Nachruf Helene Palm leistete Pionierarbeit als Frauenbeauftragte
Die Moormerländerin war die erste, die sich hauptamtlich im Rathaus um Frauenbelange kümmerte. Damals war das eine Ausnahme. Nun ist Helene Palm gestorben.
Moormerland - Besonders Frauen in der Gemeinde Moormerland werden sich noch an Helene Palm erinnern: 1994 war sie eine der ersten hauptamtlichen Frauenbeauftragten in Ostfriesland. Diese Stellen waren vom Land Niedersachsen eingerichtet worden, um den Belangen von Frauen einen höheren Stellenwert zu geben. Die Moormerländerin zögerte nicht lange und bewarb sich um das Amt. Sie hat in ihrer Amtszeit die Frauenarbeit der Gemeinde geprägt.
Doch ihre Tätigkeit wirkte lange nach, unter anderem dank eines Netzwerkes, das sie für Frauen in der Gemeinde gegründet hatte. Inzwischen trägt das Amt die Bezeichnung Gleichstellungsbeauftragte. Ihr zweiter Mann Heinz Palm war von 1999 bis 2005 Bürgermeister von Moormerland, danach gingen beide in den Ruhestand. Das Ehepaar war danach in die Stadt Leer umgezogen, nun ist Helene Palm im Alter von 76 Jahren gestorben.
Arbeit in einer Männerdomäne
Schon immer habe sie sich für Frauenpolitik interessiert, sagte sie vor einigen Jahren in einem Interview. Deshalb habe sie sich um die Stelle als Frauenbeauftragte beworben: „Das ist meine Chance, das will ich machen, da kann ich etwas bewegen.“ Da hatte sie schon mehrere berufliche Stationen hinter sich. Nach der Handelsschule machte sie eine zweijährige Ausbildung in der Berlitz-Sprachenschule in Oldenburg, von da aus ging es weiter in eine Männerdomäne.
Denn statt nach England zu gehen, wie es ihr Wunsch war, arbeitete Helene Buß, so ihr Mädchenname, in einer Schiffswerft und Maschinenfabrik in Leer. Eigentlich wollte sie dort das Geld für den Englandaufenthalt verdienen, doch 1972 heiratete sie und blieb in Ostfriesland. Aus dieser ersten Ehe gingen zwei Kinder hervor. Dank der Unterstützung ihrer Eltern konnte sie halbtags weiter berufstätig sein, zunächst beim Wasserversorgungsverband, dann bei der Gemeinde Moormerland.
Großmutter war ein Vorbild
In einem Gespräch mit dieser Zeitung sagte sei 2021, dass ihre Großmutter ihr Vorbild gewesen sei, obwohl sie ihr selbst nie begegnet sei. Auch sie hieß Helene Buss und war als Hebamme in Moormerland gut bekannt. Nach dem frühen Tod ihres Ehemannes machte sie mit 27 Jahren die Ausbildung und konnte selbst für sich und ihre Kinder sorgen – keine Selbstverständlichkeit im frühen 20. Jahrhundert.
So wie auch die Arbeit einer Frauenbauftragten in den 1990er Jahren keine Selbstverständlichkeit war. In vielen ostfriesischen Gemeinden herrschte in den Gemeinderäten, die vorwiegend aus Männern bestanden, die Auffassung, für Frauen werde doch eine Menge gemacht und eine eigene Stelle dafür sei nicht notwendig. Die ersten Amtsträgerinnen mussten sich beweisen. Helene Palm war dabei erfolgreich und so eine Art Pionierin der Frauenarbeit in Moormerland.