Debatte um Herrentorschule  CDU will Realschule statt IGS-Erweiterung

Stephanie Tomé
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Von Stephanie Tomé
| 26.08.2025 14:05 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Bald wieder reine Realschule? Die CDU wünscht sich für die Herrentorschule eine Rückkehr zum alten Modell. Foto: Stephanie Schuurman/Archiv
Bald wieder reine Realschule? Die CDU wünscht sich für die Herrentorschule eine Rückkehr zum alten Modell. Foto: Stephanie Schuurman/Archiv
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Die Pläne für die Herrentorschule spalten Emden: Während die Stadtverwaltung auf eine Erweiterung der IGS setzt, will die CDU eine eigenständige Realschule etablieren.

Emden - Die Zukunft der Herrentorschule bleibt weiter umstritten: Während die Stadtverwaltung vorschlägt, die Oberschule langfristig aufzulösen und das Gebäude als zusätzlichen Standort der Integrierten Gesamtschule (IGS) zu nutzen, meldet sich nun die Emder CDU mit einem eigenen Modell zu Wort: Nach ihrem Willen soll die Herrentorschule von einer Oberschule zu einer reinen Realschule werden – ohne Hauptschulzweig.

Nach der Bekanntgabe zu Plänen der IGS-Erweiterung: Diese Schüler kämpfen für den Erhalt ihrer Oberschule. Foto: Mona Hanssen/Archiv
Nach der Bekanntgabe zu Plänen der IGS-Erweiterung: Diese Schüler kämpfen für den Erhalt ihrer Oberschule. Foto: Mona Hanssen/Archiv

„Es hat sich gezeigt, dass eine reine Realschule der Wunsch vieler Beteiligter ist“, erklärt CDU-Ratsherr Gerold Verlee im Gespräch mit dieser Zeitung. Man habe sich mit Eltern, Lehrkräften und Vertretern der Schule ausgetauscht, auch die Herrentorschule selbst habe sich für dieses Modell ausgesprochen. Viele Eltern und Schüler wünschten sich die Möglichkeit, in Emden eine Realschule besuchen zu können. Zudem meldeten Unternehmen zurück, dass Bewerberinnen und Bewerber mit Realschulabschlüssen auf dem hiesigen Ausbildungs- und Arbeitsmarkt gefragt sind, so Verlee.

Mehr Vielfalt in der Schullandschaft

Die CDU sieht in der Realschule auch ein zusätzliches Angebot für jene Schülerinnen und Schüler, die nach der Grundschule zwar das Gymnasium anstreben, dort aber scheitern und zugleich nicht auf die IGS oder an eine der weiteren Emder Oberschulen in Borssum oder Wybelsum wechseln möchten. „Da wäre das Angebot einer reinen Realschule attraktiv“, so der CDU-Ratsherr. Als Beleg dafür verweist er auf die Realschule in Aurich, die sich nach anfänglicher Skepsis zu einem Erfolgsmodell entwickelt hat und Jahr für Jahr hohe Anmeldezahlen verzeichnet.

Die Stadtverwaltung verfolgt indes einen anderen Kurs: Sie möchte die Herrentorschule in die IGS eingliedern, die dann achtzügig werden könnte. Hintergrund seien die sinkenden Anmeldezahlen an den Oberschulen und die anhaltend hohe Nachfrage nach Plätzen an den beiden Emder Gymnasien und der IGS. So meldeten sich für das laufende Schuljahr 2024/25 nur 55 Kinder an der Herrentorschule an, während die IGS 135 Anmeldungen zählte. Nur das Johannes-Althusius-Gymnasium war mit 137 Anmeldungen noch stärker nachgefragt.

Widerstand in Herrentor

Die Pläne stoßen in Herrentor jedoch auf erheblichen Widerstand. Eine Online-Petition zum Erhalt der Schule haben inzwischen mehr als 1100 Menschen unterschrieben. „Die Herrentorschule ist die einzige zentrumsnahe, weiterführende Schule außer der IGS – sollen dann zukünftig alle Emder Kinder, welche nicht in die IGS eingeschult werden möchten, in den Bus steigen und quer durch die Stadt fahren?“, fragte Elternvertreter Dieter Janßen in einem Schreiben.

Auch das überlastete Bussystem sei ein Problem. Darüber hinaus bemängelt die Elternschaft die aus ihrer Sicht fehlende Transparenz und die große Eile des Prozesses. „So stellen wir uns Mitsprache in einem demokratischen System nicht vor“, heißt es weiter.

Unterstützung aus der IGS-Elternschaft

Anders sieht das der Schulelternrat der IGS Emden. Er unterstützt die geplante Eingliederung ausdrücklich. Die IGS-Eltern betonen die Vorteile der Gesamtschule: mehr Plätze für Schülerinnen und Schüler, individuelle Förderung, gemeinsames Lernen unabhängig von Herkunft oder Leistung. Die IGS sei das moderne Modell der Zukunft, weil sie Integration statt Selektion fördere und den Bedürfnissen unserer Stadtgesellschaft am besten entspreche, heißt es in einer Stellungnahme, die von Zerrin Mentjes als Vorsitzende des Schulelternrats der IGS Emden unterzeichnet ist. „Die Erweiterung der IGS macht Emden für Familien attraktiver und gibt unseren Kindern das, was sie am meisten brauchen: faire Chancen – unabhängig von Herkunft, Leistung oder Hintergrund“, so Mentjes.

Die CDU hält dagegen, dass die Umwandlung in eine Realschule auch organisatorisch einfacher umzusetzen sei. Umbauten am Gebäude selbst wären weniger umfangreich, die Lehrkräfte könnten größtenteils übernommen werden. Es seien dennoch viele Fragen zu diskutieren, die in den Fraktionen beraten werden müssen. Verlee spricht sich deshalb dafür aus, die Entscheidung nicht übereilt zu treffen. Im September steht das Thema auf der Tagesordnung im Verwaltungsausschuss sowie im Rat. Verlee plädiert dafür, eine endgültige Entscheidung bis Dezember zu vertagen.

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