Krummhörn und Hinte  Viel Wind, wenig Fläche, große Pläne

Lotta Groenendaal
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Von Lotta Groenendaal
| 09.09.2025 17:43 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
In der Krummhörn, hier bei Pilsum, stehen insgesamt rund 130 Windkraftanlagen. Foto: Heinz Wagenaar/Archiv
In der Krummhörn, hier bei Pilsum, stehen insgesamt rund 130 Windkraftanlagen. Foto: Heinz Wagenaar/Archiv
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In den Gemeinden Hinte und Krummhörn werden zahlreiche Projekte für erneuerbare Energien geplant und umgesetzt. Was gibt es bereits und was ist noch geplant?

Krummhörn/Hinte - Das Land Niedersachsen gilt beim Thema erneuerbare Energien als Vorreiter in Deutschland. Ein Großteil der grünen Energie stammt von hier. Wir haben einen Überblick darüber erstellt, welche Projekte zur Förderung von erneuerbarer Energie in Hinte und der Krummhörn aktuell laufen oder sich in Planung befinden.

Wie sieht es mit Solarenergie in den Gemeinden aus?

  • Hinte

In der Gemeinde Hinte gibt es bisher einen größeren Solarpark, also sogenannte Freiflächen-Photovoltaik. Dieser Park steht direkt hinter dem Hinteraner Gewerbegebiet. Zwischenzeitlich war einmal im Gespräch, einen weiteren Solarpark auf der landwirtschaftlich genutzten Fläche an den Bahngleisen westlich von Suurhusen zu errichten. Diese Pläne wurden allerdings verworfen, weil die Flächen zu wichtig für die Landwirtschaft sind.

In Hinte befindet sich bereits ein Solarpark am Gewerbegebiet. Ein weiterer ist bei Westerhusen in Planung. Foto: Heinz Wagenaar/Archiv
In Hinte befindet sich bereits ein Solarpark am Gewerbegebiet. Ein weiterer ist bei Westerhusen in Planung. Foto: Heinz Wagenaar/Archiv

Aktuell laufen Planungen für ein kombiniertes Gewerbegebiet samt Freiflächen-Photovoltaik bei Westerhusen. Im kommenden Sommer könnte es schon losgehen mit den Bauarbeiten – dann soll neben einem etwa acht Hektar großen Gewerbegebiet nahe der Autobahnausfahrt Pewsum auch ein angrenzender Solarpark mit einer Größe von etwa 25 Hektar entstehen.

  • Krummhörn

Freiflächen-Photovoltaikanlagen spielen in der Gemeinde Krummhörn aktuell keine Rolle. Die Gemeinde hatte eine Potenzialstudie in Auftrag gegeben, die für Solarparks geeignete Flächen auf dem Gemeindegebiet ermitteln sollte. Bei der Vorstellung der Ergebnisse im vergangenen Jahr wurde schnell klar, dass die Krummhörn kaum bis gar nicht über solche potenziellen Flächen für Freiflächen-Photovoltaik verfügt. Zum einen gibt es in der Krummhörn viele Vogel- und Naturschutzgebiete, die das Aufstellen von Solaranlagen verhindern.

Aber auch der fruchtbare und damit für die Landwirtschaft sehr kostbare Boden steht dem Bau von Solarparks entgegen. Diese sollen der Nahrungsmittelproduktion vorbehalten sein, das sieht auch der Gesetzgeber so. Lediglich eine kleine Fläche bei Rysum, an der Grenze zu Emden, käme eventuell in Betracht: Dort ist der Boden zwar immer noch fruchtbar, aber nicht ganz so wertvoll wie in umliegenden Gebieten. Allerdings ist die Fläche von einem Vogelschutzgebiet umgeben, die Umsetzung eines Solarparks also eher unwahrscheinlich. Das sieht die Gemeinde ähnlich, ein Solarpark ist dort also vorerst nicht in der Planung.

Sowohl in Hinte als auch in der Krummhörn gibt es daneben auch leistungsstarke PV-Anlagen auf den Dächern von Gebäuden, zum Beispiel auf den Dächern von Schulen.

Wie sieht es mit der Windkraft aus?

  • Hinte

In Hinte stehen vor allem zwischen den Ortschaften Groß Midlum und Westerhusen einige Windkraftanlagen. Die sorgen aktuell für Diskussionen bei Anwohnern, denn sieben von ihnen sollen repowert werden. Das heißt im Klartext, dass die mittlerweile in die Jahre gekommenen Anlagen durch höhere, leistungsstärkere ersetzt werden. Außerdem sind mehr Anlagen geplant. So sieht es das im Jahr 2024 verabschiedete Bundes-Immissionsschutzgesetz vor. Eigentlich hatte die Kommune festgelegt, dass neue Windkraftanlagen mit viel größeren Abständen zu Wohnhäusern gebaut werden müssen, als es das neue Gesetz vorsieht. Auch sollten nur vier der Anlagen durch neue Windräder ersetzt werden. Mit dem neuen Gesetz ist diese kommunale Regelung allerdings hinfällig.

