Delmenhorst Geräte verschrotten? Was wird aus den Luftfiltern aus der Corona-Pandemie?
Während der Pandemie haben Kommunen viel Geld für Luftfilter ausgegeben. Doch inzwischen setzen diese in vielen Schulen nur noch Staub an und nehmen Platz weg. Wohin also mit den sperrigen Geräten?
Es war eine Zeit der allgemeinen Verunsicherung und der schnellen Entscheidungen. Eine Zeit, in der man trotz aller Unwägbarkeiten einen sicheren Schulunterricht planen musste. Während der Corona-Pandemie haben viele Kommunen für viel Geld eine Vielzahl von Luftfiltern angeschafft. Mit ihrem Einsatz sollte die Infektionsgefahr im Schulbetrieb gedrückt werden. Eine Kommune davon war die niedersächsische Stadt Delmenhorst. Heute stellt sich dort die Frage: Was tun mit den Geräten?
Andere Städte und Gemeinden versuchen gerade, darauf eine Antwort zu finden – und finden stellenweise recht rabiate Lösungen. Auf die „fachgerechte Entsorgung“, also Verschrottung, läuft es zum Beispiel in der Stadt Erlangen in Bayern hinaus, hat kürzlich die Tageszeitung „taz“ berichtet. Die Argumente: Die Dinger nehmen zu viel Platz in den Klassen weg, werden dort nicht mehr eingesetzt, zudem sei die Wartung sehr teuer. Das nordrhein-westfälische Münster hatte wegen fehlendem Lagerplatz laut WDR ähnliches vor – doch Eltern, Ärztevertreter und die CDU intervenierten.
Und in Delmenhorst? Wie die Stadtverwaltung auf Nachfrage mitteilt, wurden während der Pandemie 92 Großgeräte und 615 Kleingeräte beschafft. Zur Einordnung: Die Großgeräte sind immerhin rund 200 Kilogramm schwer, sie sollen einen Luftaustausch in großem Umfang ermöglichen. 350.000 Euro hat die Stadt nach eigener Angabe für die Großgeräte ausgegeben, wovon 250.000 Euro Fördergeld ausmachten. Stückpreis: 3800 Euro. Die Kleingeräte auf komplett eigene Rechnung der Stadt schlugen mit weiteren 140.000 Euro zu Buche.
Eine halbe Million Euro also hat Delmenhorst in Luftfilter investiert. Doch mittlerweile haben sie in den meisten Schulen offenbar ausgedient. Die Stadtverwaltung teilt dazu mit: „Immer mehr Schulen fragen an, ob eine Möglichkeit der Rückgabe der Geräte besteht.“ Ein Grund dafür ist der Flächenbedarf. Die Stadt Delmenhorst prüfe aktuell, wie viele Geräte die Schulen zurückgeben möchten und wie mit diesen weiter verfahren wird.
Eine klare Vorgehensweise zeichnet sich noch nicht ab: Das Verschrotten, wie es in Erlangen debattiert wird, bildet dabei zumindest ein mögliches Szenario – wobei erwähnt werden sollte, dass sich die Delmestadt anders als die Bayern nicht nur ausschließlich mit High-End-Modellen für mehrere Tausend Euro pro Stück eingedeckt hat. Immerhin: Wartungskosten wie andernorts sind für Delmenhorst nach eigener Aussage bislang nicht aufgelaufen. Die Stadt ordnet diesen Umstand so ein: „Dies spricht für eine geringe Nutzung in den Schulen.“
Den Eindruck, dass die Geräte keine große Nutzung mehr erfahren, bestätigen Marco Castiglione aus der Schulleitung des Max-Planck-Gymnasiums und Cathrin Witte, Leiterin der Grundschule Bungerhof-Hasbergen. Witte zufolge sind die Geräte aus der Nebenstelle in Hasbergen nach einer Renovierung im Frühjahr an die Stadt zurückgegeben worden, weil sie nicht mehr benutzt wurden. Vor den Ferien habe die Stadt eine Anfrage an die Schulen gestellt, wie sie weiter mit den Luftfiltern verfahren wollen. Wittes Haltung ist dabei klar: „Wir würden sie gerne loswerden. In meinen zwei Jahren an der Schule sind sie nicht einmal benutzt worden. Sie stehen nur im Weg.“
Die Dimension der Großgeräte vergleicht Witte mit einer „Waschmaschine mit Trockner obendrauf“ – sechs dieser Kästen gebe es, die Kleingeräte stünden auf dem Dachboden. Witte könnte sich vorstellen, in der Grippesaison Kleingeräte aufzustellen, hält aber auch das Lüften für ein probates Mittel.
Anders äußert sich Castiglione. In „bestimmten Situationen“ wie beispielsweise mehrstündigen Prüfungen würden die Luftfilter noch verwendet, zum Beispiel um das Frische-Luft-Schnappen zu ersetzen. Dennoch werde bei Lehrkräften die Bereitschaft zur Rückgabe festgestellt. Insgesamt 60 Geräte, meist kleine, habe das Maxe. Zurzeit laufe eine Anfrage an die Lehrerschaft, inwiefern diese Luftfilter noch für notwendig hält. Gut möglich, sagt Castiglione, dass das Maxe die Großgeräte behalte und den Rest zurück an die Stadt als Schulträger gebe. Er fügt an: „Wir sind sehr dankbar, dass wir während der Pandemie ein gutes Sicherheitsgefühl leisten konnten.“
Unter dieser Prämisse sieht auch die Stadtverwaltung die Verwendung der Luftfilter: So sei die Anschaffung der Großgeräte seinerzeit nur unter der Voraussetzung gefördert worden, sie in nicht oder kaum belüftbaren Räumen einzusetzen. „Aus diesem Grund ist die Anschaffung zu der damaligen Zeit als sinnvoll zu bewerten. Im Ergebnis bleibt jedoch festzuhalten, dass sich die regelmäßige Nutzung der Geräte auf die Hochphase der Corona-Pandemie beschränkt hat.“