Hannover/Varel  Photovoltaik auf Moorflächen stößt auf etliche Hindernisse

Stefan Idel
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Von Stefan Idel
| 17.09.2025 12:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Der Landesverband Erneuerbare Energien (LEE) fordert bessere Bedingungen für Freiflächen-PV im Moor. Foto: Jens Büttner/dpa Foto: Jens Büttner
Der Landesverband Erneuerbare Energien (LEE) fordert bessere Bedingungen für Freiflächen-PV im Moor. Foto: Jens Büttner/dpa Foto: Jens Büttner
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Die Photovoltaik-Anlage auf einem Moorgebiet bei Varel gilt als Vorzeigeprojekt in Niedersachsen. Der Landesverband Erneuerbare Energien (LEE) fordert aber bessere Bedingungen für Freiflächen-PV im Moor.

Sie gelten als Pioniere für den Bereich der erneuerbaren Energien: Die Landwirte Lars Kaper und Andreas Rengstorf haben in Varel (Kreis Friesland) eine Photovoltaik-Anlage (PV) auf einer wiedervernässten Moorfläche von rund 40 Hektar initiiert. Rund 85.000 Solarmodule wurden installiert; Ende des Jahres soll die Anlage ans Netz gehen und Strom für 13.000 Haushalte liefern. Die Landwirte verbinden Klimaschutz mit nachhaltiger Landwirtschaft. Agri-PV-Anlagen auf Moorflächen sind allerdings mit großen Herausforderungen verbunden, so Henrik Wielert vom Landesverband Erneuerbare Energien (LEE). Der Spitzenverband von rund 200 Organisationen stellt etliche Forderungen auf.

Niedersachsen ist das Land mit den meisten Moorflächen in Deutschland. Viele davon werden landwirtschaftlich genutzt – meist als Grünland. Mit dem neuen Klimagesetz hat sich Niedersachsen zum Ziel gesetzt, die jährlichen Treibhausgas-Emissionen aus kohlenstoffreichen Böden bis 2030 um 1,65 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente pro Jahr zu reduzieren. Die Wiedervernässung von Moorböden gilt als eine der effektivsten Maßnahmen des Klimaschutzes. Wenn die Flächen aber aus der landwirtschaftlichen Nutzung fallen, ist das mit hohen Wertschöpfungsverlusten verbunden. Eine Möglichkeit, diesen Zielkonflikt zu entschärfen, ist die Nutzung von Moorflächen zur Energieerzeugung.

Technisch sind PV-Anlagen auf Mooren besonders herausfordernd, denn im Rahmen der Wiedervernässung ändert sich der Bodenkörper. Bauarbeiten sind meist nur in Trockenphasen möglich. Die Tragkonstruktionen müssen Schwingungen ausgleichen. In Varel seien die Wasserabläufe der Fläche verschlossen worden, so Landwirt Kaper. Für die Vernässung werde der Jahresniederschlag genutzt. „Es ist ja nicht so, dass dort auf einmal ein See entsteht.“

LEE-Referent Wielert weist auf die Änderungen bei Flora und Fauna durch die Wiedervernässung hin. Eine biologische Begleitung beim Bau der PV-Anlagen sei daher sinnvoll. Ein weiteres Problem: Wird das PV-Projekt nach der Förderung beendet, müsse die Fläche eigentlich in den Ausgangszustand versetzt werden – also die Fläche abermals entwässert werden.

Für die Anlage in Varel investierten Kaper und seine Partner einen zweistelligen Millionenbetrag. Klar sei: Ein Bau im Moor sei aber deutlich teurer als eine Anlage etwa auf Sandböden. Kaper fordert eine neue Regulatorik, damit die Reduktion der CO2-Emissionen gesondert vergütet werde. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) greife hier zu kurz. Übrigens: Um die Akzeptanz zu erhöhen, wurde die Bürger-Energiegenossenschaft Tangermoorweg gegründet, die sich an einem Teil der Anlage beteiligt.

„Photovoltaik gehört ins Moor, aber unter klaren Bedingungen“, so der LEE. Der Verband fordert eine eigenständige EEG-Förderung für Moor-PV; sie soll auch die hydrologischen Planungskosten abdecken. Es gebe Regelungsbedarf beim Umbruchverbot von Grünland und bei der Wiedervernässung, so Wielert. Wegen der unklaren Lage nach der Pachtphase werde ein „robustes Förder- und Eigentumsmodell“ benötigt, um Investitionen dauerhaft abzusichern. Zudem will der LEE mehr Forschung, um technische und naturschutzrechtliche Fragen zu klären.

Mit den Stimmen von Rot/Grün forderte der Landtag die Landesregierung auf, Planungs- und Genehmigungsverfahren von Agri-PV zu überprüfen und gegebenenfalls bei den Förderprogrammen nachzubessern. Auch die CDU-Opposition im Landtag setzt sich für eine bessere Förderung und Beratungsangebote für Landwirte zur Nutzung von Agri-PV ein.

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