London  Rechter Massenprotest in London: Gewalt, Parolen und Auftritt von Elon Musk

Susanne Ebner
|
Von Susanne Ebner
| 14.09.2025 18:30 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Aktivisten versammeln sich während des von Tommy Robinson angeführten Marsches und der Kundgebung "Unite the Kingdom" im Zentrum Londons. Foto: dpa/Harry Stedman
Aktivisten versammeln sich während des von Tommy Robinson angeführten Marsches und der Kundgebung "Unite the Kingdom" im Zentrum Londons. Foto: dpa/Harry Stedman
Artikel teilen:

Zehntausende folgten dem Aufruf des rechtsextremen Aktivisten Tommy Robinsons zu einem Marsch durch London. Die Auseinandersetzungen mit der Polizei und der Auftritt Elon Musks verdeutlichen die wachsende Polarisierung – auch im Vereinigten Königreich.

Schon bevor der eigentliche Marsch gegen Mittag begann, drängten sich immer mehr Menschen von den Bahnhöfen aus in das Zentrum Londons und formierten sich zu einem lautstarken Protestzug. Die Menge war überwiegend männlich und weiß.

Im Wind flatterten Union-Jack-Flaggen und das englische Georgskreuz. Zwischen Fahnen, Bannern mit christlichen Botschaften und roten MAGA-Trump-Mützen stiegen Rauchschwaden auf. Protestierende hielten Schilder in den Händen, auf denen das Gesicht von Charlie Kirk zu sehen war, jenem politischen Aktivisten und Unterstützer von US-Präsident Donald Trump, der wenige Tage zuvor bei einem Auftritt in Utah erschossen worden war.

Die Kundgebung am Samstag wurde unter dem Motto „Vereint das Königreich“ in den sozialen Netzwerken angekündigt. Doch was genau das Vereinigte Königreich an diesem Tag „einte“, blieb vage. Teilnehmende sagten, sie seien aus Sorge um Frauen und Kinder, wegen einer vermeintlichen Bedrohung durch den Islam oder weil sie die Migration insgesamt als deutlich zu hoch empfanden, in die Hauptstadt gekommen. Sprechchöre richteten sich direkt gegen Premierminister Keir Starmer.

Offen fremdenfeindliche Parolen waren zu hören. Mehrfach skandierten Teilnehmer Sprüche wie „Schickt sie nach Hause“. Später eskalierte die Situation: Flaschen flogen, Böller wurden gezündet, die Polizei wurde attackiert.

In London ist es am Samstag Beobachtern zufolge möglicherweise zur größten Massen-Demonstration der rechtsnationalistischen Szene in der jüngeren Geschichte des Landes gekommen. Laut Schätzungen der Polizei versammelten sich etwa 110.000 Menschen, um in der Hauptstadt gegen Migration und für Meinungsfreiheit zu protestieren. Zu der Aktion aufgerufen hatte der britische Rechtsextremist Tommy Robinson, mit bürgerlichem Namen Stephen Yaxley-Lennon.

Er wurde als Gründer der islamfeindlichen „English Defence League“ bekannt und gilt als Symbolfigur der extremen Rechten. Der 42-Jährige rief schon in der Vergangenheit zu Protesten auf, die nicht selten gewaltsam endeten. Mehrfach saß er wegen verschiedener Delikte im Gefängnis – unter anderem wegen Körperverletzung und Missachtung des Gerichts. Dennoch verfügt er über eine große Reichweite in den sozialen Netzwerken, wo ihn seine Anhänger als Stimme gegen das Establishment feiern.

Für große Aufmerksamkeit sorgte am Samstag die Zuschaltung des US-Techmilliardärs Elon Musk zur Großdemonstration. Auf mehreren Bildschirmen entlang der Regierungsstraße und in den sozialen Medien wurde sein Gespräch mit Tommy Robinson übertragen. Der Tesla-Chef attackierte die britische Regierung scharf und forderte politische Veränderungen bis hin zur Auflösung des Parlaments und Neuwahlen. Mit drastischen Worten erklärte er gegenüber den Massen: „Entweder ihr wehrt euch oder ihr werdet sterben.“

Politische Spitzenvertreter in Großbritannien verurteilten diese Äußerungen scharf. Ein Sprecher der Labour-Partei sagte, Politiker, die an die Demokratie glaubten, sollten sich von diesen „abstoßenden Kommentaren“ distanzieren. Ed Davey, Vorsitzender der Liberaldemokraten, erklärte, Musk „kümmere sich nicht um das britische Volk oder unsere Rechte“.

Die Metropolitan Police zeigte sich vom Ausmaß der Demonstration am Samstag überrascht. Der Marsch sei zu groß gewesen, „um in die Whitehall zu passen“, die Regierungsstraße im Zentrum Londons, hieß es am Samstag. Beim Versuch, die Menge am Verlassen der Strecke zu hindern, sei es zu „inakzeptabler Gewalt“ gekommen.

Nach offiziellen Angaben wurden 26 Polizisten verletzt, vier davon schwer. Innenministerin Shabana Mahmood unterstrich, dass das Recht auf friedliche Demonstrationen in einer Demokratie geschützt werden müsse, verurteilte zugleich aber die Angriffe auf die Polizei und kündigte an, Straftäter würden „mit der ganzen Härte des Gesetzes“ verfolgt. Auch Londons Bürgermeister Sadiq Khan nannte die Gewalt „völlig inakzeptabel“.

Die Proteste fallen in eine Phase, in der sich die britische Politik nach rechts verschiebt. Umfragen sehen die Partei Reform UK unter dem einstigen Brexit-Treiber Nigel Farage bei rund 30 Prozent Zustimmung, während die Labour-Regierung derzeit nur noch auf etwa 20 kommt. Gleichzeitig bemühte sich Farage jedoch, Distanz zu Robinson zu wahren: Offiziell erklärte Reform UK, man habe mit dem Marsch nichts zu tun.

Anders positioniert sich die neu gegründete Partei Advance UK, ins Leben gerufen vom früheren Reform-Politiker Ben Habib. Robinson soll sich ihr bereits angeschlossen haben. Auch Musk wird mit Advance UK in Verbindung gebracht, er unterstützt die Partei öffentlich auf X, früher Twitter.

Ähnliche Artikel