Übernachten an Bord Marineschiff als schwimmende Ferienwohnung in Weener
Früher wurden mit dem Schiff Übungstorpedos geborgen, heute nutzt die Familie Albrecht aus Heilbronn das Marineschiff TF-5 als schwimmende Ferienwohnung – nicht nur für eigene Zwecke.
Weener - Ob Touristen, Tagesgäste oder Wohnmobilfahrer – der alte Hafen von Weener ist ein Publikumsmagnet. Das liegt nicht nur an den historischen Gebäuden, sondern vor allem an den Traditionsschiffen. Auch Markus und Gabriela Albrecht aus Heilbronn haben mit ihren Söhnen Richard (9) und Mattias (18) im Hafen festgemacht. Das ehemalige Torpedofangboot TF-5 der Bundesmarine ist ihr schwimmendes Feriendomizil.
Der neunjährige Richard steht hinter dem Steuerrad und strahlt. „Hier fühle ich mich wie ein Abenteurer“, sagt der Neunjährige. Von 2010 bis 2024 lag das Schiff im Leeraner Hafen. Wegen der hohen Liegegebühren hat die Familie Leer jedoch den Rücken gekehrt. „In Weener hat man uns mit offenen Armen empfangen“, sagt „Kapitän“ Markus Albrecht.
Marineschiff mit Geschichte
Die Albrechts sind eigentlich am Neckar zu Hause. Das sei auch ein Grund für die Begeisterung fürs Wasser und für Schiffe. „Wir haben zu Hause ein Pionierboot und ein Amphibienfahrzeug, haben aber immer nach etwas Seetauglichem Ausschau gehalten.“ Als die Bundesmarine das Torpedofangboot 2008 außer Dienst stellte und zum Kauf anbot, nutzte Markus Albrecht die Gelegenheit. Mit dem Kauf rettete er das Schiff vor der Verschrottung und erfüllte sich einen langgehegten Wunsch. „Das ist ein technisches Denkmal. Es ist das letzte voll funktionsfähige und original erhaltene Hilfsschiff der Bundesmarine“, erzählt er voller Begeisterung.
Insgesamt seien in den 1960er Jahren neun dieser 25 Meter langen Boote gebaut worden. Was viele nicht vermuten würden: Der Schiffskörper ist aus Mahagoniholz gefertigt. Die Hauptaufgabe war das Bergen von Übungstorpedos mit einer Winde. Zur Ortung besaßen die Boote neben einer Unterwasser-Horchanlage auch ein Unterwasser-Telefon. Damit konnten sich die Bergungstaucher mit der Schiffsbesatzung verständigen. Dafür gibt es an Bord heute keine Verwendung mehr. Wo einst diese Anlagen standen, wurde eine Dusche eingerichtet. Ansonsten legt Markus Albrecht aber großen Wert darauf, alles originalgetreu zu erhalten. „Instrumente, Ausstattung und Farbe – 95 Prozent sind original.“ Das gilt auch für die Innenausstattung.
Platz für sechs Personen
Markus Albrecht steigt in den Schiffsrumpf herunter. „Barrierefrei ist das Schiff nicht“, sagt er. Familienhund Eragon muss oben bleiben. Die Stufen sind zu steil und gleichen eher einer Leiter als einer Treppe. Unten ist es klein, aber gemütlich. Schränke und Kojen sind aus Holz. In der Mitte stehen ein Tisch und ein paar Stühle. „Hier wird gegessen, gespielt oder gelesen. Einen Fernseher haben wir hier nicht“, erzählt er. Ein kleines Bad mit WC und Dusche und eine Kombüse finden dort auch noch Platz.
Der Urlaub auf dem Schiff ist für Richards älteren Bruder Mattias immer etwas Besonderes. „Ich bin mit dem Boot aufgewachsen und habe viele schöne Momente auf dem Wasser erlebt“, erzählt der 18-Jährige. Mit Schiffermütze und Matrosenhemd ist er sogar auf einem Flyer des Stadtführervereins Leer abgebildet. „Das ist schon ein paar Jahre her“, sagt er lachend. Heute bereitet er sich gerade auf den Bootsführerschein vor. „Mit der Theorie bin ich schon fertig. Jetzt kommt die Praxis.“ Zupackende Hände kann sein Vater Markus gut gebrauchen. „Alleine kann man das Schiff nicht händeln. Da braucht man schon zwei Mann, im Idealfall sogar drei, besonders fürs Manövrieren und Festmachen.“ Wichtigster Mann ist dabei Siegfried Eden. Der Westoverledinger und Markus Albrecht betreiben das Schiff zusammen. „Er ist vor Ort, macht die Kontrollgänge und fährt auch immer mit, wenn wir mit dem Schiff unterwegs sind“, erzählt Albrecht, „ohne ihn wäre das Projekt nicht zu stemmen.“
Schwimmende Ferienwohnung für Urlauber
Besonders freut sich die Familie im Urlaub auf Ausflüge mit dem TF-5. „Wir fahren einmal im Jahr nach Borkum“, erzählt Gabriela Albrecht. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 19 Knoten, das entspricht etwa 34 Stundenkilometern. Dreimal waren sie mit dem Schiff auch schon bei den Emder Matjes-Tagen.
In Weener gab es auch schon kritische Stimmen. Ein Kriegsschiff passe nicht in den historischen Hafen, hieß es. „Es ist ein Marineschiff. Die graue Farbe gefällt nicht allen. Aber man kann den Anstrich nicht einfach ändern, wenn man es mit der Tradition ernst nimmt“, gibt der Eigentümer des Schiffes zu bedenken. Er findet es positiv, wenn im Hafen eine große Bandbreite von Seglern, Plattbodenschiffen, Fracht- und Arbeitsschiffen und eben auch ein Marineschiff zu sehen ist. Zum Glück überwiege aber die positive Resonanz.
„Unser Schiff macht die Leute neugierig“, freut sich Markus Albrecht. Er führt Besucher auch gerne herum und erklärt ihnen die Details. Interessierte können sogar auf dem Schiff übernachten. Wenn die Familie nicht selbst gerade Urlaub in Ostfriesland macht, vermietet sie das Schiff in der Saison als schwimmende Ferienwohnung an Gäste.