Osnabrück Enkel von Hitler-Attentäter mahnt in Osnabrück: Demokratie ist kein Selbstläufer
Sein Großvater versuchte einst, Hitler zu töten. Was sagt Karl Graf von Stauffenberg zur heutigen politischen Situation? In der Osnabrücker Domschule gab er Schülern, die bald wählen dürfen, eine kleine Lehrstunde.
Sein Name ist mit einem der bekanntesten Attentate der Geschichte verknüpft: Vor mehr als 80 Jahren, am 20. Juli 1944, versuchte Claus Schenk Graf von Stauffenberg Nazi-Diktator Adolf Hitler zu töten – und damit Deutschland von der Diktatur zu befreien und „Recht und Gerechtigkeit“ wiederherzustellen, so dessen Enkel Karl Graf von Stauffenberg in der Aula der Osnabrücker Domschule. Dorthin hatte ihn die Bürgerstiftung eingeladen, um die Schulpreise für ihren Förderschwerpunkt „Demokratie leben“ zu vergeben.
Dass genau diese nicht überall eine Selbstverständlichkeit ist, versuchte der Gastredner Schülern der achten, neunten und zehnten Jahrgangsstufe deutlich zu machen. Sein Großvater habe als Teil einer Gruppe Widerstand geleistet in einer Zeit, in der „anders Aussehende, Denkende und Glaubende“ beseitigt wurden, erinnerte Stauffenberg an den Machtmissbrauch der Nationalsozialisten.
Umso mehr habe es ihn gewundert, dass bei den Corona-Demos vor ein paar Jahren davon die Rede gewesen ist, dass Deutschland eine „Meinungsdiktatur“ sei – wo doch eben genau diese Meinung ungestraft geäußert werden durfte. Anders, als wenn man zum Beispiel heute in Russland gegen den Ukraine-Krieg auf die Straße gehen würde. Auch dass junge Frauen im Iran nicht studieren dürfen, führte Stauffenberg als Beispiel für ein totalitäres System an.
Als umso schützenswerter stellte er eine demokratische Gesellschaftsstruktur heraus, in der die Freiheit des Denkens, des Tuns und der Meinungsäußerung einen besonderen Wert habe. Dass es keine Sprech- oder Denkverbote gebe, garantiere jene demokratische Grundordnung, die im Grundgesetz von 1949 verankert sei.
Dessen Artikel hätten die Domschüler im Rahmen eines Projekts auf Treppenstufen und in einer Ausstellung in eine eigene Sprache übersetzt, lobte Stauffenberg die jungen Menschen. Dafür haben die Schüler neben der Friedensschule, der Arbeiterwohlfahrt und der freien Montessori-Grundschule einen Preis der Bürgerstiftung erhalten haben.
„Wir reden zu wenig miteinander und zu viel übereinander“, gab Stauffenberg jedoch zu bedenken. Und schrieb den Schülern ins Stammbuch, wählen zu gehen, sobald sie dies dürfen – aber keine Partei, die das hohe Gut der Demokratie und der Freiheit einschränken wolle. Ohne einen Namen zu nennen, betonte er: „Das ist keine Alternative für Deutschland“. Ebenso wenig, wie es der Verzicht auf Zuzug aus dem Ausland sei. Ohne den müsse jede deutsche Frau aktuell sieben Kinder gebären, um unseren Wohlstand zu erhalten, rechnete Stauffenberg vor.
Eine spontane Umfrage unter den anwesenden Schülern ergab aber, dass nur die allerwenigsten vorhaben, mehr als zwei Kinder zu bekommen. Zudem würde sich das Durchschnittsalter der deutschen Gesellschaft, wenn all diejenigen mit Migrationshintergrund ausgewiesen würden, von aktuell 45 auf 63 Jahre erhöhen. Bei einem Regelrentenalter von 67 Jahren würde dies bedeuten, dass nicht mehr viel gearbeitet werde, folgerte Stauffenberg.
Auch deshalb sei es wichtig, demokratische Strukturen zu erhalten und sich genau darüber zu informieren, wen und welches Programm man wähle, betonte der Enkel des Hitler-Attentäters. „Ohne Demokratie gibt es keine Freiheit“ und „Freiheit braucht Verantwortung“, appellierte er an die Domschüler, ihre Zukunft selbst so zu gestalten, dass ihnen „alle Türen offen“ stehen und sie das Beste aus ihren Leben machen könnten.