Wochenglosse  Mit dem Staat ist kein Staat zu machen

Karin Lüppen
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Eine Kolumne von Karin Lüppen
| 06.09.2025 09:47 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
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Bei den Deutschen schwindet das Vertrauen in den Staat. Das bedeutet aber nicht, dass den Ämtern nicht doch viel zugetraut wird. Eine Glosse.

Ziemlich viele Deutsche trauen dem Staat nicht mehr zu, die Herausforderungen zu meistern und seine Aufgaben bewältigen zu können. Nicht mal ein Viertel der Leute hält die Behörden für handlungsfähig. Das hat der Deutsche Beamtenbund in einer Studie ermittelt. Die Befragten glauben, dass der Staat mit der Flüchtlingspolitik genauso überfordert ist wie mit Schule und Bildung, Finanzen, Gesundheit, Renten – ach, eigentlich mit allem. Natürlich wissen die Deutschen, wie das zu ändern wäre: weniger Vorschriften, mehr Onlinedienstleistungen und kürzere Bearbeitungszeiten. Mit anderen Worten: Wer einen neuen Ausweis will sollte ein Onlineformular ausfüllen können („Ja, ich heiße immer noch Hermann Janssen“), ein Foto aus dem Urlaub im vorigen Jahr hochladen („das ganz links im karierten Hemd, das bin ich, Sie können ja einen Ausschnitt machen. Und bitte den Sonnenbrand auf der Stirn wegmachen, ich hab das nicht hingekriegt“) und dann ist das gewünschte Dokument bis nächsten Montag fertig.

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Großes Vertrauen haben unsere Leute trotzdem in die Macht des Staates. Die Staatsdiener sollen ran, wenn nebenan die Hecke zu zottig wächst, wenn Hühner zu laut gackern und es im Supermarkt kein Klopapier mehr gibt. Den unfähigen Beamten wird immerhin zugetraut, die Monteure, die in der Schrottimmobilie am Ende der Straße hausen, zu bitten, ihren Transporter umzuparken. Dass man gelegentlich lospoltert, den Studierten zu verstehen gibt, wer hier wirklich Bescheid weiß oder in Sitzungen stört, ist ja nicht so gemeint. Aber es musste mal gesagt werden.

Die Autorin erreichen Sie unter k.lueppen@zgo.de

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