Mehr als nur Kartoffelpü Wie Weeners Senioren beim Mittagessen abräumen
Im Altenzentrum Rheiderland wird seit rund sechs Monaten mit einem neuen Team wieder verstärkt selbst gekocht. Bewohner und Gäste profitieren von mehr Auswahl und regionalen Gerichten.
Weener - Noch ist nicht Essenszeit im Altenzentrum Rheiderland in Weener. Doch der Mittagstisch wirft bereits seine Schatten voraus. Hilde Klinghagen und Manfred Niemöller sitzen bei Sonnenschein auf einer Bank vor dem Eingang. Es bleibt Zeit für einen Schnack. Hilde Klinghagen wohnt nicht in der Senioreneinrichtung, doch seit gut vier Jahren kommt sie regelmäßig zum Mittagstisch – und seit einem halben Jahr mit besonderer Freude. „Das Essen hier ist deutlich besser geworden, seit selbst gekocht wird“, erzählt sie im Brustton voller Überzeugung. „Ja, es ist wirklich super“, springt ihr Niemöller bei, der im Altenzentrum wohnt. „Ich esse jeden Tag hier und ich finde, es ist wirklich gut. Und damit ist vorerst genug gesagt; es wird weiter geschnackt, bis der Speisesaal seine Pforten öffnet.
Seit dem ersten März kocht hier ein neues Team für Heimbewohner und auswärtige Gäste, nachdem die vorherige Essenspartnerschaft mit der Lebenshilfe Leer aufgrund von Personalmangel aufgelöst werden musste. „Eigener Herd ist Goldes wert“, unterstreicht Andreas Cramer, Leiter des Altenzentrums Rheiderland, die Bedeutung der Grundsatzentscheidung des Trägers der Senioreneinrichtung, für die Bewohner des Altenzentrums weiter im hauseigenen Küchenbereich zu kochen. Zumal diese Entscheidung mit erheblichen Investitionen verbunden war. Rund 300.000 Euro flossen in Küche und Küchenausstattung, um zeitgemäßen Küchenstandards gerecht zu werden. Ausgezahlt hat sich das: „Einer unserer Bewohner hat einmal gesagt, wir wären sein persönlicher Gold-Grill“, schmunzelt die neue Küchenchefin Nicole Bruns.
Kein Essen von der Stange
Doch es ist nicht nur die Technik, welche die Bewohner überzeugt. „Unser Küchenteam hat viele neue Ideen und ein überzeugendes Konzept“, betont Cramer. Partner ist jetzt die Diadema, ein Tochterunternehmen des Diakonie Service Zentrums in Oldenburg. „Wir wollen den Bewohnern und Gästen von außerhalb des Hauses kein Essen von der Stange vorsetzen, wir setzen auf Besonderheit und sind auch mal spontan“, sagt Anja Schoof, Prokuristin bei Diadema. Bei Hitze – wie in der vergangenen Woche – gebe es dann einfach mal Kaltschale, ergänzt Cramer.
Küchenchefin Nicole Bruns bringt mehr als 20 Jahre Berufserfahrung als Köchin mit. Zum insgesamt sechzehnköpfigen Küchen-Team gehören zudem ein weiterer Koch, eine Beiköchin und weitere Küchenhilfen. Beim Kochen selbst wird viel auf frische und regionale Zutaten gesetzt, auf Convenience-Produkte wird weitgehend verzichtet. Neben dem Mittagsmahl gibt es für die aktuell 122 Bewohner Frühstücks- und Abendbrotkarten, mit denen das gewünschte Mahl zusammengestellt werden kann. Dabei seien spontane Umstellungen einzelner Komponenten auch kurzfristig möglich, berichtet Schoof.
Die Leibspeise zum Geburtstag
„Wichtig ist für uns, dass alle Bewohner die gleiche Qualität beim Essen erwarten können. Ganz gleich, ob sie im Speisesaal oder auf ihren Zimmern das Mahl serviert bekommen.“ Der Speisesaal sei vergrößert und aufgewertet worden“, sagt Andreas Cramer, der Leiter des Altenzentrums. „Wir haben versucht, eine Wohlfühloase zu schaffen, damit die Menschen länger in Gesellschaft verweilen“, betont er. Dies sei auch gelungen. Die durchschnittliche Verweildauer im Speiseraum sei von im Schnitt zehn auf mittlerweile 45 Minuten gestiegen.
Beim Betreten des Speiseraums winkt Hilde Klinghagen erfreut. Sie sitzt an ihrem Stammtisch teils mit Auswärtigen und teils mit Bewohnern zusammen. Das Essen hat ihr offensichtlich geschmeckt, der Teller vor ihr ist leer, die Stimmung gut. Bratwurst mit Sauerkraut und Kartoffelpüree gab es heute, oder alternativ eine Gemüselasagne. Da Geschmäcker verschieden sind, können die Bewohner des Altenzentrums auf Karten auch Wünsche beim Essen äußern. „Wir versuchen, das dann möglichst jedem zu erfüllen. Auch wenn es mal ein paar Tage dauern kann“, sagt Anja Schoof. Auch zum Geburtstag können sich die Bewohner eine Leibspeise wünschen. „Wir kriegen fast alles hin.“
Gemeinsamer Mittagstisch nicht nur in Weener
Im Schnitt 50 Bewohner und Auswärtige genießen das gemeinsame Mittagessen im Speisesaal, berichtet Cramer. Gefragt ist häufig Hausmannskost, aber auch mal Currywurst und Pommes. Auswärtige zahlen für das Mahl acht Euro, bei den Bewohnern ist dies bei den Heimkosten enthalten.
Nicht nur in Weener setzt man auf gemeinsame Mittagszeit. Im Landkreis Leer gibt es außerdem Seniorenbeiräte und andere Vereine, die Senioren einladen, die gerne in Gesellschaft essen wollen. Beispielsweise bietet der Seniorenbeirat Rhauderfehn einen Mittagstisch an: Meist jeden dritten Mittwoch im Monat um 12 Uhr, Einlass 11.45 Uhr, im Musik-Café Marienheil. Die Kosten betragen 13 Euro inklusive Getränk, Anmeldung bis zwei Tage vorher unter Tel. 04952/2256 oder 04952/8267541.
Ebenso gibt es einen wöchentlichen Mittagstisch der Nachbarschaftshilfe in Leer in der Ost- und Weststadt. Im Nachbarschaftstreff in der Evenburgallee und im Pastorenkamp wird jeden Donnerstag zum Selbstkostenpreis gekocht, wie beim Bauverein zu lesen ist. In der Oststadt könne man sich jeweils bis Dienstag anmelden unter Tel. 0491/9277650 und in der Weststadt bis zum Donnerstag der Vorwoche unter Tel. 0491/9277626 und dann je am darauffolgenden Donnerstag um 12 Uhr in geselliger Runde in den Nachbarschaftstreffs essen. Kosten je sieben Euro pro Mahlzeit.