Krise beim E-Auto-Verkauf  Bekommt VW Emden den Passat zurück?

Martin Teschke
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Von Martin Teschke
| 03.09.2025 17:04 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
In Emden ist Mitte August dieses Jahres das weltweit 1,5-millionste Fahrzeuge aus der ID.-Familie gefeiert worden. Der ID.7 ging – wie man sieht – an einen Kunden aus Vechta. Foto: Klaus Ortgies/Archiv
In Emden ist Mitte August dieses Jahres das weltweit 1,5-millionste Fahrzeuge aus der ID.-Familie gefeiert worden. Der ID.7 ging – wie man sieht – an einen Kunden aus Vechta. Foto: Klaus Ortgies/Archiv
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Die Gerüchte kursieren schon länger: VW will sich von seinen durchnummerierten ID.-Modellen trennen. Nun gibt es eine Bestätigung. Für das ostfriesische Werk muss das nicht von Nachteil sein.

Wolfsburg/Emden - Für die Anhänger vollelektrischer Autos aus dem Hause VW ist es eine kleine Revolution. Volkswagen hat am Mittwoch angekündigt, den ID.-Modellen neue Namen zu geben. Den Anfang soll im kommenden Jahr der ID.Polo machen, bislang bekannt unter dem Namen ID.2all.

Das VW-Werk Emden könnte damit in absehbarer Zeit seinen Passat wiederbekommen. In Emden laufen der ID.4, die ID.7 Limousine und der ID.7 Tourer vom Band. Aus dem ID.4 könnte logischerweise ein ID.Tiguan werden, aus den beiden ID.7-Modellen der ID.Passat. VW Emden würde damit stärker an seine erfolgreichen Jahre mit dem Passat, vor allem dem Passat Variant anknüpfen. Seit 1977 wurden in Ostfriesland rund 30 Millionen Passat gebaut. Ende Februar vergangenen Jahres verkündete VW dann, dass in Emden der letzte Passat vom Band gelaufen ist. Nun wird der Passat im slowakischen Bratislava montiert. In Emden trauert so mancher noch dem guten alten Erfolgsmodell hinterher.

E-Mobilität soll nahbar sein

Nun soll zumindest der Name zurück nach Ostfriesland kommen. „Unsere Modellnamen sind in den Köpfen der Menschen fest verankert“, wird Thomas Schäfer, CEO der Marke Volkswagen, am Mittwoch in einer Pressemitteilung zitiert. „Sie stehen für eine starke Marke und verkörpern Eigenschaften wie Qualität, zeitloses Design und Technologie für alle. Daher werden wir unsere bekannten Namen in die Zukunft führen. Der ID.Polo ist nur der Anfang.“ Volkswagen werde mit jeder neuen Modellgeneration weitere etablierte Namen auf das elektrische Portfolio übertragen, hieß es aus Wolfsburg. Parallel dazu würden alle Fahrzeuge mit klassischen Antrieben unter den bisher bekannten Bezeichnungen weiterlaufen. Mit dieser Strategie bringe Volkswagen Elektro- und Verbrennerwelt zusammen und mache es den Kunden künftig deutlich einfacher, sich im Produktangebot der Marke zu orientieren.

Volkswagen will mit der neuen Namensstrategie offenbar wieder näher an die Gewohnheiten der Autofahrer rücken. Bekanntlich schwächelt ja der Verkauf von E-Autos. „Unsere Autos begleiten Menschen oft über viele Jahre – sie prägen Erinnerungen und Lebensabschnitte“, sagte dazu Martin Sander, Mitglied des Volkswagen Markenvorstands für die Geschäftsbereiche Vertrieb, Marketing und After Sales. „Ein Modell wie der Polo zeigt, wie kraftvoll ein Name sein kann: Er steht für Verlässlichkeit, Persönlichkeit und Geschichte. Genau deshalb geben wir auch unseren ID. Modellen wieder Namen, die Emotionen wecken und im Alltag der Menschen verankert sind.“ Elektromobilität solle nicht nur fortschrittlich, sondern auch nahbar und persönlich sein.

Nicht nur die Namen sollen sich ändern

Für Volkswagen beginnt mit der Premiere der kleineren und kompakteren Elektro-Fahrzeuge nach eigenen Worten „ein neues Zeitalter“. Dank neuer Modelle wie dem ID.Polo und dem ID.Cross solle das elektrische Fahren für mehr Menschen als zuvor erschwinglich werden. In allen neuen Modellen werde deutlich, dass Volkswagen noch stärker auf Kundenfeedback eingehe. VW: „Das zeigt sich unter anderem am höheren Qualitätsniveau mit weichen Materialien, an der intelligenten Kombination aus digitalen und physischen Bedienelementen wie Tasten und Knöpfen in Lenkrad und Cockpit sowie am intuitiven Bedienkonzept.“

An den neuen ID.-Modellen, auch am ID.4 und am ID.7 war immer mal wieder Kritik laut geworden, dass fast sämtliche Bedienelemente im Inneren der Fahrzeuge ausschließlich über das Touchpad zu steuern sind – zum Beispiel beim Gebläse gerade für ältere Fahrer eine echte Herausforderung. Der neue ID.4 bzw. ID.Tiguan ist im Emder Werk bereits in der Vorbereitung. Was alles verändert wird, hütet VW allerdings wie ein Staatsgeheimnis.

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