Ab 2026 Kinder bald bis 16 Uhr in der Schule – Vereine sorgen sich
Ab 2026 müssen Grundschulen den Ganztagsbetrieb bis 16 Uhr anbieten. Es beginnt mit den Erstklässlern und wird später auf alle vier Klassen ausgedehnt. Zeit für Vereinssport bleibt dann wenig.
Aurich - 40 Kleinkinder toben jede Woche am Nachmittag in der altehrwürdigen Zingelhalle beim Kinderturnen. Vorsitzender Wilfried Theessen vom MTV Aurich befürchtet aber, dass die Kinder demnächst keine Zeit mehr dafür haben werden. „Bald werden sie zu dieser Zeit in der Schule sein“, sagt Theessen. Ab Sommer 2026 werden wohl einige Kinder des ersten Schuljahres den ganzen Tag in der Schule verbringen. Mit der Einführung des Ganztagsbetriebs in Grundschulen in Niedersachsen kommen in den Jahren darauf die Jahrgänge der folgenden Klassen hinzu. Auch in Ostfriesland wird das so sein. Die Grundschule Upstalsboom in Aurich-Haxtum führt den Ganztag sogar gleich für alle vier Klassen ein.
In der Auricher Sportszene machen sich die Verantwortlichen der Sportvereine erhebliche Sorgen über die Auswirkungen auf die Vereine. „Das stellt die Sportvereine vor große Herausforderungen“, sagt Theessen.
Schule endet künftig um 16 Uhr
Deshalb hat sich der MTV-Chef mit Insa Schubert (Vorsitzende OHV Aurich) und Saskia Buschmann (Vorsitzende TuS Aurich-Ost) verbündet, um nach Lösungen zu suchen und auf das Problem aufmerksam zu machen. „Das ist ein Novum, dass sich drei Auricher Vereine zusammenschließen“, sagt Saskia Buschmann. Dies sei auch nötig, denn vom Land gebe es kein Konzept. Sie muss es wissen. Die Auricherin sitzt für die CDU im Landtag und ist neuerdings auch Vorsitzende des TuS Aurich-Ost.
Die drei Vereinsvorsitzenden glauben, dass viele Kinder durch den Nachmittagsunterricht den Vereinen fernbleiben könnten. Schulschluss wäre gegen 16 Uhr, dann sei kaum vorstellbar, dass die Einschulungskinder anschließend noch in den Vereinen Sport treiben würden. „Die große Masse bricht dann weg“, sagt Theessen, der auch finanzielle Einschnitte befürchtet. Schon bei 100 Kindern würden Summen im fünfstelligen Bereich in der MTV-Vereinskasse fehlen.
Vorsitzende sorgen sich
Das Land Niedersachsen wünscht sich, dass die Schulen und Vereine im Ganztag Kooperationen eingehen. Für die Vereine bedeutet dies, dass sie geeignete Übungsleiter an die Schulen schicken müssten. „Das Problem ist , dass viele Ehrenamtliche aus den Vereinen berufstätig sind und am frühen Nachmittag noch arbeiten“, sagt OHV-Vorsitzende Insa Schubert. Dieses Modell müsse auch erst einmal finanziert werden, gibt Theessen zu bedenken.
Der MTV-Vorsitzende ist seit Jahrzehnten Sportfunktionär und ist auf den Treffen des Freiburger Kreises zugegen, einer Arbeitsgemeinschaft großer deutscher Sportvereine. Die Vereine Eintracht Hildesheim und der ASC Göttingen haben nach Angaben von Theessen eine GmbH gegründet. Dort werden Übungsleiter in einem Pool gesammelt und an die Schulträger, einschließlich Honorierung, ausgeliehen. Insa Schubert sieht noch eine weitere Herausforderung. Ganztagsschulen werden am Nachmittag Sportstätten nutzen. „Da wird es dann eng mit den Hallenkapazitäten“, sagt Schubert.
Auch Feuerwehren betroffen
Die drei Vereinsvorsitzenden machen sich auch Sorgen um die Kinder, deren Sportfähigkeit ohnehin schon gelitten habe. „Sie müssen einfach Vereinsluft schnuppern“, sagt Theessen. Dabei finden sie die grundsätzliche Idee des Ganztages gut. „Eine gute Entscheidung für Eltern, die beide arbeiten und für Alleinerziehende“, findet Theessen.
Um eine Kooperation mit den Schulen werden die Auricher Vereine nicht herumkommen. Die Frage ist das Wie. Wilfried Theessen war sein halbes Leben lang Lehrer und auch Fachberater für den Schulsport. In dieser Zeit hat er eine Beobachtung gemacht. „Wir kooperieren schon lange mit Auricher Schulen. Der Verein hat nicht viel davon. Es kommen kaum Kinder im Verein an.“
Nach Ansicht der drei Vereinsvorsitzenden hat die Entscheidung der Landesregierung nicht nur Auswirkungen auf den Vereinssport. „Das ist ein Rattenschwanz. Vom neuen Ganztag sind auch Feuerwehren oder Pfadfinder betroffen“, sagt der MTV-Vorsitzende. Nun gilt es Lösungen zu finden. Zu lange sei nichts geschehen oder angedacht worden. „Die Zeit ist knapp. Wir haben nur noch ein Jahr Zeit“, sagt Insa Schubert.