Ratssitzung in Emden  Bürger-Protest vor dem Go zum Innenstadtumbau

Stephanie Schuurman
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Von Stephanie Schuurman
| 23.08.2025 09:11 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Hat Unterschriften gegen die Friedrich-Ebert-Straße als Durchfahrtsstraße gesammelt: Ole Falbe. Fotos: Stephanie Schuurman
Hat Unterschriften gegen die Friedrich-Ebert-Straße als Durchfahrtsstraße gesammelt: Ole Falbe. Fotos: Stephanie Schuurman
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Bürger aus Groß-Faldern machen ihrem Ärger vor der finalen Abstimmung zum Innenstadt-Umbau Luft. Die Stadt verweist auf Verkehrsexperten-Gutachten und Verbesserungen.

Emden - Ob mit so viel Protest noch einmal gerechnet wurde? Wie dem auch sei: Vor der finalen Abstimmung zum großen Innenstadtumbau haben Bewohner Groß- und Klein-Falderns die Bürgerfragestunde im Emder Rat genutzt, um die Stadtverwaltung nochmals mit der Verkehrsproblematik zu konfrontieren, die auch aus der Einbahnregelung der Neutorstraße resultieren. Die Friedrich-Ebert-Straße ist seither zur „Hauptumgehungsstraße“ geworden, wie einige es sehen. Und die Befürchtung ist offenbar groß, dass sich die hohe Verkehrsbelastung in ihrem Viertel durch den Umbau von Neutorstraße und der Straße am Delft verfestigt.

Gut gefüllt mit vielen Anwohnern Groß- und Klein-Falderns: der Zuschauerbereich im Ratssaal.
Gut gefüllt mit vielen Anwohnern Groß- und Klein-Falderns: der Zuschauerbereich im Ratssaal.

Es gab sachliche, aber auch polemische Fragen, die nur erahnen lassen, wie sehr die Nerven bei einigen inzwischen blank liegen. Man fühle sich inzwischen „völlig verarscht“, so eine Anwohnerin, die fragte, ob die Friedrich-Ebert-Straße „Umgehungsstraße für die Neutorstraße“ bleibe. Eine andere fühlt sich „nicht ernstgenommen“. Sie fragte, warum es nicht möglich sei, Schilder so zu gestalten, dass der Verkehr über die Autobahn geführt werde statt durch ihre Straße. Dort sei es so laut, die Feinstaubbelastung enorm, die Fenster schwarz. Eine weitere Anwohnerin bescheinigte der großen Innenstadtumgestaltung im Vorfeld, dass diese „sicher schön“ wird. Allerdings gehe diese „zu unseren Lasten“.

Unterschriften gegen „Durchfahrtsstraße“ gesammelt

Ole Falbe als Ortsverbandsvorsitzender der CDU, der jüngst eine Unterschriftensammlung gegen die Friedrich-Ebert-Straße als Durchfahrtsstraße gestartet hatte, fragte, welche Maßnahmen geplant seien, um den drohenden zusätzlichen Verkehr aus der Straße herauszuhalten, wenn die Sanierung in der Innenstadt erst beginnt. 152 Unterschriften plus hundert weitere Unterschriften online hat er für die Initiative inzwischen zusammen. Sie würden nicht berücksichtigt, deutete er an. „Sie sind wohl in einer Schublade verschwunden.“

Stadtbaurätin Irina Krantz stellte sich den Fragen und Vorwürfen. Sie verwies auf die „frühe Kontaktaufnahme“ mit dem Bürgerverein Groß-Faldern, auf diverse Info-Veranstaltungen, auf Diskussionen mit Bürgern und Anliegern. Viele Anregungen aus diesen Zusammenkünften seien bereits umgesetzt wie Beschilderungsmaßnahmen, Eindämmungsversuche von Parksuchverkehr durch Parkverbote, Geschwindigkeitsmessungen. Die Verhinderung des Baustellenverkehrs sei fest zugesagt. „Ich sehe die Friedrich-Ebert-Straße nicht als Hauptumgehungsstraße“, erklärte Krantz.

Neue Einbahnstraßen und attraktivere Alternativrouten

Ohnehin sei die „schlimmste Zeit“ mit dem Schwerlastverkehr nach der Wiederöffnung der Trogstrecke nun vorbei, so Krantz. Auf das lautstarke Gelächter aus dem Publikum konterte sie mit den jüngsten Ergebnissen der Verkehrszählung in der Straße, die durch ein technisches Gerät erfolgte, und „nicht meinungsmäßig beeinflussbar“ sei. Demnach führen 95 Prozent aller Autos maximal 38 km/h, 5185 Fahrzeuge seien in der Spitze am Tag gemessen worden, davon 21 lange Lkw und Busse, 92 Sprinter und Klein-Lkw. Ob das viel ist, bewertete sie allerdings nicht.

Nicht nur Interesse, auch sichtbarer Protest: Bürgerinnen und Bürger vor der Abstimmung zum Innenstadtumbau.
Nicht nur Interesse, auch sichtbarer Protest: Bürgerinnen und Bürger vor der Abstimmung zum Innenstadtumbau.

Entscheidend aber dürfte ihr Hinweis auf das in diesem Frühsommer in Auftrag gegebene Verkehrsgutachten sein. Experten sollen das gesamte Viertel beleuchten. Alternative Verkehrsführungen mit diversen Einbahnregelungen samt erwarteter Auswirkungen sollen auf dem Papier beziehungsweise am Computer simuliert werden, um optimale Bedingungen für alle zu schaffen. Das Gutachten werde Ende dieses oder Anfang kommenden Jahres erwartet. Ziel sei es, „Verkehre ohne Zielpunkt“ aus dem Viertel herauszuhalten. „Daran arbeiten wir“, versprach Krantz. „Der Gutachter hat den konkreten Auftrag, Lösungen zu finden.“

Hauptachsen attraktiver machen

Und dazu gehöre auch, andere Straßen schneller und attraktiver zu machen. So werde auch an Verbesserungen von Hauptverkehrsrouten gearbeitet. Beispielsweise sei bereits jetzt eine optimalere Ampelschaltung am Agterum/Neutorstraße kurz vor der Umsetzung, um den Verkehrsfluss dort zu verbessern. „Deutlich stärkere Straßenachsen machen diese Wege attraktiver“, sagte Krantz. Möglicherweise überzeugt das auch die Emder, die bislang - komme was wolle - ihren gewohnten Weg durch das stark belastete Viertel wählen, dazu, andere Wege zu nehmen.

Der ortsunkundige Verkehr von auswärts werde per Navi längst über die Trogstrecke oder den Autobahnhalbring geführt, versicherte der Leiter der Verkehrsbehörde, Hinrich Post. Alle Änderungen insbesondere in diesen Baustellenzeiten habe man in die Systeme einspeisen lassen. Und von mangelnder Beschilderung könne keine Rede sein. Auf der Autobahn und eingangs der Petkumer Straße aus Richtung Borssum stünden sogar mehrere Hinweisgeber. „Das Hauptproblem ist die Ignoranz der Verkehrsteilnehmer“, sagte Post. „Irgendwann sind unsere Möglichkeiten begrenzt.“

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