47-Jähriger angeklagt Missbrauch in Emden – Deal vor Gericht scheitert
Wegen sexuellen Missbrauchs soll ein Ex-Emder für fünf bis sechs Jahre ins Gefängnis – wenn er gesteht. Bei diesem vom Gericht vorgeschlagenen Deal spielt die Staatsanwaltschaft nicht mit.
Aurich/Emden - Ein 47-jähriger Ex-Emder soll zwischen November 2022 und Oktober 2024 in Emden zwei Kinder schwer sexuell missbraucht haben. Er ist mit dem Ehemann der Mutter der mutmaßlichen Opfer verwandt und half der Familie seinerzeit im Garten. Angeklagt sind acht Taten. Bei den Geschädigten handelt es sich um ein zu Beginn der Taten zwölfjähriges Mädchen und um dessen sechsjährigen Bruder.
Der Angeklagte ist einschlägig vorbestraft. Von November 2014 bis Mai 2018 verbüßte er eine Haftstrafe. Derzeit befindet er sich in Untersuchungshaft. Zu den Vorwürfen schweigt er.
Der Dachboden als Tatort eines Missbrauchs
Die angeklagten Taten kamen zufällig ans Licht. Die Mutter der Kinder schickte den Angeklagten auf den Dachboden, wo er Gartenstühle holen sollte. Ihr kleiner Sohn begleitete ihn. Weil die beiden so lange wegblieben, schickte sie ihre Tochter hinterher. Das Mädchen beobachtete, wie der Angeklagte und ihr Bruder sich gegenseitig anfassten. Zuvor hatte das Mädchen auch schon geäußert, von dem Emder angefasst worden zu sein, doch die Mutter glaubte ihr nicht.
Der Prozess vor dem Landgericht Aurich läuft seit Mitte August. Nach der bisherigen Beweisaufnahme stellte die Kammer bei der Fortsetzung der Verhandlung am Dienstag, 2. September 2025, einen der Anklagepunkte ein. Dem Angeklagten unterbreitete sie einen Verständigungsvorschlag: Bei einem umfassenden Geständnis stellte sie ihm eine Haftstrafe zwischen fünf und sechs Jahren in Aussicht. Erste Staatsanwältin Höving lehnte den Deal ab: Das vorgeschlagene Strafmaß sei zu gering, erklärte sie. Somit war die Verständigung geplatzt.
Dem Angeklagten wird vor Gericht schwindelig
Der Angeklagte war in keiner guten Verfassung. Er hatte Probleme, den diskutierten Sachverhalten zu folgen. Der Vorsitzende Richter Bastian Witte und Verteidiger Ralf Giese gaben sich Mühe, alles in einfache Sätze zu fassen. Nach einer Stunde meldete der 47-Jährige Schwindel an. „Es geht nicht mehr“, sagte er. Nachdem der Verteidiger beantragt hatte, die Lebensgefährtin des Angeklagten als Zeugin zu laden, wurde die Verhandlung für diesen Tag beendet.
Die Verhandlung wird am 9. September 2025 um 9 Uhr in Saal 003 fortgesetzt. An diesem Tag soll das Urteil fallen.