Helgoland/Kiel  Auf Terrain des Lieblingsfeinds: Markus Söder fährt nach Helgoland – Daniel Günther weiß von nichts

Henning Baethge
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Von Henning Baethge
| 21.08.2025 16:30 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Ziemlich beste Feinde: Daniel Günther (l.) und Markus Söder Foto: dpa/Frank Molter; dpa/Michael Kappeler
Ziemlich beste Feinde: Daniel Günther (l.) und Markus Söder Foto: dpa/Frank Molter; dpa/Michael Kappeler
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Prominenter Besuch auf Helgoland: Bayerns Ministerpräsident Markus Söder kommt auf die schleswig-holsteinische Hochseeinsel – zum Glück nicht, um sie zu annektieren. Sein Kollege Daniel Günther ist nicht eingeladen. Und sagt ein paar Takte dazu.

Im jüngsten Bundestagswahlkampf sprach Bayerns Ministerpräsident Markus Söder im Spaß davon, zwei Inseln von Schleswig-Holstein annektieren zu wollen: „Wenn es nach dem Länderfinanzausgleich geht, dann wären Sylt und Helgoland längst bayerisch.“

Jetzt rückt der CSU-Chef wirklich an: Söder will Helgoland nächste Woche besuchen. Am Dienstagnachmittag fährt er mit dem „Halunder Jet“ von Hamburg zum roten Felsen, am Mittwochmittag wieder zurück.

Natürlich geht es nicht um eine Annexion – Söder ist ja nicht Trump, Helgoland nicht Grönland und Deutschland nicht Amerika. Vielmehr kommt der bayerische Regierungschef auf Einladung des parteilosen Insel-Bürgermeisters Thorsten Pollmann.

Der hatte schon nach Söders Witzelei über eine Annexion erklärt, dass die zum Kreis Pinneberg gehörende Insel alle Gäste willkommen heiße, auch die aus Bayern. Jetzt sagt er: „Es ist uns eine Ehre, Herrn Doktor Söder auf Helgoland begrüßen zu dürfen und ihm die Vielfalt unserer Insel näherzubringen.“

Geplant sind unter anderem ein Empfang im Rathaus, eine Rundfahrt über die Insel, eine Börtebootfahrt zur Helgoländer Düne sowie ein festlicher Abend mit Kulturprogramm für geladene Gäste.

Nicht dabei sein wird allerdings Söders schleswig-holsteinischer Amtskollege Daniel Günther. Er war bisher nicht über den geplanten Besuch informiert – ein kleiner Affront. Günther will das so aber nicht formulieren. Er sagt vielmehr, er „freue“ sich, dass Söder mit seinem Besuch „hilft, Schleswig-Holsteins Spitzenplatz bei den Übernachtungen zu festigen“.

Söder sei „begeistert von den Inseln in unserem Land“, meint Günther. „Die kennt er halt nicht. Und er kennt auch Hochsee-Wasser nicht.“ Wahrscheinlich werde Söder „überrascht sein“, dass der Wellengang auf der Fahrt nach Helgoland „höher ist als auf dem Chiemsee“. Er wünsche ihm aber, dass der Wind nicht zu stark wehe und Söder wohlbehalten hin und zurück komme. Treffen werde er seinen Kollegen jedoch nicht: „Er macht den Besuch auf eigene Faust“, sagt Günther und ergänzt: „Bei meinem letzten Helgoland-Besuch war ich auch ohne ihn da.“

Man merkt: Günther und Söder mögen sich nicht sonderlich. So hatte CDU-Mann Günther seinem Unionsfreund Söder erst Anfang des Jahres wegen dessen ständiger Querschüsse gegen die Grünen geraten, „einfach den Mund zu halten“ und im Wahlkampf „für eine starke CDU und CSU zu kämpfen“.

Zuvor rechnete er ihm genüsslich vor, dass Söder bei der letzten Landtagswahl in Bayern mit 37,0 Prozent nicht nur ein schlechteres Ergebnis als Günther mit 43,4 Prozent in Schleswig-Holstein eingefahren hatte, sondern auch als Reiner Haseloff in Sachsen-Anhalt mit 37,1 Prozent. „Früher hatten sie in Bayern mal strahlende Wahlsiege“, lästerte Günther.

Söder konterte im Februar nicht nur mit der Aussage zu Sylt und Helgoland, sondern hielt seinem CDU-Lieblingsfeind Günther auch die Armut des nördlichsten Bundeslands vor, das letztes Jahr 267 Millionen Euro aus dem Länderfinanzausgleich erhielt. Bayern zahlte dagegen fast zehn Milliarden.

Schleswig-Holstein, sagte Söder, „ist ein kleines, schönes Land mit schöner Landschaft, wirtschaftlich enormen Problemen, finanziell hochverschuldet“, so dass man sogar Haushaltsnotlagen ausrufen müsse – „und trotzdem will man den Länderfinanzausgleich aus Bayern“. Unverschämt. Söders Rat damals: „Ich würde mal sagen: Um die eigenen Probleme kümmern.“

Das macht Günther jetzt auf seine Weise. Er gehe nächste Woche ohnehin auf seine schon länger geplante Sommerreise, kündigt er an. Die führt ihn zu Orten im ganzen Land – von Flensburg im hohen Norden bis Lauenburg im tiefen Süden. Und dabei, sagt Günther, „erwarte ich auch Gäste, die vorher Bescheid gesagt haben“.

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