Blütenkönig in Wiesmoor  Er kam, sprach platt und siegte

Rilana Kubassa
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Von Rilana Kubassa
| 08.09.2025 14:47 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Der 24-jährige Henrik Broers aus Wiesmoor ist neuer Blütenkönig. Diesen Titel als Erster zu tragen war sein Ziel. Foto: Klaus Ortgies
Der 24-jährige Henrik Broers aus Wiesmoor ist neuer Blütenkönig. Diesen Titel als Erster zu tragen war sein Ziel. Foto: Klaus Ortgies
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Henrik Broers ist der erste Blütenkönig der Stadt Wiesmoor – und hat damit ein persönliches Ziel erreicht. Wie geht es ihm damit und wie waren bisher die Reaktionen? Ein Interview.

Wiesmoor - Die Welt dreht sich weiter und ist jeden Tag ein bisschen anders. Und doch ist es eine kleine Sensation: Beim 73. Blütenfest der Stadt Wiesmoor vom 4. bis 8. September 2025 wurde zum ersten Mal ein Blütenkönig, also ein männlicher Thronfolger, gewählt.

2023 kam mit Prinz Yannik Willms der erste Mann in die nähere Auswahl, 2024 erkrankte der einzige männliche Kandidat kurz vor der Wahl. In diesem Jahr ist der 24-jährige Henrik Broers aus Wiesmoor zum ersten Blütenkönig in der Geschichte des Blütenfestes gekrönt worden. Unter dem Namen Helenium I. wird sich der gelernte Tischler, der gebürtig aus Uplengen kommt, nun seinen Aufgaben als Blütenkönig widmen. Wie waren die Reaktionen auf seine Wahl bisher und was wünscht er sich für seine Amtszeit?

Schön, dass Sie Zeit für ein Gespräch haben. Sie haben heute, am Montag, dem 8. September, ja sicher einiges zu tun.

Henrik Broers: Ja, etwas. Heute Mittag geht es los mit einem Fototermin. Dann gehen wir (der König und die beiden Prinzessinnen Lea Aggen und Kimberly Kolod, Anm. d. Red.) etwas essen und heute Nachmittag trinken wir beim Seniorennachmittag in der Blumenhalle Tee. Abends ist noch mal „Kanal in Flammen“, der Abschluss des Blütenfestes. Da werden wir sicher auch dabei sein.

Wie geht es Ihnen am Tag nach Ihrer Wahl?

Broers: Jetzt wird das alles erst realisiert. Aber man hat sich das ja irgendwo gewünscht.

Sie hatten ja einiges an Unterstützung bei der Wahl. Wer war alles dabei?

Broers: Ja, da waren die Fußballkollegen, die Boßelkollegen (Henrik Broers spielt Fußball beim BSV Bentstreek und boßelt beim KBV Bentstreek, Anm. d. Red.), Arbeitskollegen und Familie. Die haben ordentlich Stimmung gemacht.

Bei der Wahl der neuen Königshauses hatten die Kandidaten viel Unterstützung im Publikum. Auch für Henrik Broers wurde Stimmung gemacht. Foto: Klaus Ortgies
Bei der Wahl der neuen Königshauses hatten die Kandidaten viel Unterstützung im Publikum. Auch für Henrik Broers wurde Stimmung gemacht. Foto: Klaus Ortgies

Sie sind seit dem ersten Blütenfest 1952 der erste Mann im Amt. Wie waren bis jetzt die Reaktionen darauf?

Broers: Die waren bis jetzt ziemlich gut. Viele stehen hinter mir und sagen: „Das hast du verdient.“ Negative Reaktionen habe ich bis jetzt noch nicht mitbekommen in meinem Umfeld. Ganz niedlich war gestern beim Korso, wie die kleinen Jungs am Rand standen und gesagt haben: „Da ist der König! Ich will auch König werden!“

Dann sind Sie wohl jetzt schon ein Role Model?

Broers: (lacht) Ja, kann man so sagen. Ich habe erst gedacht, dass es vielleicht eher die Älteren sein könnten, die was dagegen haben, dass es jetzt einen König und keine Königin gibt. Aber die Älteren mögen es vielleicht auch, dass ich Platt spreche.

Sie haben bei der Wahl auf der Bühne auch plattdeutsch gesprochen. Das ist gut angekommen. Woher können Sie das?

Broers: Von zu Hause, mit Oma und Opa habe ich platt gesprochen. So kommt das eben.

Sie haben gesagt, dass Sie sich gewünscht hatten, Blütenkönig zu werden. Wie kam das?

Broers: Ich wohne jetzt viereinhalb Jahre in Wiesmoor, seitdem ich bei Traba arbeite. Beim Blütenfest habe ich in den letzten Jahren in einem Bierwagen ausgeschenkt und den Umzug gesehen. Ich habe dann gedacht, da kann ich mich doch auch mal aufstellen. Zweimal ging es nicht aus verschiedenen Gründen, aber dann dachte ich: Jetzt musst du das machen, sonst wird das nichts mehr. Ich wollte der erste König werden.

Henrik Broers ist der erste Blütenkönig in der Geschichte des Wiesmoorer Blütenfestes. Ihm zur Seite stehen die Prinzessinnen Lea Aggen (links) und Kimberly Kolod (rechts). Foto: Klaus Ortgies
Henrik Broers ist der erste Blütenkönig in der Geschichte des Wiesmoorer Blütenfestes. Ihm zur Seite stehen die Prinzessinnen Lea Aggen (links) und Kimberly Kolod (rechts). Foto: Klaus Ortgies

Also war das ein richtiges Ziel für Sie?

Broers: Ja, das war ein richtiges Ziel. Ich habe mir viel Mühe gegeben, damit es klappt – mit Leuten geredet und Werbung gemacht. Platt habe ich bei der Veranstaltung auch gesprochen, um die Älteren mit ins Boot zu holen, weil die das gerne hören.

Was wünschen Sie sich für Ihre Amtszeit und was wollen Sie mit Ihrem Amt erreichen?

Broers: Dass ich die Stadt repräsentiere, das Plattdeutsche auch in anderen Königshäusern einbringen kann. Das ist ja auch ein Teil von uns und von Wiesmoor. Ich wünsche mir, dass ich viele neue Leute kennenlerne, nette Gespräche habe, vielleicht auch andere Vereine kennenlerne, ein bisschen mehr sehe. Und mit den Prinzessinnen ′ne gute Zeit habe.

Ist Ihre Verlobte nicht ein bisschen eifersüchtig?

Broers: Nein, wir kennen uns ja auch alle, da ist sie nicht eifersüchtig. Sie war gerade erst auch Prinzessin. Da habe ich viel mitbekommen. Ganz schön finde ich auch, dass man eine Kette bekommt, wenn man ins Königshaus gewählt wird. Jetzt haben wir beide eine, das ist auch was Besonderes für die Partnerschaft.

Was sagen Sie zu denen, die es nicht gut finden, dass ein Mann das Amt innehat?

Broers: Da habe ich eigentlich keine wirkliche Message. Die Leute sollten versuchen, mit der Zeit zu gehen. Das ist ja normal, dass so was dann auch mal kommt. Ich wünsche mir, dass man wenigstens die Chance kriegt, etwas zu machen und auszuprobieren, auch wenn es anders ist als früher.

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