Wende im Emder Schulstreit  Plan für Herrentorschule vor dem Aus

Stephanie Tomé
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Von Stephanie Tomé
| 05.09.2025 13:21 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Schüler kämpfen für den Erhalt der Oberschule Herrentor. Foto: Mona Hanssen/Archiv
Schüler kämpfen für den Erhalt der Oberschule Herrentor. Foto: Mona Hanssen/Archiv
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Der Plan der Stadt Emden, die Herrentorschule in eine Zweigstelle der IGS umzuwandeln, droht zu scheitern. Im Rat gibt es kräftigen Gegenwind.

Emden - Die Idee, die Oberschule Herrentor in eine reine Realschule umzuwandeln, bekommt immer mehr Unterstützung. Damit dürfte die von der Stadt Emden geplante Erweiterung der Integrierten Gesamtschule (IGS) am Standort der Herrentorschule kaum noch eine Chance haben. Drei Ratsmitglieder von CDU, SPD und FDP – Wilke Held, Sabine Noetzel und Friedrich Busch – sprechen sich jetzt gemeinsam für den Realschul-Vorschlag aus, den zuletzt der CDU-Ratsherr Gerold Verlee eingebracht hatte. Das Entscheidende: Sabine Noetzel (SPD) spricht nicht im Alleingang, sondern hat die SPD-Fraktion hinter sich. Das bringt nun deutlich mehr Gewicht in die Waagschale zugunsten der Befürworter der Realschul-Idee.

Wie SPD-Fraktionsvorsitzende Maria Winter auf Nachfrage mitteilt, werde die SPD den Plänen der Verwaltung, die Herrentorschule zur Zweigstelle der IGS zu machen, nicht zustimmen. Damit dürfte die Verwaltungsvorlage im Rat keine Mehrheit mehr bekommen. „Für uns zählt in erster Linie der Schülerwille, nicht der Elternwille“, erklärte Winter im Gespräch mit unserer Zeitung.

Das sind die Argumente für eine Realschule

Ähnlich argumentieren die drei Ratsmitglieder von SPD, CDU und FDP in ihrer gemeinsamen Mitteilung vom 4. September. Sie betonen, dass es nicht um Parteipolitik gehe, sondern um die tatsächlichen Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler. „Gutes Lernen ist Beziehungsarbeit. Je größer die Schule, desto schwieriger wird es, verlässliche Bezugssysteme aufzubauen.“ Eine eigenständige Realschule könne besonders jene Schüler fördern, die praxisnah arbeiten oder eine klare Orientierung für den mittleren Schulabschluss suchen.

Zugleich würde die IGS entlastet, sodass diese ihre Stärken – wie Inklusion, Ganztag und projektbasiertes Arbeiten – besser entfalten könne. „Kinder sind unterschiedlich. Deshalb braucht es kleinere, differenzierte Systeme. Eine achtzügige IGS liegt nicht im Interesse vieler Kinder und Eltern“, heißt es in der Pressemitteilung.

Das plant die Verwaltung

Die Verwaltung verfolgt hingegen weiter das Ziel, die Herrentorschule ab dem Schuljahr 2026/27 als Zweigstelle der IGS zu führen, die dann achtzügig sein könnte. Hintergrund sind die rückläufigen Anmeldezahlen an den Oberschulen. Die Verwaltung argumentiert, dass eine größere IGS am Standort Herrentor die vorhandenen Kapazitäten besser nutze und den steigenden Platzbedarf abdecke.

Gegen die Idee der Realschule regt sich aber auch Widerstand, vom Stadtelternrat und von den Grünen. Beide sprechen sich für die Erweiterung der IGS aus. „Die IGS ist das moderne Modell der Zukunft, weil sie Integration statt Selektion fördert“, heißt es in der Stellungnahme, die von der Vorsitzenden Zerrin Mentjes unterzeichnet ist.

Der Elternrat und die Schulleitung der Herrentorschule wiederum sprechen Mentjes die Kompetenz ab, für den Stadtelternrat zu sprechen. Sie sei zugleich Elternvertreterin der IGS und daher befangen, heißt es in einer Stellungnahme von Freitag, 5. September 2025. Die Elternvertreter der Herrentorschule seien zur Sitzung des Stadtelternrates im Übrigen gar nicht eingeladen gewesen.

Zu wenig Transparenz

Im Juni protestierten in einer Sitzung des Schulausschusses Eltern, Lehrkräfte und Schüler gegen diesen Vorschlag und forderten den Erhalt der Herrentorschule. Eine entsprechende Online-Petition hat mittlerweile mehr als 1100 Unterstützer.

Viele Eltern kritisieren zudem die aus ihrer Sicht fehlende Transparenz und die große Eile des Prozesses. Sie fürchten, dass durch die Umwandlung Kinder, die nicht an die IGS gehen möchten, lange Wege in Kauf nehmen müssten und ein zentrumsnaher Standort verloren geht.

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