Allensbach Dan Browns „The Secret of Secrets“: Hochspannungsthriller mit kleinen Schwächen
Im neuen Thriller von Dan Brown jagt die Hauptfigur Robert Langdon durch Prag, um seine Geliebte zu retten. Gewohnt gekonnt werden Sightseeing, Geschichte und Spannung miteinander vermischt. Doch so manche Schreibeigenarten trüben das Leseerlebnis.
Es dauert eine Weile, bis Dan Brown die Katze aus dem Sack lässt: Beim titelgebenden „Geheimnis aller Geheimnisse“ handelt es sich um die faszinierende Theorie des „nicht-lokalen Bewusstseins“. Das gesamte Universum ist demnach von Bewusstsein durchdrungen und das Gehirn eine Art Radio, das nur auf einen bestimmten Sender eingestellt ist.
Hin und wieder kommt es jedoch zu Interferenzen, dann hebt sich der Schleier und der Mensch erhält vorübergehend Einblick ins universelle Wissen. So lassen sich Phänomene wie außerkörperliche Erfahrungen oder Prophezeiungen erklären, aber auch Anomalien wie die Inselbegabungen von Menschen mit geistiger Behinderung; und der Tod wäre nicht das Ende.
Natürlich erfüllt „The Secret of Secrets“, Browns sechster Roman mit Robert Langdon, trotz solcher Ausführungen die Erwartungen an einen Hochspannungs-Thriller. Katherine Solomon, die derzeitige Geliebte des genialen Symbolforschers, hat ein Buch über ihre Entdeckung geschrieben. Weil mächtige Gegenspieler um jeden Preis verhindern wollen, dass es erscheint, kommt es in Prag zu einem lebensgefährlichen Katz-und-Maus-Spiel.
Wie schon in seinen früheren Werken nutzt Brown den Schauplatz, um sämtliche Sehenswürdigkeiten zur Geltung zu bringen; diesmal nicht als Schnitzeljagd wie in „Der Da Vinci Code“ (Paris), „Das verlorene Symbol“ (Washington) oder „Inferno“ (Florenz), sondern im Rahmen einer Verfolgungsjagd. Darüber hinaus beeindruckt der Bestsellerautor wie stets durch eine enorme Fülle an Wissensbissen.
Die Ausflüge in die Geschichte der „Goldenen Stadt“ und ihrer weltberühmten Bauwerke, durch die zudem kein Geringerer als der Golem schleicht, sind zwar mindestens so reizvoll wie die vielen Exkurse etwa in die Neurowissenschaften oder die Quantenphysik, allerdings nicht immer elegant integriert („wie Langdon wusste…“). Ohnehin wird der Lesegenuss durch allerlei stilistische Stolpersteine getrübt, bei denen nicht immer klar ist, ob sie Brown oder den Übersetzern anzulasten sind.
Angesichts von Formulierungen wie „Stehende Ovationen“ und anderen Schlampereien drängt sich die Vermutung auf, dass bei der Übertragung ins Deutsche womöglich Künstliche Intelligenz im Spiel war. Ein solcher Lapsus findet sich ausgerechnet in einem Absatz über einen akribischen Lektor, der dank der vielen Einblicke in seine Arbeit als Figur ähnlich interessant ist wie Langdon.
Auf Dauer lästig sind auch die ständig eingestreuten Markennamen, die gehäufte Verwendung wichtigtuerischer Adjektive und die allzu oft effekthascherisch wirkenden Cliffhanger. Trotzdem versteht Brown sein Metier als Thriller-Autor wie nur wenige andere.
Dan Brown: „The Secret of Secrets“. Aus dem amerikanischen Englisch von Dietmar Schmidt und Rainer Schumacher. Bastei-Lübbe, Köln. 800 Seiten, 32 Euro.