Ehrung in Bronze Ein Denkmal für Bernhard Brahms – Emden ehrt ein Original
Emden ehrt Bernhard Brahms: Eine Skulptur erinnert jetzt an das Emder Original, das einst sein Elternhaus gegen ein Glockenspiel für die Stadt tauschte. Und auch eine weitere Würdigung stand an.
Emden - Einst stiftete er einen der „Delftspucker“, nun wurde ihm selbst ein Denkmal am Delft gesetzt: Eine Skulptur des Emder Originals Bernhard Brahms wurde am Samstag, 6. September 2025, feierlich bei Schreyers Hoek enthüllt.
Bei schönstem Spätsommerwetter kam die Skulptur erstmals zum Vorschein: Brahms, „wie man ihn eben in Emden kannte“, so Maj-Britt Wrede vom Initiativkreis - mit dem Fahrrad unterwegs, der Blick zum Hafen gerichtet und ein verschmitztes Lächeln im Gesicht.
Bernhard Brahms tauschte sein Haus gegen ein Glockenspiel für Emden
Bernhard Brahms, der 2019 im Alter von 90 Jahren verstarb, hatte zu Lebzeiten viel für seine Heimatstadt bewegt. Er initiierte nicht nur die Bronzeskulpturen der Delftspucker, sondern verwendete den gesamten Erlös vom Verkauf seines Elternhauses in Wolthusen, um der Stadt Emden ein eigenes Glockenspiel zu schenken.
Auch bei der Enthüllung der Skulptur erklang das Brahmsche Glockenspiel im Hintergrund. „Bernhard brachte Geschichte zurück in die Stadt“, sagte Wrede vom Initiativkreis, der die Idee dazu hatte, eine Skulptur für das Emder Original aufzustellen. Sie und ihr Mann hatten das ehemalige Elternhaus von Brahms in der Zeppelinstraße vor rund 26 Jahren gekauft. Er möchte vom Verkauf seines Elternhauses der Stadt Emden ein Glockenspiel schenken, hatte Brahms damals zu Wrede und ihrem Mann gesagt. „Und wir haben nur gestaunt - was für ein besonderer Mensch“, erinnerte sie sich bei der Enthüllung der Skulptur. „Ein Haus gegen ein Glockenspiel einzutauschen, das war für uns schon ein dolles Ding“, so Wrede.
Visionär mit Fahrrad: Brahms schenkte Emden mehr als nur Musik
Doch Brahms war das Glockenspiel für seine Heimatstadt ein großes Anliegen. Am 6. September 1944, damals war Brahms gerade einmal 15, saß er während des großen Luftangriffs auf die Stadt in einem Bunker und soll gesagt haben: „Wenn ich mal Geld habe und alles wieder heil wird, dann müssen Glocken in den Rathausturm.“
Ein bisschen sollte es danach noch dauern, doch seit dem 6. September 2000 erklingen in Emden die Glocken „seines“ Glockenspiels - alle in fröhlich klingendem G-Dur gestimmt und nach seiner Mutter und seinen Geschwistern benannt. „Und wenn Bernhard gefragt wurde, warum er denn nur Fahrrad fahre und kein Auto habe, sagte er gerne: Wieso Auto? Mein Mercedes hängt im Glockenturm auf dem Rathaus“, so Emdens Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos) bei der Veranstaltung. „Genau das ist Emden: Eine Stadt, die lebt, weil ihre Bürgerinnen und Bürger sie gestalten.“
Ein Jahr, eine Idee, ein Denkmal: So entstand die Brahms-Skulptur
Und nun wurde dem Mann, der so viel für Emden tat, ein eigenes Denkmal gesetzt. Die Idee zur Skulptur war im vergangenen Sommer in einem Gespräch unter Freunden entstanden. Einem Emder, der so viel Engagement für seine Stadt zeigte, sollte man doch ein Denkmal setzen, so die Idee. Kurz darauf traf sich der nun entstandene Initiativkreis um Elke Brüning, Jochen Fiedler, Hans-Jürgen Hinrichs, Friederike Junkhoff, Marten Klose, Manfred Meyer, Marion Meyer und Maj-Britt Wrede regelmäßig, um die Idee der Skulptur in die Tat umzusetzen. Der Künstler Hans-Christian Petersen, der unter anderem auch schon die Bronzefiguren der „Delftspucker“ erschuf, sicherte schnell seine Unterstützung zu.
Jetzt, knapp ein Jahr später, steht Bernhard Brahms, verewigt in Bronze, an einem seiner Lieblingsorte in Emden. Brahms wohnte viele Jahre in der Dachgeschosswohnung im Hochhaus am Schreyers Hoek und genoss die Aussicht über den Delft bis zum Hafen. Brahms ließ sogar seine Badewanne auf kleinen Beinen erbauen, damit er von dort durchs Fenster auf das Rathaus schauen konnte, so Kruithoff. Auch sein Bett habe auf einem Podest gestanden, damit Brahms von dort einen Blick auf den Hafen haben konnte.
Emden ehrt „Menschen aus der Mitte“: Promenade trägt jetzt seinen Namen
Emden sei eine Stadt, die nicht Fürsten und Königen Denkmäler setzt, sagte Kruithoff. „Nein, unsere Stadt ehrt Menschen aus der Mitte. Menschen, die etwas für andere bewegt haben - so, wie eben auch Bernhard Brahms.“ Darum wurde Brahms, einem solchen Emder „aus der Mitte“, an diesem Tag noch eine weitere Ehre zuteil: Ein Abschnitt der Georg-Breusing-Promenade, die direkt zur Skulptur und damit Bernhard Brahms‘ langjährigem Wohnort führt, heißt ab jetzt Bernhard-Brahms-Promenade.
„Der 6. September ist ein Schicksalstag für unsere Stadt“, begründete Kruithoff das besondere Datum der Enthüllung. Denn es sei nicht nur ein Tag der großen Zerstörung, sondern auch ein Tag, der an den Mut, die große Zuversicht und den Gestaltungswillen der Emderinnen und Emder erinnere. Im Anschluss an die Enthüllung der Skulptur und des neuen Straßennamens wurde im Ostfriesischen Landesmuseum noch das 25-jährige Bestehen des Glockenspiels gefeiert.