E-Autos in der Krise Was wird aus VW Emden, wenn das Verbrenner-Aus kippt?
Eigentlich sollten in zehn Jahren keine Benziner und Diesel-Autos mehr neu zugelassen werden. Doch das Verbrenner-Aus wird wohl verschoben. Was bedeutet das für VW Emden?
Hannover/Emden - Der VW-Standort Emden hat sein Wohl und Wehe komplett der E-Mobilität verschrieben. Dazu gehörte bislang auch die politische Zusicherung, ab dem Jahr 2035 keine neuen Verbrenner mehr zuzulassen. Nun steht dieses Verbrenner-Verbot allerdings auf der Kippe. Am Wochenende hatte sich sogar Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) gegen das Verbrenner-Verbot ausgesprochen.
Das ist innerhalb der SPD allerdings umstritten. „Eine Aufweichung des Umstiegsziels auf Elektromobilität würde die Planungssicherheit für unser VW-Werk in Emden gefährden, die getätigten Investitionen schwächen und vor allem die Sicherheit der Arbeitsplätze massiv infrage stellen“, meinte etwa Matthias Arends (Emden), Landtagsabgeordneter der SPD, auf Nachfrage unserer Redaktion. Das Werk sei konsequent auf Elektromobilität ausgerichtet – ein politischer Rückschritt würde unnötige Unsicherheit schaffen. „Wir brauchen jetzt klare Leitplanken und Verlässlichkeit, damit Emden als Vorreiter und Marktführer der Elektromobilität weiter wachsen kann, um so die zukunftsfähigen Arbeitsplätze in der Region zu erhalten“, so Arends weiter.
Ein Plädoyer für Hybrid-Autos aus Emden
Ganz anders argumentiert die CDU. „Die Kehrtwende von Ministerpräsident Lies zum Verbrenner-Aus begrüße ich“, so Ulf Thiele (Filsum), stellvertretender Vorsitzender der CDU-Fraktion im Landtag. Noch vor einem Monat habe Lies die Forderung nach einem Stopp der EU-Vorgabe, ab 2035 keine Pkw mehr zuzulassen, die mit fossilem Diesel oder Benzin betankt werden, als Panikmache bezeichnet. Jetzt halte auch Lies, wie CDU und CSU, diese Vorgabe für unrealistisch. „Aus gutem Grund“, meinte Thiele. Denn die Strafzahlungen, wenn die Schritte bis dahin und das Verbot nicht eingehalten würden, würden Volkswagen und den meisten europäischen Autobauer finanziell schwer Schaden. „Und dieser Schaden für den VW-Konzern würde auch Emden treffen“, so Thiele. Denn die Fähigkeit des Konzerns, in neue Technologien zu investieren, weltweit konkurrenzfähige Autos zu entwickeln und gegen die Konkurrenten aus Asien Stand zu halten, würde erheblich beschädigt.
„Ich bin mir sicher, dass die Entscheidung zur Produktion von Elektrofahrzeugen am Standort Emden unumkehrbar ist“, so Thiele weiter. Da der Marktanteil der E-Fahrzeuge unabhängig vom Verbrenner-Aus weiter steigen werde, sei der Standort damit auch gut aufgestellt. Der CDU-Politiker: „Gut wäre es allerdings, wenn auf der stillgelegten Produktionslinie des Passat ein zusätzliches hybrides Modell, beispielsweise ein Range Extender, gebaut werden würde. Das würde den Standort deutlich stärken und den Verlust an Arbeitsplätzen durch die Produktion von E-Autos statt Verbrennern abfedern.“
Der Schwenk des Ministerpräsidenten
Niedersachsens Ministerpräsident Lies hatte zuvor ein Ende des geplanten Verbrenner-Verbots ab 2035 gefordert. Das Ziel, ab diesem Zeitpunkt nur noch reine Elektroautos zuzulassen, sei „leider unrealistisch“, heißt es in einem Papier des Regierungschefs, über das das Magazin „Politico“ zuerst berichtete. Verbrenner – insbesondere Plug-in-Hybride und Fahrzeuge mit sogenanntem Range Extender – müssten auch nach 2035 zugelassen werden können.
Das Dokument mit dem Titel „Zukunftspakt Mobilität 2035 – mit neuem Realitätssinn zur klimaneutralen Mobilität“ sieht vor, dass Autos mit synthetischen und biogenen Kraftstoffen auch über 2035 hinaus neu zugelassen werden dürfen. Diese Kraftstoffe sollten dem üblichen Treibstoff zunehmend beigemischt werden.
Gewerkschaft und Autoindustrie Seite an Seite
In der Krise der Autoindustrie hatten IG Metall und der Branchenverband VDA bereits in der vergangenen Woche eine Offensive der Politik und weniger Regulierung in Europa gefordert. Die E-Mobilität bleibe zwar der zentrale und richtige Weg, um die Wettbewerbsfähigkeit und die Beschäftigung der deutschen Automobilindustrie und ihrer Standorte in der Zukunft zu sichern, heißt es in einem gemeinsamen Schreiben. Doch für einen schnellen Hochlauf der E-Mobilität seien die Rahmenbedingungen ungenügend, kritisierten IG Metall und VDA. „Die Politik muss endlich die Rahmenbedingungen für die Elektromobilität in ganz Europa schnell und umfassend verbessern“, forderten sie. „Sie muss die CO2-Regulierungen flexibilisieren.“
Gewerkschaft und Autoverband verwiesen auf die Krise der Autobranche, die unter einer Absatzflaute, Konkurrenz in China und hohen US-Zöllen leide. „Aktuell gehen jeden Monat in Deutschland Arbeitsplätze in der Automobilindustrie verloren, von Juni 2024 bis Juni 2025 waren es über 50.000.“ Nötig seien ein pragmatischer Umgang mit Hybridtechnologien und erneuerbaren Kraftstoffen, hieß es. So könnten europaweit bis zu 200.000 Jobs gesichert werden. Konkret fordern IG Metall und VDA unter anderem Steueranreize zum Kauf von E-Autos, einen schnelleren Ausbau der Ladeinfrastruktur und billigeren Ladestrom.
Mit Material von dpa