Schule und Bildung Mobbing und Gewalt an der Schule – das kann man tun
Gewalt an Schulen nimmt seit Jahren zu, trotz Klassenregeln, Programmen zur Gewaltprävention und Zusatzausbildungen für Lehrkräfte. Was kann man selbst tun? Wo bekommt man Hilfe?
Ostfriesland - Mobbing und Gewalt sind bekannte Probleme an Schulen. Seit Jahren steigen die Fälle, auch durch Gewalt im Netz oder Cybermobbing. Die alle vier Jahre durchgeführte Kinder- und Jugendgesundheitsstudie „Health Behaviour in School-aged Children“ (HBSC) der Weltgesundheitsorganisation WHO aus dem Jahr 2022 ergab, dass in Deutschland rund 14 Prozent der Befragten im Alter von 11, 13 und 15 Jahren schon direkte Erfahrungen mit schulischem Mobbing hatten, rund 7 Prozent hatten Cybermobbing selbst erlebt.
Was ist Mobbing, was sind die Folgen und was kann man tun, wenn man selbst oder sein Kind betroffen ist? Antworten auf die wichtigsten Fragen.
Was ist Mobbing?
„Wenn Kinder und Jugendliche in der Schulklasse, im Sportverein oder in anderen Gruppen über einen längeren Zeitraum gezielt Opfer von körperlichen, psychischen oder verbalen Übergriffen werden, spricht man allgemein von Mobbing“, heißt es auf der Webseite der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes.
Das Wort „Mobbing“ kommt aus dem Englischen und leitet sich ab von „to mob“, was „angreifen“ oder „belästigen“ bedeutet. Ziel des Mobbens ist, jemanden systematisch „fertigzumachen“ – etwa durch regelmäßige Übergriffe mit Gewalt, Beleidigungen, Einschüchterungen, Erniedrigungen. Aber auch Ausgrenzung, Intrigen, Gerüchte, falsche oder zurückgehaltene Informationen gehören dazu. Bei den Gemobbten entsteht das Gefühl der Ohnmacht und des Ausgeliefertseins.
Was sind mögliche Folgen von Mobbing?
Kinder und Jugendliche, die gemobbt werden, leiden oft still – aus Scham oder aus Angst vor den Tätern. Vom Leistungsabfall in der Schule bis hin zu Kopf- oder Bauchschmerzen, Panikattacken, Ess- oder Angststörungen, Albträumen und Suizidgedanken kann Mobbing zahlreiche, zum Teil schwerwiegende Folgen haben. Laut dem Trainingskonzept „Stark auch ohne Muckis“ aus Nordrhein-Westfalen haben Kinder, die unter Mobbing leiden, oft ihr ganzes Leben lang daran zu tragen.
An wen kann ich mich wenden, wenn mein Kind Mobbing erlebt?
Laut der Informationsseite „Familienratgeber“ sollten Eltern Kontakt zur Schule oder dem Ort aufnehmen, wo das Mobbing passiert. Kinder und Eltern können sich direkt an Lehrer, Vertrauenslehrer oder die Schulleitung wenden. Die Präventionsstelle der Polizei betont: „Schauen Sie bei Mobbing nie weg, sondern stehen Sie den Betroffenen zur Seite. Zeigen Sie den Betroffenen, dass diese nicht alleine sind. Informieren Sie Personen, die helfen können (Eltern, Lehrer, Trainer etc.). Vermitteln Sie den Betroffenen stets, dass sie als Opfer nicht die Schuld tragen. Suchen Sie Hilfe bei Schulpsychologen oder Beratungsstellen.“
Wo können Kinder und Eltern sich Hilfe holen?
Nummer gegen Kummer: Telefonische Beratung für Kinder und Jugendliche: 0800 1110333, auch Online-Beratung; Telefonische Beratung für Eltern: 0800 1110550
Beratung für Eltern von der Bundeskonferenz Erziehungsberatung: Online-Beratung
Jugendberatung von der Bundeskonferenz Erziehungsberatung: Online-Beratung via Chat, Mail oder Forum
Juuuport: Online-Beratung bei allen Themen rund ums Netz: Cybermobbing, Whatsapp, Gewalt im Internet, von jungen Leuten für junge Leute
Kann man Mobbing anzeigen?
Ja, Mobbing kann angezeigt werden, aber nur, wenn es etwas „Handfestes“ gibt, das einen Straftatbestand erfüllt – zum Beispiel bei „Sachbeschädigungen, Diebstählen, Beleidigungen, Körperverletzungen oder Raubstraftaten (zum Beispiel Diebstahl mit Gewalt)“, ist bei der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes zu lesen.
Was wird an Schulen gegen Mobbing getan?
In Niedersachsen wird Mobbing an Schulen mit verschiedenen Maßnahmen angegangen. Schulinterne Mobbing-Interventions-Teams (MIT), ausgebildet in einer Qualifizierungsmaßnahme, sollen an Schulen Präventions- und Interventionsmaßnahmen durchführen. Die Polizei geht mit einem Präventionsangebot direkt in die Schulen. Auch Klassenregeln dienen mit dazu, ein respektvolles Miteinander zu fördern und Mobbing vorzubeugen.
Nachdem die Zahl der Straftaten an Schulen im Jahr 2023 in Niedersachsen gestiegen ist, sagte Kultusministerin Julia Willie Hamburg (Grüne) im Januar 2025, dass bei Schulgewalt das Elternhaus immer wieder auch Teil des Problems sei. Demnach liege bei den Eltern der größte Einfluss, sagt sie – und damit die Verantwortung für starke Kinder.