Junge Erwachsene berichtet  Wie lebt es sich als queere Auricherin?

Eva van Loh
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Von Eva van Loh
| 09.09.2025 18:07 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Nele (20) ist queere Ostfriesin. Foto: Eva van Loh
Nele (20) ist queere Ostfriesin. Foto: Eva van Loh
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Nele ist 20 Jahre alt, queer und lebt in Aurich. Wie sie gerade auf die Welt blickt und wieso der Auricher CSD ihr so wichtig ist.

Aurich - Wie ist das eigentlich, queer zu sein – und das in einer ländlichen Gegend wie Ostfriesland? Nele weiß darüber bestens Bescheid. Sie ist Teil der Jugendgruppe Baumhaus, die im Auricher Familienzentrum einen Raum für queere Jugendliche zwischen 14 und 24 Jahren bietet. „Die allermeisten meiner Freunde sind auch queer“, sagt die 20-Jährige.

Der Begriff „queer“ ist ein Überbegriff für Menschen, die Teil der LGBTQ-Community sind. Dazu zählen zum Beispiel schwule, lesbische und bisexuelle Menschen, sowie Transpersonen.

Auf dem Christopher Street Day in Leer vor einigen Jahren ist Nele auf den Infostand einer Jugendgruppe gestoßen. „Ich hab dann recherchiert, was es so für ähnliche Angebote in meiner Nähe gibt“, sagt sie. „Dann bin ich mit meinem Mitbewohner zum Baumhaus gegangen und habe mich sofort wohlgefühlt.“ Auch auf dem CSD Aurich ist die Jugendgruppe gemeinsam unterwegs.

Große Freude über Auricher CSD-Nachfolger

„Der CSD ist für mich nicht nur eine Demo“, sagt Nele. „Ich feiere da auch mit meinen Freunden vom Baumhaus, dass wir einander haben und füreinander da sind.“ Eigentlich hieß es vor dem diesjährigen Auricher CSD, dass es vorerst der letzte sein würde, denn Organisatorin Melly Doden verabschiedet sich von ihrem Posten. Doch jetzt wird es dank Stefan Obermaier, der künftig als neuer Organisator in Erscheinung tritt, doch weiter CSDs in der Kreisstadt geben. „Ich bin natürlich sehr froh, dass der CSD in diesem Jahr nicht der letzte war“, sagt Nele dazu. „Ich treffe jedes Jahr überall auf dem CSD Leute, die ich kenne und wir haben immer total viel Spaß. Ich hätte darauf ungern verzichtet.“

Der diesjährige Christopher Street Day auf dem Karl-Heinrich-Ulrichs-Platz in Aurich. Foto: Claus Hock
Der diesjährige Christopher Street Day auf dem Karl-Heinrich-Ulrichs-Platz in Aurich. Foto: Claus Hock

Nele bezeichnet sich selbst als „sapphic“. Das ist ein Überbegriff, der alle Frauen beschreibt, die sich zu anderen Frauen hingezogen fühlen. Dazu zählen zum Beispiel lesbische, aber auch bisexuelle Frauen. Das Wort ist an die antike griechische Dichterin Sappho angelehnt, die in ihren Gedichten oft über romantische und erotische Liebe zwischen Frauen schrieb.

Für Nele war schon mit 14 Jahren klar, dass sie queer ist. Schon einige Jahre vorher war sie von der queeren Community fasziniert. Vor ihren Eltern hat sie sich zunächst gar nicht geoutet. „Irgendwie war mir das nicht wichtig, dass andere das wissen“, sagt sie. Heute ist Nele stolz auf ihre Identität. „Gerade bei Demos wie dem CSD geht es um Sichtbarkeit“, sagt die 20-Jährige.

Immer mehr Angriffe gegen queere Menschen

Bundesweit steigt die Anzahl an Gewalttaten gegen queere Menschen jährlich. Schon 2024 vermeldete das Bundeskriminalamt (BKA) einen Anstieg queerfeindlicher Straftaten. Auch in Ostfriesland macht sich das bemerkbar: Beim CSD Emden im Juni wurden zwei Männer attackiert, auch beim Leeraner CSD fielen Jugendliche aus der rechten Szene auf. Das lässt auch Nele nicht kalt. „Das löst schon Angst in mir aus“, sagt sie. „Ich mache mir auch immer mehr Sorgen um die Sicherheit meiner Freunde.“

Selbst hat Nele in ihrer Heimat Aurich noch keine Erfahrungen mit Diskriminierung machen müssen. „Ich fühle mich hier wirklich wohl“, sagt sie. „Aber ich weiß auch, dass das bei anderen Menschen ganz anders ist.“

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