. Arndt Grupe in Hinte aufsucht, sucht meist Hilfe bei Kopfschmerzen oder anderen Beschwerden. Der Mediziner ist Facharzt für Neurologie und behandelt viele Patientinnen und Patienten – die Wartezeit auf einen Termin ist lang. Doch neben seinen regulären Sprechstunden widmet er sich zusätzlich einem ganz anderen Bereich: Er bietet ästhetische Botox-Behandlungen an, glättet durch die gezielte Injektion des Nervengifts etwa Falten an Stirn oder Augen. „Ich sehe, der Bedarf ist da“, sagt er. Aktuell bietet er etwa zwei Botox-Sprechstunden im Monat an – nach der regulären Sprechstunde als Privatleistung.
Das Zusatzgeschäft hat sich für ihn aus seiner neurologischen Arbeit ergeben: Seit Jahren behandelt er mit Botox viele Patientinnen und Patienten, die an Kopfschmerzen oder Migräne leiden. Denn Kopfschmerzen hängen oft mit verspannten Muskeln zusammen. Durch Botox können diese gezielt gelockert werden, was im Idealfall die Schmerzen lindert. Ein angenehmer Nebeneffekt: Die Haut entspannt sich, Falten werden geglättet oder entstehen gar nicht erst. Da habe es für ihn nahegelegen, nach entsprechenden Fortbildungen auch ästhetische Behandlungen anzubieten.
„Betongesicht“ vs. natürliche Schönheit
In der ästhetischen Medizin ist das Nervengift Botulinumtoxin wegen seiner Wirkung längst in aller Munde, beziehungsweise unter der Gesichtshaut. Wie lange der Effekt anhält, hängt von dem Präparat ab. Meist sind es sechs bis acht Monate, sagt Arndt Grupe. „Für mich geht es darum, dass man gar nicht immer eine so große Veränderung wahrnimmt“, sagt er. „Nicht alles, was machbar ist, ist auch gut“, so Grupe. Ein „Betongesicht“ sei nie das Ziel, vielmehr gehe es darum, die natürliche Schönheit des Patienten hervorzuheben, sodass dieser frischer oder nicht mehr so erschöpft aussieht.
Ob jemand ein faltiges Gesicht bekommt oder nicht, hängt von vielen Faktoren ab: Gene, Sport, Ernährung, Alkohol, Nikotin und Sonneneinstrahlung spielen eine Rolle. Auch die Psyche kann Einfluss haben. „Je mehr Sorgenfalten jemand hat, desto mehr Sorgen macht er sich vielleicht auch im Inneren“, sagt Arndt Grupe. Falten könnten nicht nur Strahlen, sondern auch Sorgen des Lebens zeigen. Diese behandeln zu können habe bei vielen Patientinnen und Patienten deshalb auch einen positiven Effekt auf die Psyche.
Verbraucherzentrale warnt vor Risiken
Bei ästhetischen Botox-Behandlungen gehen Geschmäcker auseinander. Während in manchen Ländern mit Hyaluronsäure aufgespritzte Lippen im Trend sind, mögen es seine ostfriesischen Kundinnen – meist seien es Frauen – eher dezenter, sagt der Neurologe. Generell rät er, bei Trends vorsichtig zu sein. Auch Schönheitsideale ändern sich. Jeder Behandlung geht eine ausführliche Beratung voraus, in der er auch über mögliche Risiken aufklären muss. Und: Die Wirkung von Botox lässt im Zweifelsfall nach ein paar Monaten nach.
Die Anwendung von Botulinumtoxin gilt als weitgehend sicher. Dennoch warnen Verbraucherschützer vor Risiken, wenn das Nervengift nicht fachgerecht injiziert wird. Im schlimmsten Fall werden Muskeln „lahmgelegt“, die eigentlich aktiv bleiben sollten. Davor warnt auch die Verbraucherzentrale auf ihrer Website. Kosmetikerinnen und Kosmetiker dürfen keine invasiven Eingriffe vornehmen, bieten aber dennoch solche Behandlungen an. Selbst scheinbar leichte Eingriffe können bei unsachgemäßer Durchführung Schäden verursachen.
Schönheitsmedizin längst auf dem Land angekommen
Niko Gerdau, Sprecher der Ärztekammer Niedersachsen, betont: „Unter dem Aspekt der Patientensicherheit ist eine Behandlung bei approbierten Ärztinnen und Ärzten grundsätzlich zu befürworten, da bei auftretenden Komplikationen oder Nebenwirkungen eine entsprechende ärztliche Versorgung möglich ist.“ Auch die Kassenärztliche Vereinigung (KVN) schreibt das in ihrer Antwort.
Eine kurze Google-Recherche zeigt: In Ostfriesland bieten mehrere Praxen ästhetische Botox-Behandlungen an. Neben Dr. Grupe in Hinte gibt es in Norden eine Ärztin für ästhetische Medizin, in Aurich eine Fachärztin für Plastische und Ästhetische Chirurgie und in Leer einen Hals-Nasen-Ohren-Arzt, der ebenfalls ästhetische Behandlungen anbietet. „Die Verbreitung von medizinischen Botox-Behandlungen als Kassenleistung in Haus- und Facharztpraxen – auch im ländlichen Raum – ist seit Jahren konstant“, schreibt Detlef Haffke von der KVN. Schönheits-Medizin ist also längst kein rein städtisches Phänomen mehr.
Botox auch schon im familiären Umfeld gespritzt
Bei medizinischer Indikation kann die Krankenkasse die Kosten für eine Botox-Behandlung übernehmen, erklärt Detlef Haffke von der KVN. Dafür muss ein Antrag gestellt und nachgewiesen werden, dass herkömmliche Medikamente nicht geholfen haben. Medizinische Anwendungsgebiete sind neben chronischer Migräne zum Beispiel zervikale Dystonie (Schiefhals), (Gesichts-)Spastiken etwa nach Schlaganfällen, Lidkrämpfe, übermäßiges Schwitzen in der Achselhöhle oder bestimmte Formen der Harninkontinenz.
Obwohl Arndt Grupe als Neurologe eigentlich gut ausgelastet ist, hat er Spaß an seiner neuen Aufgabe gefunden. „Das ist ein total interessantes Feld“, sagt er. „Für mich ist das als Medizinier auch nach 30 Jahren wieder spannend, sich in einen neuen Bereich einzuarbeiten. Das macht sehr viel Freude.“ So habe er die Behandlung mit Botox auch schon im eigenen familiären Umfeld durchgeführt, sagt er.