Osnabrück Umweltzonen abschaffen? Lasst sie doch einfach bestehen
Umweltzonen haben kaum noch die Wirkung, für die sie einst eingerichtet wurden. Immer mehr Kommunen schaffen sie daher wieder ab – etwas voreilig.
Es ist vermutlich das Verkehrszeichen, das Autofahrer am wenigsten kümmert: der Hinweis auf eine Umweltzone. Die Weiterfahrt ist nur mit grüner Plakette an der Windschutzscheibe erlaubt, aber es lohnt sich nicht einmal mehr, auch nur mit den Achseln zu zucken, während man am Schild vorbeirauscht: Es ist ja so gut wie niemand mehr betroffen. Fahrzeuge ohne diese Plakette gibt es kaum noch, und für die meisten gelten Ausnahmeregelungen.
Also weg damit, fordert mancher; und viele Kommunen schaffen die Umweltzonen tatsächlich wieder ab. Nicht, weil sie zu bürokratisch seien, wie Kritiker seit den Anfangstagen immer wieder wutschnaubten. Sondern weil sie ihren Zweck erfüllt haben. Die Luft in den Städten ist sauberer als vor 20 Jahren. Dass Autos, die Hauptverursacher von Feinstaub und Stickoxiden in Städten, heute weniger Schadstoffe emittieren, liegt nicht nur, aber eben ein bisschen auch an den Umweltzonen.
Sicher: Perfekt war dieses Instrument dennoch nicht. Zum einen, weil die Aussagekraft von Schadstoffmessungen stark vom Standort der Messstellen abhängt. Zum anderen, weil es, da jede Kommune anders vorgegangen ist, immer auch etwas Willkürliches an sich hatte. Manche Städte stellen eigene Vorgaben für Diesel auf. Die erste Umweltzone in Dortmund betraf einen gerade mal 300 Meter langen Straßenabschnitt, die in Berlin von Anfang an große Teile des Stadtgebiets. Und niemand glaubt ernsthaft, dass die Luft in Hamburg sauberer wäre als in Remseck am Neckar – aber die 26.000-Einwohner-Stadt hat eine Umweltzone, die Millionenmetropole nicht.
Insofern mag man das Konzept der Umweltzone in der derzeitigen Form durchaus infrage stellen. Nur ist die Luftbelastung in den Städten zwar geringer geworden, aber nicht verschwunden. Und über kurz oder lang werden die Grenzwerte für Schadstoffe verschärft werden – und dann müssen die Kommunen wieder handeln. Vielleicht mit Umweltzonen 2.0.
Bis dahin kann man die Schilder auch einfach stehen lassen. So viel Aufwand verursachen die Umweltzonen nun auch wieder nicht, das Autofahrerleben würde wie gewohnt weitergehen, und die paar Euro für die Plakette tun niemandem weh. Es wäre allemal besser, als sich in ein paar Jahren das Wutgeheul über „neu erfundene Bürokratie“, das die Umweltzonen schon damals begleitet hat, erneut anhören zu müssen.