Hamburg  Zwei Schuljahre Unterschied: Wie sehr schaden Smartphones den Schulnoten?

Sören Becker
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Von Sören Becker
| 27.08.2025 09:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Schaden Smartphones Kindern in der Schule? Foto: dpa/Sven Hoppe
Schaden Smartphones Kindern in der Schule? Foto: dpa/Sven Hoppe
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Viele Eltern und Lehrer machen sich Sorgen um den Smartphone-Konsum von Kindern und Jugendlichen. Tatsächlich kann ein Smartphone in der Schule dem Lernerfolg schaden. Aber wie sehr? Was Studien ergeben haben.

Der Smartphone-Gebrauch von Schülern ist ein beliebter Sündenbock in der Diskussion um Bildungspolitik. Bildungsexperte Rainer Bölling gibt den hohen Nutzungszeiten eine Teilschuld an den gesunkenen Pisa-Ergebnissen der deutschen Schüler.

Tatsächlich verbringen Schüler viel Zeit mit ihren Handys. Täglich 213 Minuten oder über dreieinhalb Stunden sind Jugendliche laut eigener Auskunft in der Studie „Jugend Information Multimedia“ mit ihrem Smartphone beschäftigt. Und die 237 Benachrichtigungen, die ein durchschnittlicher Jugendlicher demnach pro Tag empfängt, dürften der Konzentration ebenfalls nicht förderlich sein. Zumal ein Viertel davon während der Schulzeit eingeht. Aber was würde ein Verbot von Smartphones in der Schule bringen?

Um diese Frage zu beantworten, haben Forscher der Universität Augsburg in einer sogenannten „Meta-Studie“ mehrere Untersuchungen, die sich mit dieser Frage beschäftigen, ausgewertet. Deutlich stärker als die Auswirkungen auf die Leistung der Schüler sind demnach die Konsequenzen für das soziale Zusammenleben.

Zu diesem Schluss kommt auch Katharina Scheiter. Sie ist Professorin für Digitales Bildungswesen an der Universität Potsdam. „Es ist gut belegt, dass es an Schulen ohne Smartphones weniger Mobbing gibt. Die Effekte auf die Leistungen der Schüler sind aber nicht so stark und eindeutig, wie man denken würde“, berichtet die Forscherin.

Eine Studie aus Großbritannien legt nahe, dass vor allem schwächere Schüler von einem Verbot profitieren könnten: Demnach erzielen Schulen, in denen Handys verboten sind, deutlich bessere Testergebnisse, als Schulen ohne Verbot. Insbesondere schwächere Schüler schneiden ohne Handy deutlich besser ab. „Schwächere Schüler schlagen generell stärker auf Veränderungen im Lernumfeld an, als Schüler mit guten Noten“, berichtet Scheiter.

Wer eh schon Probleme habe, sei leichter aus dem Tritt zu bringen. Der Effekt des Handyverbots auf ihre Leistung entspricht einer zusätzlichen Unterrichtsstunde pro Woche.

Auch bei der Pisa-Studie werden den Schülern Fragen zu ihrer Handynutzung gestellt. Schüler, die täglich mehr als fünf Stunden am Handy verbringen, schneiden demnach deutlich schlechter ab, als ihre Klassenkameraden. Der Unterschied beträgt das Äquivalent von zwei Schuljahren. Scheinbar hängen die Auswirkungen der Smartphone-Nutzung aber auch davon ab, was man in dieser Zeit tut. Wer ein digitales Gerät zum Lernen nutzt, erzielt bessere Ergebnisse.

Es gibt aber wohl auch ein Zuviel: Wer mehr als sieben Stunden am Tag digital lernt, schneidet wieder deutlich schlechter ab. „Bei digital gestütztem Unterricht kommt es mehr auf die Qualität als auf die Quantität an“, findet auch Scheiter.

Ein Zusammenhang zwischen Noten und Smartphones ist tatsächlich vorhanden, doch wie dieser funktioniert, ist noch fraglich: „Diese Zusammenhänge gibt es. Aber es ist ein wenig, wie die Frage nach der Henne und dem Ei“, erklärt Scheiter. Sind Schüler also eher am Handy, weil sie schlechte Noten haben, oder haben sie schlechte Noten, weil sie eher am Handy sind? Um diese Fragen zu untersuchen, müssten Handynutzung und Noten über einen längeren Zeitraum miteinander verglichen werden. Doch diese Studien sind aufwendig und selten.

Dazu kommt: Smartphone-Verbote sind in der Praxis schwierig durchzusetzen. Während der Pisa-Studie wurden auch die Rektoren der beteiligten Schulen zu ihrer Smartphone-Politik befragt. Nur 17 Prozent der Schüler, die auf eine Schule mit Verbot gehen, geben an, nie oder fast nie ihr Gerät zu benutzen. Trotz Verbots nutzen 34 Prozent der Schüler mehrmals täglich ihr Handy. Immerhin: An Schulen ohne Verbot tun das 47 Prozent der Kinder. Die Effekte des Verbots sind also überschaubar.

„Smartphone-Verbote zu überwachen, ist eine Belastung für die Lehrkräfte“, findet Scheiter. Überhaupt sei das Problem weniger in der Nutzung des Smartphones zu suchen: „Es kommt weniger auf die Frage an, ob es Smartphones gibt oder nicht. Viel wichtiger ist die Qualität des Unterrichts“, erklärt Scheiter.

Vielleicht muss es auch nicht ein komplettes Verbot sein: Schüler, die ihr Handy immer auf stumm gestellt haben, schneiden laut Pisa-Studie deutlich besser ab, als Schüler mit aktivierten Benachrichtigungen.

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