Mobile Daten Schrumpfen die Funklöcher im Kreis Leer?
Eine groß angelegte Messung hatte große Lücken im Mobilfunknetz im Landkreis Leer ermittelt. Wir haben den Landkreis und die Mobilfunkunternehmen gefragt, wie es weiter geht. Das sind die Antworten.
Leer - Ein Jahr lang waren Messgeräte auf den Müllfahrzeugen im Landkreis Leer mitgefahren und hatten den Empfang im mobilen Datennetz erfasst. Das Ergebnis war anschließend ernüchternd, aber bestätigte das Gefühl vieler Einwohner: Es taten sich große Funklöcher auf, sogar in der Stadt Leer. Das ist fast anderthalb Jahre her, hat es seitdem Verbesserungen gegeben?
Wirtschaftsförderung wurde aktiv
Ja, sagt Kay-Uwe Sobeck vom Amt für Wirtschaftsförderung. Mit allen großen Mobilfunkanbietern seien Gespräche geführt worden, wie das Angebot im mobilen Datennetz im Landkreis Leer verbessert werden könne. Es gebe immer mehr Hinweise darauf, dass die Funklöcher kleiner beziehungsweise weniger werden. Die Unternehmen hätten verstanden, dass die Türme für die Antennen von mehreren Anbietern genutzt werden könnten. „Die Anbieter verhalten sich sehr kooperativ“, ist sein Eindruck.
Bei der Suche nach Standorten für die Sendetürme sei das Amt für Wirtschaftsförderung behilflich gewesen, sagt dessen Leiterin Andrea Sope. Sonst habe man keine Handhabe, den Ausbau zu beschleunigen. Die Untersuchung auf den Müllfahrzeugen habe aber deutlich gemacht, dass der Bedarf vorhanden ist. Funklöcher habe es selbst da gegeben, wo die vorhandenen Anlagen rechnerisch eine gute Abdeckung bieten müssten. Die bundesweite Mobilfunk-Messwoche vom 26. Mai bis 1. Juni 2025 habe eine 5G-Versorgung von 36,1 Prozent ergeben. Die Ergebnisse lassen sich auf der Homepage des Landkreises einsehen.
Wir haben die Mobilfunkunternehmen angefragt, wie weit sie mit dem Ausbau des 5G-Mobilfunknetzes sind und wo die Errichtung weiterer Anlagen geplant ist. Das sind die Antworten.
Deutsche Telekom
Im Juli 2025 hat die Deutsche Telekom drei neue Standorte für Mobilfunk in Betrieb genommen: Am Emsdeich (Leer) und Nüttermoor sowie Uplengen, Neulandstraße. Wie Stefanie Halle von der Unternehmenskommunikation für die Region Nord mitteilt, betreibt die Telekom aktuell im Landkreis Leer 54 Standorte. „Damit haben wir die Abdeckung mit mobilem Internet im Landkreis verbessert“, so Halle. Die Versorgung der Haushalte mit 5G im Landkreis liege bei knapp 97 Prozent, die Versorgung der Haushalte mit schnellem Mobilfunk einschließlich LTE steige auf rund 100 Prozent.
Der Bedarf an Bandbreite nehme weiterhin zu – „rund 30 Prozent pro Jahr“, sagt Halle: „Deshalb machen wir beim Mobilfunkausbau weiter Tempo.“ In den kommenden drei Jahren sollen weitere vier Standorte hinzukommen. Zusätzlich plant die Telekom an 26 Funkmasten Erweiterungen mit LTE oder 5G. Eine Kooperation mit anderen Unternehmen gebe es beispielsweise auf dem Mast in Uplengen, auf dem Vodafone eine Antenne installiert habe. Die Mobilfunkstandorte der Telekom unterstützten unter anderem die Notruftechnologie Advanced Mobile Location (AML). Bei Notrufen an die 112 wird der Standort des Anrufers dank AML automatisch an die Rettungsleitstelle übermittelt.
O2 Telefónica
Der Anbieter o2 Telefónica betreibt im Landkreis Leer nach Angaben von Pressesprecher Florian Streicher rund 40 Mobilfunkstandorte, „die für ein umfassend ausgebautes Mobilfunknetz sorgen“. Das Netz werde kontinuierlich ausgebaut: „Wir erweitern bestehende Mobilfunkstandorte um den 5G-Mobilfunkstandard und installieren zusätzliche Netzkapazitäten“, so Streicher.
Insgesamt habe o2 Telefónica seit dem vergangenen Jahr 15 Ausbaumaßnahmen umgesetzt, um das Netz im Landkreis weiter zu verbessern. Darüber hinaus arbeite der Telekommunikationsanbieter daran, neue Standorte in Betrieb zu nehmen, um den Netzempfang zu verbessern und Funklöcher zu schließen. Einer der neuen Mobilfunkstandorte sei Ende vergangenen Jahres in Soltborg in Betrieb gegangen, ein weiterer in Eisinghausen.
Vodafone
Aktuell betreibt Vodafone 35 Mobilfunkstationen im Landkreis Leer, teilt Konzernsprecher Volker Petendorf mit. Dadurch sei „praktisch die gesamte Bevölkerung an das Vodafone-Mobilfunknetz angebunden“. In besiedelten Gebieten gibt es laut Petendorf praktisch keine Mobilfunk-Funklöcher im Vodafone-Netz. Beim Mobilfunkstandard 5G liege die Versorgung bei 97,7 Prozent der Haushalte, ebenso beim mobilen Breitbandnetz LTE (=4G), da alle 35 Vodafone-Mobilfunkstationen die mobile Breitbandtechnologie LTE an Bord haben.
Im 5G-Ausbauprogramm des Unternehmens bis Mitte 2026 stehen laut dem Sprecher als nächstes die Mobilfunkstationen Leer (Hafenstraße), Oldersum und Ostrhauderfehn. Außerdem sollen zusätzliche Breitband-Antennen an bestehenden Stationen für mehr Kapazitäten im mobilen Datenverkehr sorgen.
1&1
Das 5G-Netz von 1&1 befindet sich laut Sprecher Daniel Rottinger im Aufbau und wächst Tag für Tag weiter. Das Unternehmen betreibe das vierte Mobilfunknetz in Deutschland auf Basis der neueren Open-RAN-Technologie. Der Ausbau konzentriert sich in der ersten Ausbauphase zunächst auf Städte und urbane Räume mit einer hohen Bevölkerungsdichte. Ziel sei es, bis Ende 2030 die Hälfte der Haushalte in Deutschland zu versorgen. Konkrete Aussagen zum Ausbau im Landkreis Leer machte der Sprecher nicht.
EWE
Die EWE hat kein eigenes Mobilfunknetz, das Unternehmen versorgt jedoch nach Angaben eines Sprechers mit seinen Glasfasertrassen die Mobilfunktürme der Mobilfunkanbieter.