Hamburg Transfer-Wahnsinn: Es ist absurd, wie die Premier League die Bundesliga abhängt
Über 3,5 Milliarden Euro gaben Englands Erstligisten in diesem Transfersommer für neue Spieler aus. Nicht nur die Bundesliga ist mittlerweile finanziell meilenweit von der Premier League entfernt.
Am Ende des Deadline-Days waren viele Fans des HSV nahezu euphorisch. Dem Bundesliga-Aufsteiger war es gelungen, zwei Spieler des englischen Topclubs Arsenal London zu verpflichten. Auch einige Experten stuften diesen Doppeldeal als Transfercoup ein. Für den Belgier Albert Lokonga zahlten die Hamburger rund 300.000 Euro Ablöse, während der Portugiese Fabio Vieira nur für eine Saison ausgeliehen wurde. Insgesamt gab der Aufsteiger in dieser Transferperiode rund 9 Millionen Euro für neue Spieler aus.
Über die Summen kann der englische Erstligist FC Sunderland nur müde lächeln. Der Premier-League-Aufsteiger investierte insgesamt knapp 188 Millionen Euro für neue Spieler, inklusive Leverkusens Mittelfeld-Motor Granit Xhaka. Der Schweizer zog es vor, lieber in England um den Klassenerhalt zu kämpfen als mit Bayer in der Champions zu spielen.
Kurz vor Transferschluss wurde dann auch der neue Rekordtransfer in der Premier League offiziell. Der Schwede Alexander Isak (ehemals beim BVB) wechselte für kolportierte 145 Millionen Euro von Newcastle United zum FC Liverpool. Damit gab der amtierende englische Meister fast eine halbe Milliarde (!) Euro (insgesamt geschätzte 483 Millionen) für neue Spieler aus.
Die 500 Millionen-Schallmauer wurde nur deshalb nicht geknackt, weil ein weiterer Transfer doch noch platzte – dennoch ist es neuer Ausgaben-Rekord in England. Newcastle hingegen holte als Isak-Ersatz Nick Woltemade für rund 85 Millionen auf die Insel. Diese 85 Millionen waren dem deutschen Branchenprimus Bayern München zu viel. Sie zogen sich aus den Verhandlungen mit dem VfB Stuttgart zurück und liehen am Ende des Tages noch den Chelsea-Stürmer Nicolas Jackson aus.
„Das ist Wettbewerbsverzerrung“, erklärte die Fußball-Expertin Lena Cassel in ihrem Podcast und ein „Kicker“-Redakteur schrieb in einer Kolumne, dass es nicht mehr „sein Fußball ist“ aufgrund der astronomischen Ablösesummen.
In der Tat ist dieser Transfer-Wahnsinn, vor allem in der Premier League, für den normalen Fußballfan nur noch schwer nachzuvollziehen. Während die meisten Vereine in Deutschland auf eine positive Transferbilanz hinarbeiten bzw. sie erwirtschaften müssen, werfen die reichen Premier-League-Clubs mit Geld nur so um sich. Die finanzielle Kluft wird immer größer. Insgesamt investierte alleine die Premier League 3,56 Milliarden Euro für neue Spieler in diesem Sommer. Die Engländer machten sogar ein Rekord-Minus von 2,04 Milliarden Euro, während die Bundesliga durch Verkäufe – zumeist nach England – sogar ein Plus erwirtschaften konnte.
Diese absurden Zahlen belegen, wie weit die Premier League von den anderen europäischen Topligen mittlerweile entfernt ist. Doch was ist die Lösung, damit es zumindest ein klein wenig „Waffengleichheit“ gibt.
Eigentlich sollte das von der Uefa eingeführte „Financial Fairplay“ für einigermaßen gleiche Bedingungen sorgen. Mittlerweile wirkt es eher wie ein Rohrkrepierer. Vielleicht sollten die Clubs, die von Investoren, Emiraten oder anderen Milliardären geführt werden, doch wie bereits einmal vorgeschlagen, in einer eigenen Super League spielen. Hier würde die wirtschaftliche Nachhaltigkeit keine Rolle spielen und die Clubs könnten in ihrer eigenen Bubble Spieler hin und her transferieren.