Renke de Buhr im Portrait  Darum bekommt ein Remelser Modehaus Einfluss aus Berlin

Lars Löschen
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Von Lars Löschen
| 14.09.2025 08:04 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Renke de Buhr ist seit Kurzem Teil der Leitung vom Modehaus de Buhr in Remels. Foto: Lars Löschen
Renke de Buhr ist seit Kurzem Teil der Leitung vom Modehaus de Buhr in Remels. Foto: Lars Löschen
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Renke de Buhr leitet das Modehaus seiner Eltern in Remels seit Kurzem mit. Eigentlich wollte er nie in die Branche einsteigen. Doch jetzt bringt er die Modetrends von Berlin nach Remels.

Remels - Eigentlich wollte Renke de Buhr nie in die Modebranche einsteigen. „Ich war schon immer fasziniert von der Selbstständigkeit, aber habe das nie mit dem Modehaus meiner Eltern in Verbindung gebracht“, sagt er im Gespräch mit dieser Redaktion. Und doch sitzt er nun hier mit einem Strahlen auf den Lippen. Er ist seit Kurzem Teil der Leitung des Modehauses de Buhr in Remels.

Etwa 1700 Quadratmeter Verkaufsfläche hat das Modehaus de Buhr in Remels. Foto: Lars Löschen
Etwa 1700 Quadratmeter Verkaufsfläche hat das Modehaus de Buhr in Remels. Foto: Lars Löschen

Der neue Juniorchef ist in Siebestock – einem kleinen Ortsteil in der Gemeinde Holtland – aufgewachsen. Dort lebt die Familie noch bis heute. „Ein 80-Seelen-Dorf“, sagt de Buhr. Hier war auch der Ursprung des Betriebs. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg gründeten seine Großeltern das Unternehmen. „Meine Oma hat die Teile genäht und mein Opa ist auf dem Rad von Haus zu Haus gefahren und hat die Teile an den Mann gebracht“, so der 27-Jährige. 1955 zog der Standort nach Remels. Mit Renke de Buhr geht es in die dritte Generation.

Traumjob Pilot und das Mode-Studium in Berlin und Paris

Als Renke de Buhr klein war, wollte er lange Zeit Pilot werden. Passend dazu hatte sein Cousin den Berufswunsch Fluglotse. Es kam anders. De Buhr ging zur Grundschule Holtland, dann auf das Ubbo-Emmius-Gymnasium in Leer. Mit 20 Jahren und dem Abitur in der Tasche ging es im Oktober 2017 zum Studieren nach Berlin. Sein Studiengang: „Modemanagement – nicht zu verwechseln mit Modedesign“, betont er. Sein Studiengang konzentriert sich vor allem auf die betriebswirtschaftlichen Aspekte und das Marketing in der Modebranche. Dreieinhalb Jahre später hatte er den Bachelor bestanden und zwei weitere Jahre später den Master. Im September 2023 war de Buhr durch mit dem Studium. Zwischendrin habe er auch immer wieder im Modehaus seiner Eltern ausgeholfen. Übrigens: „Mein Cousin ist dafür Pilot geworden“, sagt er und lacht.

Renke de Buhr hat einen Master im Modemanagement. Foto: Lars Löschen
Renke de Buhr hat einen Master im Modemanagement. Foto: Lars Löschen

Während des Masters studierte er nicht nur in Berlin, sondern auch in der französischen Hauptstadt Paris. Renke de Buhr erhielt dort laut eigener Aussage einzigartige Einblicke in die Modebranche. „Das ist nun mal die Modehauptstadt der Welt mit den größten Modehäusern“, sagt er. Dort habe er sich einiges besonders in den kleineren Boutiquen abschauen können, was sich auch in Remels anwenden lassen könnte. „Ich bin nicht der Chef vom Dienst. Ich bringe bloß Ideen mit ein“, sagt er von sich.

Neue Ideen für Modehaus in Remels

Das Modehaus de Buhr hat rund 30 Mitarbeiter und eine Verkaufsfläche von etwa 1700 Quadratmetern. „Ich sehe mich eher im Backoffice“, sagt de Buhr. Dazu gehört Planung, Marketing und das Bestellen neuer Ware – das müsse jetzt schon für das nächste Jahr gemacht werden. Daneben hat der Juniorchef auch die Anordnung der Regale im Blick. „Alle zwei Wochen dreht sich der Laden.“ Im Juni erst machte er Platz für eine neue Kaffee-Ecke. Das solle die Aufenthaltsqualität der Kunden steigern, sagt er und zieht bisher ein positives Fazit. In vielen nobleren Geschäften sei so eine Kaffee-Ecke bereits Standard.

Renke de Buhr sitzt in der neuen Kaffee-Ecke im Laden. Foto: Lars Löschen
Renke de Buhr sitzt in der neuen Kaffee-Ecke im Laden. Foto: Lars Löschen

Fast ausschließlich auf diese Weise könnten sich familiengeführte Einzelhandelsunternehmen noch von der Online-Konkurrenz abgrenzen, sagt Jörg Thoma. Er ist Hauptgeschäftsführer vom Einzelhandelsverband Ostfriesland. Mit den Internetpreisen könne man nicht mithalten. „Aber die Wohlfühlatmosphäre und die Kundenberatung kann kein Online-Shop nachmachen“, sagt er. Besonders Betriebe auf dem Land hätten zudem einen Vorteil gegenüber der Stadt: Kurze Wege und Parkplätze direkt vor der Tür. Zwar fehle im Gegensatz zu Läden in der Stadt die Laufkundschaft, dafür könne man sich aber sicher sein: Wenn ein Kunde kommt, dann kauft er auch, so Thoma.

Doppelleben zwischen Land und Großstadt

In Zukunft möchte Renke de Buhr seinen Laden auch als Veranstaltungsfläche nutzbar machen. Der 27-Jährige spricht von Comedy-Abenden und Lesungen im Modehaus. Jede Idee werde abends mit „Mama und Papa“ am Essenstisch besprochen. Bald soll Sohn Renke auch offiziell Geschäftsführer des Modehauses werden.

Der Arbeitstag von de Buhr beginnt meist einige Zeit vor Öffnung des Ladens. Doch der 27-Jährige führt ein Doppelleben. An festen Tagen – meist von montags bis mittwochs – ist er in Remels. Den Rest der Woche geht es mit der Bahn von Augustfehn nach Berlin, wo viele seiner Freunde sind. Gleichzeitig nutzt er die Zeit in der Hauptstadt, um neue Inspirationen zu sammeln. „Ich lebe eigentlich das Beste aus beiden Welten“, sagt er.

Jörg Thoma erzählt im Gespräch, dass der Einzelhandel auf dem Land von den Trends aus den Großstädten profitieren kann. Gerade die jüngere Generation bringe vielfältige Ideen mit. „Das erfrischt die Region“, sagt der Hauptgeschäftsführer.

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