Wochenglosse Harte Weichenstellung bei der Bahn
Es wird ein neuer Bahnchef gesucht. Obwohl in Ostfriesland leider niemand diesen Vornamen hat, könnten wir doch Bewerber ins Feld führen. Eine Glosse.
Die Deutsche Bahn braucht eine neue Führung. Bahnchef Lutz wurde gefeuert. Dabei hatte er seinen Posten stets vorbildlich ausgefüllt: Er kam um 4 Uhr morgens zur Arbeit (um die Zeit fahren die Züge noch pünktlich) und blieb bis um 22 Uhr (dann ist der ICE nicht mehr so brechend voll und es gibt die besten Sparpreisangebote!). Außerdem schaffte Lutz, was sonst selten jemanden gelingt: Er konnte sein Gehalt trotz der Verluste seines Unternehmens im vergangenen Jahr verdoppeln. Ein Spitzenmann. Gewöhnlich mittelmäßig informierten Quellen zufolge darf er immerhin seine Bahncard 100 behalten.
Nun muss also ein Nachfolger her. Das wird nicht leicht, nur wenige Menschen in unserem Land heißen Bahnchef mit Vornamen, aber das ist eine Voraussetzung für den Job. Außerdem muss man ein Jahresgehalt jenseits der Millionengrenze akzeptieren und aushalten, für jede Verspätung einer Regionalbahn zwischen Mokersheide und St. Nirgendwo persönlich verantwortlich gemacht zu werden. Wir hätten qualifizierte Kandidaten aus Ostfriesland: Landrat Groote ist bekannt für Pünktlichkeit und könnte dank seiner Ausbildung einen Zug eigenhändig reparieren – manches Material auf den Gleisen stammt noch aus der Lehrzeit des 51-Jährigen. Oder Johann Saathoff: Der SPD-Mann kennt sich mit Niederlagen aus und löst Probleme beim Elführtje. Wir könnten allerdings auch Klinikchef und Teufelskerl Dirk Balster schicken: Mit ihm würde Bahnfahren noch teurer und Beschwerden von Reisenden würden direkt veröffentlicht und mit Spott überzogen werden.
Die Autorin erreichen Sie unter k.lueppen@zgo.de