In der Gemeinde Hinte stehen einige Windräder. Sie sind umstritten. Foto: Heinz Wagenaar/Archiv
In der Gemeinde Hinte stehen einige Windräder. Sie sind umstritten. Foto: Heinz Wagenaar/Archiv

  • Krummhörn

In der Flächengemeinde Krummhörn stehen bereits circa 130 Windkraftanlagen, einige sollen aber noch dazukommen. Entsprechende Änderungen des Flächennutzungsplans der Krummhörn hat der Gemeinderat im Mai dieses Jahres beschlossen. Auf zwei Flächen mit einer Gesamtgröße von knapp 240 Hektar zwischen Uttum und Freepsum könnten demnach noch zwölf weitere Anlagen errichtet werden. Kritik kommt aus Sielmönken: Der Ort wird bereits von zwei Seiten auf Hinteraner Gemeindegebiet von Windkraftanlagen umgeben. Die Sorge vor einer weiteren Belastung der Bevölkerung ist groß.

Bereits im Dezember 2024 hatte der Gemeinderat eine Grundsatzentscheidung getroffen, mit der die Gemeinde ein „weiteres starkes Zeichen für den Klimaschutz setzen“ will. Ziel ist es, bestehende Sondergebiete zukunftsfähig zu machen und zusätzliche Flächen für Windenergie auszuweisen. Um eine Überlastung der Bevölkerung zu vermeiden, sollen neue Flächen vor allem dort ausgewiesen werden, wo bereits eine Vorbelastung durch Windkraft besteht. Heißt auch hier, man will vor allem auf das Repowering bereits stehender Windkraftanlagen setzen. Etwa 70 Anlagen kommen dafür infrage, durch höhere und leistungsstärkere Modelle ersetzt zu werden. Wo früher nur eine Anlage stand, können im näheren, bereits vorbelasteten Umkreis auch gleich mehrere neue Anlagen gebaut werden.

Rund 240 Hektar nördlich von Freepsum wurden im Mai 2025 vom Krummhörner Gemeinderat als potenzielle Flächen für Windkraft ausgewiesen. Grafik: Menninga
Rund 240 Hektar nördlich von Freepsum wurden im Mai 2025 vom Krummhörner Gemeinderat als potenzielle Flächen für Windkraft ausgewiesen. Grafik: Menninga

Bei der Planung der neuen Flächen haben sich Gutachter und Politiker an sogenannten weichen (freiwilligen) und harten (gesetzlichen) Kriterien orientiert, etwa bei den Abständen zu Wohngebieten oder Vogelschutzgebieten. Der Gemeinderat hat sich darauf verständigt, bei einigen Punkten freiwillig strengere Vorgaben einzuhalten. So soll der Abstand von Windkraftanlagen zu bebauten Gebieten mindestens 750 Meter betragen – das Gesetz sieht lediglich 400 Meter vor.

Welche Rolle spielt Wasserstoff in den beiden Gemeinden?

  • Hinte

In Hinte sind dieser Redaktion aktuell noch keine Projekte zum Thema Wasserstoff als Energieträger bekannt. Es ist aber durchaus möglich, dass die Ansiedlung von Wasserstoff in der Gemeinde noch zum Thema wird. Wie Bürgermeister Uwe Redenius (parteilos) Anfang des Jahres gegenüber dieser Redaktion verriet, ist es durchaus vorstellbar, dass in dem neuen Gewerbegebiet bei Westerhusen auch Wasserstoff angesiedelt wird.

  • Krummhörn

In der Krummhörn spielt Wasserstoff schon länger eine Rolle: Mit der Vorstellung einer Wasserstoff-Pilotanlage in Upleward im Sommer 2024 hat der Energiekonzern Uniper einen wichtigen Schritt in Richtung nachhaltiger Energiezukunft getan. Im Mittelpunkt des Projekts steht ein unterirdischer Testspeicher für Wasserstoff, der sich in einer Tiefe von gut 1700 Metern befindet. Der Speicher misst etwa 30 mal 16 Meter und verfügt über ein Volumen von 3000 Kubikmetern.

Der Uniper-Konzern betreibt in Upleward einen unterirdischen Testspeicher für Wasserstoff. Foto: Heinz Wagenaar/Archiv
Der Uniper-Konzern betreibt in Upleward einen unterirdischen Testspeicher für Wasserstoff. Foto: Heinz Wagenaar/Archiv

Das langfristige Ziel von Uniper ist ambitioniert: In der Krummhörn sollen künftig bis zu zehn große, kommerzielle Wasserstoffkavernen betrieben werden. Der eng getaktete Zeitplan sieht vor, dass bereits 2027 mit dem Bau der ersten kommerziellen Speicheranlage begonnen wird. Die Inbetriebnahme ist für 2030 geplant. Die geplante Speicherkapazität in der Krummhörn ist beachtlich. Bis zu 250 Gigawattstunden Wasserstoff könnten hier künftig gespeichert werden. Zum Vergleich: Ein Vier-Personen-Haushalt benötigt im Jahr durchschnittlich 0,004 Gigawattstunden Energie. Mit der geplanten Kapazität könnten somit rechnerisch 62.500 Haushalte ein Jahr lang mit Energie versorgt werden.

Der Wasserstoffspeicher in Upleward gilt als Pilot-Projekt. Foto: Klaus Ortgies/Archiv
Der Wasserstoffspeicher in Upleward gilt als Pilot-Projekt. Foto: Klaus Ortgies/Archiv

Auch andere Unternehmen engagieren sich in der Region für die Wasserstoffwirtschaft. Open Grid Europe (OGE) betreibt in direkter Nachbarschaft in Upleward eine Betriebsstelle zur Kurzspeicherung und Weiterverwendung von grünem Wasserstoff, die ebenfalls an das Leitungsnetz angeschlossen werden soll. Mit diesen Projekten könnte sich die Krummhörn langfristig zu einem zentralen Standort für die Wasserstoffspeicherung und -nutzung in Deutschland entwickeln.

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